Eier-Engpass im Supermarkt: Branchenkenner erwartet lange Durststrecke

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In deutschen Supermärkten werden die Eier knapp. Experten gehen davon aus, dass dieser Zustand noch längere Zeit anhalten wird. Doch was sind die Ursachen für den Engpass?

Der Eiermarkt gerät zunehmend unter Druck: Die Anzeichen, die sich bereits während der Weihnachtszeit gezeigt haben, haben sich zum Jahreswechsel noch verstärkt. Führungskräfte aus dem Lebensmittelhandel bestätigen eine angespannte Versorgungslage, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ).

Ein Einkaufsverantwortlicher einer Discounterkette prognostiziert eine lange Durststrecke: Nach seiner Einschätzung könnte es bis zu vier Monate dauern, bis sich die Situation vollends entspanne und wieder Normalbestände zur Verfügung stünden. Die Gründe für die Knappheit sind laut dem Handelsexperten vielfältig. 

"Durch die Inflation": Was sind die Gründe für die Eierknappheit?

Neue Regelungen, insbesondere in den Niederlanden als wichtiger Exportnation für Eier, spielen ebenso eine Rolle wie Vogelgrippeausbrüche, die zur Tötung ganzer Tierbestände führten. Zusätzlich erschweren langwierige Genehmigungsverfahren für neue Legehennenbetriebe die Ausweitung der Produktion. Gleichzeitig steigt die Nachfrage. "Durch die Inflation greifen immer mehr Menschen zu Eiern als günstige Proteinquelle", zitiert die LZ einen Handelsmanager. Von einem Eier-Notstand wollen Verbandsvertreter jedoch aktuell bislang nicht sprechen. Stattdessen seien vorwiegend logistische Schwierigkeiten das Problem.

Christoph Hönig, Vorstandsvorsitzender des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT), führt dies auf die Feiertagskonstellation zurück. "Vier Tage, die für das Einsammeln der Eier auf den Höfen sowie für Sortierung, Verpackung und Auslieferung fehlten", erklärt er der Fachzeitung. Gleichzeitig sei die Nachfrage rund um Weihnachten und Silvester gestiegen, während Personal fehlte und Lieferzeitfenster eingeschränkt waren. Der ungewöhnlich kalte Jahresbeginn verschärfte die Situation zusätzlich, so Hönig. Ausgefallene Wochenmärkte führten dazu, dass Verbraucher verstärkt auf Supermärkte und Discounter auswichen.

Wie die LZ berichtet, waren Betriebe in Polen, die Eier für die Industrie produzieren, stark von der Vogelgrippe betroffen. Andere Betriebe seien deshalb von der Schalenei-Produktion für den Einzelhandel auf die Industrieproduktion umgestiegen. Mehr für die Industrie bedeutet weniger für den Handel. Der Brandenburger Bio-Landwirt Fabian Engelmann beschreibt gegenüber der Berliner Zeitung konkrete Auswirkungen auf seinem Betrieb mit rund 6000 Legehennen. "Wenn die Hühner wegen der Stallpflicht nicht raus können, legen sie weniger Eier", erläutert er. 

Preise für Eier deutlich gestiegen - Aldi hebt um 25 Prozent an 

Die Preise sind bereits deutlich gestiegen. "Ein derartiges Preisniveau haben selbst Branchen-Dinos zum Jahreswechsel noch nicht erlebt", Die  kommentiert die DEU-EiervertriebsgesellschaftLaut top agrar hob Aldi Nord Anfang Januar die Preise für Eier aus Bodenhaltung auf 2,49 Euro an - ein Plus von 25 Prozent. Landwirte sehen die neuen Preise nicht unbedingt negativ.

Die Kosten für Futtermittel und Energie seien in den vergangenen Jahren explodiert und der Mindestlohn gestiegen. Viele Hühner haltende Betriebe hätten daher kaum noch Geld verdient oder müssten sogar Insolvenz anmelden, so die Lebensmittelzeitung. "Der Lebensmitteleinzelhandel muss höhere Preise an die Erzeuger zahlen. Die Preiserhöhung kommt also direkt bei den Erzeugern an.", wird der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) bei der Berliner Zeitung zitiert.

Der Tagesspiegel berichtet von leeren Regalen in Berlin und Brandenburg, wo einige Supermärkte ihre Kunden sogar mit Zetteln über Lieferengpässe informieren. Bereits zu Weihnachten mussten Kunden teils auf ihre Weihnachtsgans verzichten, weil das Fleisch wegen der Geflügelpest knapp wurde. Auch in Zeiten günstiger Eier schauen Kassierer fast immer in den Karton - doch vielen ist nicht bewusst, dass es dabei gar nicht primär um Schäden geht.

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Vorschaubild: © Guido Kirchner/dpa (Symbolbild)