Sie lässt Kleidung produzieren, die aus Eukalyptusholz gefertigt werden. Dafür hat die Unternehmerin aus dem Kulmbacher Stadtteil Kirchleus einen Innovationspreis bekommen.

Stroh zu Gold spinnen - das funktioniert nur im Märchen. Holz zu Garn spinnen, das zu seidenweicher Wäsche verstrickt wird - das klappt dagegen in der Realität prima und ist das Erfolgsrezept der Unternehmerin Gabriele Diller. "Lebensqualität" hat die 49-Jährige ihre Firma genannt, und der Name ist Programm: Sie will mit ihren Produkten Haut und Umwelt pflegen.

Die Kirchleuserin lässt Babykleidung und Unterwäsche für Erwachsene aus Holz produzieren und hat mit ihren Kollektionen international Erfolg. Sogar einen Innovationspreis im Rahmen der Initiative "365 Orte im Land der Ideen" hat die Kirchleuserin jetzt in München für ihr Konzept bekommen. Die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" prämiert Ideen und Projekte, die einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten.

100 Prozent Natur


Holz zum Anziehen? Das geht tatsächlich und ist auch aus der Viskose-Herstellung bekannt. Tencel heißt die innovative Faser, die in einem umweltfreundlichen Prozess aus den Stämmen von Eukalyptusbäumen gewonnen wird. Die Holzschnitzel werden mit heißem Wasser eingeweicht und durch Zugabe von Enzymen und Bakterien zersetzt. Der dadurch entstehende weiche Brei wird getrocknet und mit Druck zu einer langen Faser verarbeitet, die erst versponnen und dann verstrickt wird. Das Ergebnis ist ein naturweißer weicher Stoff mit außergewöhnlichen Eigenschaften: Er nimmt Feuchtigkeit auf, ohne sich feucht anzufühlen, weit besser als Polyester oder Baumwolle das können. Wegen der glatten und geschmeidigen Oberfläche und dem Verzicht auf synthetische Zusatzstoffe eignet sich das Material besonders gut für All ergiker, insbesondere für Neurodermitis-Patienten.

Idee aus eigener Erfahrung


Gabriele Diller lernte den Stoff vor drei Jahren durch ihren Freund Markus Tutsch kennen. Der Textilingenieur war an der Entwicklung des Materials beteiligt und besitzt eine Strickerei für Matratzenstoffe. "Ich habe selbst zwei Söhne, die als kleine Kinder unter Neurodermitis litten", erzählt die 49-Jährige. Die beiden Jungen sind mittlerweile erwachsen, doch Gabriele Diller erinnert sich noch gut, wie schwierig es für sie war, Kleidung zu finden, die die empfindliche Haut nicht reizte. "In den achtziger Jahren war Acryl angesagt. Biobaumwolle musste man suchen."

Heute gibt es eine deutlich größere Auswahl, aber die Kirchleuserin sah großes Potenzial für die Baumfaser. "Das Material hat mich einfach begeistert." Die gelernte Buchhaltungsfachkraft, die seit mehr als 20 Jahren selbstständig ist, zunächst die Bäckerei der Eltern führte und dann zehn Jahre als Berufsbetreuerin arbeitete, gründete 2009 ihre Firma. Zunächst handelte sie nur mit Bettwaren, brachte aber schnell ihre erste eigene Kollektion heraus.

Mehr über die Geschäftsidee und das Umwelt-Engagement der Kirchleuser Unternehmerin lesen Sie in am Donnerstag in der Bayerischen Rundschau.