• Kulmbacher Tafel versorgt keine weiteren Bedürftigen mehr 
  • Mitarbeiter "am Ende ihrer Leistungskraft": Aufnahmestopp verhängt
  • November 2022: Tafel wollte niemanden zurückweisen - Situation zugespitzt
  • Chefin äußert Wunsch nach mehr Unterstützung

Die Grenze des Machbaren ist für die Kulmbacher Tafel erreicht. Jede Woche hätten neue Menschen den Verein aufgesucht, um mit Nahrungsmitteln versorgt zu werden, so die Vorsitzende Elfriede Höhn gegenüber inFranken.de. In der zweiten Januarwoche zogen die Ehrenamtlichen schließlich "die Notbremse" und verhängten mit Bedauern einen Aufnahmestopp.

Kulmbacher Tafel am Limit - 100 Kunden zusätzlich pro Woche

Noch im November beteuerte der Verein gegenüber inFranken.de, niemanden ablehnen zu wollen. Auch die Strategie der Bamberger Tafel, Einzelpersonen abzuweisen und Familien weiter aufzunehmen, kam damals nicht infrage. Die Unsicherheit, wie lange die grenzenlose Aufnahme aufrechterhalten werden könne, war aber präsent. Und zum Anfang des neuen Jahres kam dann die Wendung: "Normalerweise haben wir pro Woche etwa 220 Bedarfsgemeinschaften, das sind 700 Leute. Wenn wir dann aber pro Woche 100 zusätzliche Kunden haben, schaffen wir das nicht mehr."

Etwa 40 Helferinnen und Helfer stünden der Großzahl an Bedürftigen gegenüber. "Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind am Ende ihrer Leistungskraft", verkündete die Tafel auf ihrer Webseite. Zudem seien die räumlichen Kapazitäten inzwischen unzureichend geworden. Hinzu komme, "dass die Lebensmittelabgaben des Handels stagnieren", heißt es weiter. "Wenn die Kunden immer weniger Ware kriegen, gehen sie unzufrieden raus", so Höhn. Das sei nicht der Sinn der Sache. Noch sei es nicht vorgekommen, dass Menschen leer ausgehen mussten. Um das weiter zu vermeiden, sei der Aufnahmestopp nötig gewesen.

Essenziell sei eine geordnete Essensausgabe, die nicht nach dem Prinzip funktioniere, wer zuerst da ist. Manche zögen es aber vor, drei Stunden vorher anzustehen, um als Erstes dranzukommen. "Das funktioniert halt auch nicht", sagt Höhn. "Jetzt schauen wir, ob sich die Lage wieder entspannt und wir wieder Kunden aufnehmen können." Mit Entspannung meint Höhn  vor allem die Unterbringung der Bedürftigen auf dem Arbeitsmarkt. Die Tafel Kulmbach brauche allgemein mehr Unterstützung, findet Elfriede Höhn. "Da sind auch die Stadt und der Landkreis gefragt."

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