Woher wissen die das bloß? Gut recherchiert von der "heute show". Nachdem der ZDF-Nachrichtensatire ihr Lieblingsgegner Rainer Brüderle (und mit ihm die von der bundespolitischen Bühne verschwundene FDP) abhanden gekommen ist, kriegt jetzt ein Liberaler sein Fett ab, der bisher nur im kleinen FDP-Kreisverband Kulmbach eine Rolle gespielt hat: Mick Knauff, Börsenexperte bei N24 oder, wie ihn "heute show"-Moderator Oliver Welke nennt, "die geilste Stimme im deutschen Fernsehen".

Der Kulmbacher, der für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF) nach Frankfurt am Main gewechselt ist, hat es schon zum zweiten Mal in die Satiresendung geschafft. Ein Umstand, der Knauff nicht unbedingt traurig macht.

"Ein kleiner Ritterschlag"
Wie fühlt sich einer, der von der "Heute Show" veralbert wird? "Da muss man drüberstehen und über sich selbst lachen können. Alle Marketing- und TV-Leute sagen, dass es ein kleiner Ritterschlag ist. Oliver Welke pickt sich dezidiert raus, was er in der Sendung bringt. Und die Show hat enorme Einschaltquoten", sagt Knauff.
Keine Frage, die "Heute Show" hat seinen Bekanntheitsgrad massiv gesteigert. Seit Freitag kennt ein breites Fernsehpublikum den Mann, der sich in Börsenkreisen einen Namen gemacht hat.

Die Redaktion der Satiresendung knöpft sich Knauff im Zusammenhang mit den Protesten bei der Eröffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt vor. Dort demonstrieren Anhänger des kapitalismus- und globalisierungskritischen Blockupy-Bündnisses. Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen, und die Börsianer werden aufgefordert, in legerer Kleidung auf dem Parkett zu erscheinen. Um Ärger zu vermeiden. Damit sie von den zum Teil gewalttätigen Blockupy-Leuten nicht an ihrem geschniegelten Outfit erkannt werden können.

Zirkusdirektor oder Zuhälter?
Was Knauff nicht kümmert. Er bleibt beim Anzug und wählt sogar ein besonders auffälliges Streifenmuster, so dass er ein bisschen wie ein Zirkusdirektor aussieht. Welkes Kommentar dazu: "Nicht auffällig kleiden? Sagt Mick Knauff, die geilste Stimme im deutschen Fernsehen, das Börsenorakel von N24. Deswegen hatte er sich sicherheitshalber als Zuhälter verkleidet."

Dann geht die Knauff-Show weiter. Spaß-Reporter Ralf Kabelka ist unterwegs. Er befragt die Demonstranten und besucht den Börsenkorrespondenten an seinem Arbeitsplatz. Kabelka: "Sie sind so zur Arbeit gegangen?" Knauff: "Da bin ich patriotisch genug." Kabelka: "Sind Sie lebensmüde?" Knauff lacht, er spart sich die Antwort.

Der Kulmbacher, der immer mal in die Bierstadt kommt ("Ich bin der Börsenmedien AG treu verbunden, und mein Sohn wohnt hier"), pflegt den Kontakt zu den ZDF-Satireleuten: "Wenn sie mehr brauchen, sollen sie sich melden." Und für Welke persönlich hat er einen Tipp: "Er bezieht sich immer auf meine Zähne, da habe ich ihm die Telefonnummer von meinem Zahnarzt gegeben."

Welke macht Komplimente
Knauff, seit zehn Jahren für verschiedene TV-Sender auf der Börsengalerie tätig, kennt sich aus im Showgeschäft. Er sieht sich keineswegs als Satire-Opfer, im Gegenteil. "Welke hat ja auch ein Kompliment verteilt. Die geilste Stimme im deutschen Fernsehen - das ist nett gemeint."

Also hätte Knauff nichts dagegen, wenn die "Heute Show" mal wieder vorbeikommt? "Nein, nichts dagegen", sagt er und meint: "Börse und Finanzen sind in Deutschland immer bitterernst. Man sollte nicht alles so bierernst nehmen, es darf auch durchaus mal an der Börse gelacht werden."

Wobei eine Frage noch nicht beantwortet ist. Die Sache mit der FDP. "Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass man traurig ist, dass die FDP nicht mehr da ist, dass die demokratische Mitte fehlt", sagt Knauff, der nach wie vor Mitglied ist, sogar im Kreisverband Kulmbach, wie der hiesige FDP-Chef Thomas Nagel ("mein Trauzeuge") bestätigt. Also noch mal: Mick Knauff und FDP? "Das wissen die nicht", meint er. Na gut, aber spätestens jetzt dürfte es der "Heute Show" bekannt sein: Brüderle - FDP - Knauff!