Am Samstag feierte das wiedervereinigte Deutschland 30. Geburtstag. In Kulmbach beging man das runde Jubiläum coronabedingt im kleinen Kreis. Nur sieben Männer und Frauen hatten sich vor dem Mahnmal an der Berliner Brücke versammelt. Im Gedenken an die Opfer von Gewaltherrschaft und DDR-Diktatur legten Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) und Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) einen Blumengruß nieder.

Ein Grund zur Freude

In den vergangenen Jahren waren stets zwischen 50 bis 100 Bürger zur Gedenkfeier gekommen. Selbstverständlich hätte man die Veranstaltung im größeren Kreis mit Abstand, Maske und Gesangsverbot durchführen können, räumte Wolfram Brehm, Vorsitzender des Kreiskuratoriums "Tag der Deutschen Einheit" auf Nachfrage ein. Genau das aber habe man ganz bewusst nicht gewollt. Denn das hätte den Charakter eines Volkstrauertags gehabt.

"Stattdessen entschieden wir uns für einen freudigen Festakt, schließlich ist die Wiedervereinigung ein Grund zur Freude", betonte Brehm, der für die CSU im Stadtrat sitzt. Einen solchen Festakt wird es am 10. November in der Kulmbacher Petrikirche geben.

Brehms Tochter Katrin hatte es sich nicht nehmen lassen, dem symbolischen Akt am Samstag beizuwohnen. Die 24-jährige gehört zu einer Generation, die das geteilte Deutschland und die Wiedervereinigung nicht mehr miterlebt hat. Sie kennt beides nur aus den Erzählungen Ihrer Eltern und Großeltern. Was bedeutet Ihr der Feiertag? "Er erinnert uns daran, dass Freiheit ein hohes Gut und nicht selbstverständlich ist, wie man an den aktuellen Ereignissen in Belarus sieht."

Mit Trump und Putin undenkbar

An diesem Punkt setzte auch Landrat Klaus Peter Söllner in seiner kurzen Rede an, der das Jahr 1990 mit der heutigen Zeit verglich, in der in vielen Ländern Autokraten und Populisten an den Schalthebeln der Macht sitzen. "Mit Trump und Putin hätte es keine deutsche Einheit gegeben", meinte er. Man habe ein kurzes Zeitfenster nutzen können, in denen der deutschlandfreundliche US-Präsident George Bush Senior und Michail Gorbatschow mit seiner Politik von Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion regierten.

Für Söllner ist das eine Gnade und Einmaligkeit in der jüngeren Geschichte gewesen, die zum friedlichen Zusammengehen zweiter Staaten führte.

Familien zusammengeführt

OB Ingo Lehmann bezeichnete die Wiedervereinigung als ein Geschenk. Er erinnerte sich an die Zeit der Grenzöffnung, als an Sonntagen in Kulmbach die Trabbis vor den Supermärkten standen.

Für stellvertretende Landrätin Christina Flauder (SPD), die Verwandte in der ehemaligen DDR hatte, war die Einheit eine Familienzusammenführung.

Thomas Nagel (FDP) vom Kreiskuratorium wies darauf hin, dass es nach 30 Jahren Einheit bundesweit Unterschiede gebe, die mit dem Begriffspaar Ost und West schon lange nichts mehr zu tun hätten. So gebe es zum Beispiel auch innerhalb Bayerns Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Wie geht es im nächsten Jahr weiter? Brehm könnte sich vorstellen, die Gedenkfeier mit dem Grünwehrfest zu verbinden, um dem Ganzen einen freudigen Charakter zu verleihen. Eine Idee, die Lehmann begrüßte.

Infos zum Festakt

In Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde führt das Kreiskuratorium "Tag der Deutschen Einheit" am Dienstag, 10. November, um 19 Uhr einen Festakt zum 30-jährigen Bestehen des wiedervereinigten Deutschlands durch. Bei der überparteilichen Veranstaltung in der Kulmbacher Petrikirche wird Professor Stefan Leible, Präsident der Universität Bayreuth, die Festrede halten. Es gelten die Corona-Hygienebedingungen wie Maskentragen und Abstandhalten. Eine telefonische Anmeldung bei der Stadt Kulmbach unter der Nummer 09221/940 223 ist nötig.