Am Rande der Bierwoche hatte ein 26-jähriger Kulmbacher im vergangenen Jahr zwei Polizisten angegriffen und massiv beleidigt. Vor dem Amtsgericht bekam er jetzt die Quittung dafür: Er wurde zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro verurteilt. Für die Beleidigungen hatte sich der Mann vor Gericht entschuldigt, die Angriffe gegen die beiden Männer der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg stritt er dagegen ab.

Dabei hatte der 26-Jährige mit dem Urteil durchaus noch Glück, denn vor Gericht zeigte er sich weiter uneinsichtig. "Das alles war ein Riesenwitz, was da abgelaufen ist", sagte er. Die Polizei habe absolut unverhältnismäßig reagiert, davon war er noch immer überzeugt.


Tabletten und Alkohol


Vielleicht habe der Angeklagte aber auch eine ganz andere Wahrnehmung der Geschehnisse gehabt, so Richterin Sieglinde Tettmann. Schließlich habe der Mann damals unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden und zudem noch 1,4 Promille Alkohol im Blut gehabt.

Zugetragen hatte sich die Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und den Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei am 5. August um 0.25 Uhr in der Oberen Stadt vor einem szenebekannten Lokal.

Dort schlug ein Bekannter mit der Faust lautstark auf einen Hausbriefkasten. Das rief sofort die Polizei auf den Plan, die gerade den Abmarsch vom Bierfest kontrollierte, wie es einer der beiden Beamten ausdrückte. "Wir waren von einer Sachbeschädigung ausgegangen und wollten gerade die Personalien aufnehmen", erinnerte er sich.


Ins Gesicht gefasst


Der Angeklagten wollte seinem Bekannten offensichtlich zur Hilfe eilen und griff den 26-jährigen Polizisten unvermittelt an. Einen Griff an seinen Hals konnte der Beamte gerade noch abwehren. Auch den Kollegen wollte der Angeklagte mit den Händen ins Gesicht fassen. Zu dritt habe man den Angreifer schließlich zu Boden gebracht und fixiert. Einfach sei das nicht gewesen, erinnerten sich die beiden als Zeugen geladenen Polizisten. Der Angeklagte habe sich mit allen Kräften gewehrt und Widerstand gegen seine Festnahme geleistet.

Doch damit nicht genug. Bis zur Dienststelle hätten sie sich die üblichen Beleidigungen anhören müssen. "Bullen sind die Schande der Nation" soll der Angeklagte immer wieder gebrüllt haben. Den Alkohol habe man ihm deutlich angemerkt, sagte einer der Polizisten. Obwohl er selbst verletzt wurde und an der Nase blutete, habe der Beschuldigte die Hinzuziehung eines Arztes strikt abgelehnt.


"Hey, immer locker bleiben"


Er habe nur schlichten wollte, behauptete der 26-Jährige. "Hey, immer locker bleiben", habe er gesagt. An den Hals habe er den Beamten gar nicht fassen wollen, das sei eine dreiste Lüge. Dazu sei ihm auch noch "schlecht ohne Ende" gewesen.

Den übermäßigen Konsum von Alkohol räumte er ein, ebenso gab er zu, dass er unter dem Einfluss von Schmerzmitteln stand.

Eine deutlich höhere Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (1800 Euro) beantragte Staatsanwalt Bernhard Böxler. Der Angeklagte habe keinerlei Einsicht gezeigt, dass die Polizeibeamten nichts anderes tun, als ihren Beruf auszuüben, sagte er.


Leben am Existenzminimum


Wenn Richterin Tettmann mit 1000 Euro schließlich doch unter der Forderung blieb, dann vor allem deshalb, weil der Angeklagte zumindest hinsichtlich der Beleidigungen ein Teilgeständnis abgelegt hatte. Darüber hinaus lebe der Angeklagte als Hartz-IV-Empfänger ohnehin am Existenzminimum.