Geheime Welt der Weinetiketten: Was bedeuten die Bezeichnungen?

2 Min

In Deutschland spielt das Prädikatssystem eine zentrale Rolle bei Qualitätsweinen. Feinherb, kabinett, trocken oder lieblich - wir erklären, worauf du achten solltest.

Beim Weinkauf ergeben sich oft ähnliche Fragen: Welcher Wein passt zum Essen oder persönlichem Geschmack? Und was bedeutet überhaupt die Bezeichnung auf dem Weinetikett? Feinherb, Kabinett, trocken oder lieblich sind nur einige der Angaben, die dort zu finden sind. Diese Bezeichnungen geben wertvolle Hinweise auf die Herstellung, den Geschmack und die Qualitätsstufe eines Weins. Sie beruhen auf gesetzlichen Vorgaben, traditionellen Klassifikationen und teils auch auf freiwilligen Angaben von Winzern. Dabei spielt das Prädikatssystem eine zentrale Rolle. Wir geben dir Praxistipps für den Weinkauf.

Das Prädikatsystem für Weine

In Deutschland gilt für Qualitätsweine ein Prädikatssystem mit verschiedenen Stufen. Diese Prädikatsstufen basieren auf der Reife und dem Zuckergehalt der Trauben zum Zeitpunkt der Lese. Dazu gehören Kabinett, Spätlese, Auslese und auch seltene Kategorien wie Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese. Diese Einteilung dient der Einstufung der Qualität und gibt eine Orientierung darüber, wie reif die Trauben waren, als sie in die Flasche kamen. Das gibt Hinweise auf das Geschmackspotenzial des Weines.

Kabinett bezeichnet die leichteste und meist feinste Prädikatsstufe. Diese Weine werden aus vollreifen Trauben zum regulären Lesetermin gekeltert. Sie sind oft leicht im Körper, mit moderatem Alkohol und frischer Säure. Kabinettweine können trocken oder mit etwas Restzucker beim Keltern ausgebaut werden. Kabinett trocken weist wenig Restzucker auf und betont Frische und Mineralität. Wird kein Vermerk für trocken oder halbtrocken ergänzt, kann ein Kabinett auch leicht süßlich wirken.

Wichtig zu wissen ist, dass das Prädikat allein nicht die Süße definiert. Es gibt Kabinettweine von trocken bis süßlich, je nachdem, wie der Winzer vergoren hat. Das Prädikat beschreibt vielmehr die Traubenreife, nicht direkt den Geschmack. Als weitere Prädikatsbezeichnung kennst du vielleicht auch die Spätlese. Diese steht für eine spätere Lese im Jahr und Weine mit runderem Körper und oft intensiverem Aromaprofil als Kabinett. Die Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese bilden zunehmend reichere und süßere Stile – aber auch hier bestimmen Ausbau und Vergärung die finale Süße. Eiswein entsteht aus gefrorenen Trauben und bietet wegen hoher Zucker- und Säurewerte einen einzigartigen Geschmack.

Angaben zur Süße

Auf deutschen Weinetiketten finden sich für den Geschmack oft folgende offizielle Begriffe, die den Grad der Süße angeben. Trocken bedeutet: Der Wein hat äußerst wenig Restzucker und einen klaren, trockenen Geschmack. Halbtrocken bedeutet: Der Wein schmeckt leicht süßlich, hat dabei aber eine angenehme Frische im Mund. Lieblich oder süß bedeutet: Der Wein hat einen deutlich merkbaren Zuckergehalt und einen weichen Stil. Diese Bezeichnungen sind gesetzlich definiert und basieren auf dem Verhältnis von Restzucker und Säure im Wein.

Schließlich begegnet dir auch der Begriff "feinherb". Das ist kein offiziell gesetzlich definierter Ausdruck. Feinherb ist vielmehr ein freiwilliger Zusatz auf dem Etikett. Wenn du diesen Begriff liest, signalisiert dies einen offen-fruchtigen, angenehm süßlich-frischen Stil, der zwischen halbtrocken und lieblich liegt. Besonders bei Rieslingen ist diese Bezeichnung beliebt, wenn der Winzer einen sanften Restzucker-Charakter ohne zu große Süße hervorheben möchte. Generell kannst du dir merken: Feinherb ist oft etwas süßer als halbtrocken, aber durch hohe Säure nicht übermäßig süß.

Diese Geschmacksangaben sollen Verbraucher dabei unterstützen, den passenden Wein zum Gericht zu wählen. Trocken eignet sich gut zu herzhaften Speisen. Halbtrocken oder feinherb bringt eine Balance zu asiatisch-würzigen oder leicht süßlichen Gerichten. Fürs Dessert passt lieblich gut. Süße Weine werden auch traditionell zu kräftigem Käse getrunken. 

Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / stevepb