Es gehe nicht um die Befehle "Sitz!", "Platz!" oder "Bleib!", sondern um Grundlegendes wie Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, erklärt Katharina Hofbauer. Ihre Kulmbacher Hundeschule "CaneVita" musste aufgrund des Lockdowns schließen. Das stellt die Hundetrainerin nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen vor Probleme. Sie sorgt sich zudem um ihre Kunden, die nun mit der Hundeerziehung alleine dastehen.

Ein enges Zeitfenster

Grundkommandos könne ein Hund in jedem Alter noch lernen, so Hofbauer. Vor allem Welpen befänden sich in den ersten Lebenswochen in einer sensiblen Phase, das heißt: "Alle Erfahrungen, die sie in dieser Zeit machen, beeinflussen entscheidend ihr künftiges Verhalten."

Hofbauer zufolge ist es wichtig, dem Vierbeiner in genau diesem Zeitfenster beizubringen, dass er nicht jedem Jogger nachlaufen, Einrichtungsgegenstände zerstören oder Menschen beim Spielen zwicken darf. Kurz gesagt werde in den ersten Wochen die Gesellschaftsfähigkeit des Hundes in der Menschenwelt trainiert. Da Charakter und damit auch das Verhalten bei jedem Hund verschieden sind, möchte Hofbauer von Online-Kursen absehen. Sie könne es nicht verantworten, "blind" Ratschläge zu geben, ohne den Besitzer im Umgang mit dem Hund zu beobachten.

Welpenschwemme durch Corona

Gerade jetzt ist Hundetraining gefragter denn je. Wie die Bayerische Rundschau im November uner dem Titel "Kulmbacher Tierfreunde sind gegen Welpen vom Wühltisch" berichtete, haben sich in diesem Jahr mehr Menschen als sonst einen Hund angeschafft. Die Tierschutzorganisation "Tasso", die Deutschlands größtes kostenloses Haustierregister betreibt, verzeichnete bundesweit einen starken Zuwachs bei den Neuregistrierungen. Der Grund: Durch die Corona-Krise verbringen die Menschen mehr Zeit zuhause. Damit wächst der Wunsch nach Haustieren.

"Wir haben eine richtige Welpenschwemme", sagt Hofbauer. Ihre Welpenkurse seien dieses Jahr ausgebucht gewesen. Es sei sehr löblich, dass Ersthundebesitzer einen Kurs belegen, um den Umgang mit dem vierbeinigen Familienzuwachs zu erlernen. Die Entscheidung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, dass Hundeschulen während des Lockdowns geschlossen bleiben müssen, kann sie nicht nachvollziehen, da das Training im Freien stattfindet, auf Mindestabstand geachtet und immer ein Mund-Nase-Schutz getragen werde.

Ein Ministeriumssprecher erklärt, dass es sich beim Hundetraining um "außerschulische Bildungsangebote" handle, da "im Unterricht und Training in der Gruppe an die Hundebesitzer Wissen im Umgang mit ihren Hunden vermittelt" werde. Laut Bayerischer Infektionsschutzmaßnahmenverordnung seien alle außerschulischen Bildungsangebote untersagt, sodass auch Kurse und Training für Hunde durch sämtliche Anbieter nun unzulässig sind.

Kein Töpferkurs

Behördlich wird die Erziehung von Hunden also eher einem Töpferkurs zugeordnet, als "Tierbedarf" oder "Tierpflege, die unaufschiebbar ist", Geschäftszweige die laut Informationsblatt "FAQ Corona-Krise und Wirtschaft" während des Lockdowns geöffnet bleiben dürfen.

"Wir sind Dienstleister, aber nicht in der Erwachsenenbildung tätig. Ein Hund ist ein Lebewesen. Entsprechend fällt seine Ausbildung in den Bereich der Gefahrenprävention", betont Julia Dittmers, die Vorsitzende des bundesweit tätigen Berufsverbands zertifizierter Hundetrainer.

In den ersten Lebenswochen eines Hundes könne viel schief gehen. Wenn die Besitzer dem drolligen Welpen zu viel durchgehen lassen und nicht sicher und angemessen Grenzen aufzeigen, könne das später zu massiven Problemen im Alltag führen. "Hundeschulen komplett zu schließen ist aus Hundetrainersicht schwer zu greifen", so Dittmers. Denn man habe keinen körpernahen Kontakt und der Unterricht finde im Freien statt. In ihrem Heimat-Landkreis Verden in Niedersachsen dürften sich Kleinstgruppen von maximal fünf Personen aus unterschiedlichen Haushalten auf privaten Plätzen zum Hundetraining treffen, natürlich unter Einhaltung der Hygienevorkehrungen.

Überhaupt scheint Niedersachsen anderen Bundesländern einen weiteren Schritt voraus zu sein. Dort gibt es eine Art Hundeführerschein. Das heißt, jeder künftige Halter wird verpflichtend im Bereich Hundesachkunde geprüft. Vor dem Kauf müssen die künftigen Besitzer einen theoretische Test absolvieren, der nach der Ausbildung des Tieres durch eine praktische Prüfung ergänzt wird.

Problem für Tierheime

Die Kulmbacher Hundetrainerin Hofbauer fragt sich, was sein wird, wenn die Leute erst mal wieder zur Arbeit gehen. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Anzahl der Hundeabgaben 2021 zunehmen wird." In dem Fall wären die Tierheime die Leidtragenden, deren Mitarbeiter die Macken, die sich die Hunde im Welpenalter angeeignet haben, nur schwer wieder ausbügeln können.