• Kulmbacher Bierwoche 2022: Junge Union sorgt bei Festzug für Eklat 
  • "Zum Fremdschämen": SPD Kulmbach zutiefst verärgert
  • Parteiorganisation der CSU hatte eigentlich Banner geplant - Absage nach "wilden Gerüchten"
  • "Wollten Finger in Wunde legen": JU-Vorsitzender verteidigt Aktion

Die Kulmbacher Bierwoche ist am Samstag feuchtfröhlich gestartet (hier gibt es die schönsten Bilder) - traditionell fand auch heuer vor dem Anstich im Stadl eine Begrüßung mit Büttnertanz und anschließendem Festzug statt. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reiste an - und lieferte sich mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) einen kleinen Schlagabtausch angesichts der bevorstehenden Landtagswahl und Bezirkstagswahl 2023. Doch für Aufsehen und zum Teil Unverständnis sorgte die Junge Union (JU) mit einer Plakataktion

"Kanzler der Herzen": Junge Union mit provokativen Plakaten zum Auftakt der Bierwoche

Der CSU-Nachwuchs habe sich beim Bierfest blamiert, so der SPD-Kreisverband in einem offiziellen Statement. "Die Jugendorganisation der CSU kann es nicht lassen und trägt Plakate wie 'Markus Söder – Kanzler der Herzen' oder 'Team Henry Schramm – 100 % Kulmbach' beim Bierfestzug zum Zelt", schreibt die Partei. Bereits im Vorfeld sei gemunkelt worden, dass die Junge Union Kulmbach zum Festanstich eine politische Aktion "angeblich gezielt gegen unseren OB Lehmann vorbereiten würde", heißt es weiter. Das habe man sich "dann wohl doch nicht getraut", konstatiert die SPD. 

Bilder zeigen auch ein Mitglied der Jungen Union, das den Spruch "Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch" auf dem Poloshirt trägt - ein alter Spruch von Franz Josef Strauß. Der SPD-Vorsitzende Matthias Meußgeyer bemängelt hierbei "fehlenden politischen Anstand". Parteipolitik habe auf dem Bierfest seit jeher "nichts zu suchen", erklärt er gegenüber inFranken.de.

Das Söder-Plakat könne man noch akzeptieren, findet er. Doch dass "Wahlplakate aus der Mottenkiste geholt werden, um gegen unseren OB Stimmung zu machen, ist unpassend. Da ist eine Grenze überschritten. Und da haben mich auch viele Leute darauf angesprochen." Der ehemalige Rathauschef Henry Schramm, heute Bezirkstagspräsident von Oberfranken, unterlag 2020 seinem SPD-Konkurrenten sehr knapp - die Wahl war gespickt von Vorwürfen aller Art.

"Zum Fremdschämen": SPD-Fraktionsvorsitzender kann Aktion in Kulmbach nicht nachvollziehen

Das habe die Junge Union wohl "noch immer nicht verkraftet", glaubt Meußgeyer. "Und Herr Schramm war im Gegensatz zu Herrn Söder gar nicht auf der Rathaustreppe dabei." Er stelle sich die Frage, "wie das dann nächstes Jahr laufen soll. Muss das sein?" Die Aktion sei "zum Fremdschämen", so seine Meinung. 

Max Neubert, Kreisvorsitzender der Jungen Union Kulmbach, sieht das Ganze naturgemäß völlig anders. "Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht", kritisiert er gegenüber inFranken.de. "Wir haben immer Plakate mitgebracht, wenn eine politische Persönlichkeit nach Kulmbach gekommen ist, so etwa auch beispielsweise bei Horst Seehofer. Das Shirt gehörte einem Mitglied von uns, da war eben der Spruch von Franz-Josef Strauß hinten drauf, er hatte es einfach angezogen ohne Zusammenhang mit Ingo Lehmann. Das tut mir auch unglaublich leid, dass die Debatte jetzt auf seinem Rücken ausgetragen wird", erklärt er.

Neubert gibt zu, dass die Junge Union im Vorfeld eigentlich geplant hatte, ein Banner beim Festzug zu tragen, das "den Finger in die Wunde legen soll, was die Politik im Rathaus angeht, aber natürlich nicht persönlich gegen den Bürgermeister oder eine politische Gruppe gerichtet ist."

"Wilde Gerüchte" um Banner - Junge Union verzichtet auf direkten politischen Angriff

Nachdem "wilde Gerüchte gestreut wurden", sei man gebeten worden, darauf im Kontext der Bierwoche zu verzichten. "Und wenn so eine Bitte kommt, dann ist das für uns völlig in Ordnung, auch wenn der Inhalt natürlich nicht problematisch ist. Es ist nicht so, dass wir nicht die Eier dafür hatten." Daher habe man sich für die beiden Plakate entschieden.

"Das eine soll zeigen, dass wir uns natürlich immer hinter Henry Schramm stellen und das andere mit dem Kanzler war ein wenig als Balsam für die Seele von Markus Söder gedacht", so der JU-Vorsitzende. Man habe klar zwischen der Begrüßung mit Festzug und dem "gemütlichen Teil der Bierwoche" unterschieden.

"Wir haben die Plakate bewusst nicht auf dem Gelände und im Bierzelt getragen, hier hat ja auch die Brauerei das Hausrecht. Aber davor war das schon immer politisch, auch wenn wir natürlich früher nicht viel Kritik üben mussten, weil ja unser Henry Schramm Bürgermeister war. Das ist ein öffentlicher Raum und wir haben auch nicht demonstriert oder gerufen oder Ähnliches."

Wollen "uns in den Dreck ziehen" - JU-Vorsitzender mit Ankündigung nach Statement 

Der Weg der SPD an die Öffentlichkeit sei "echt fies", findet Neubert. Die Aktion werde genutzt, "um uns in den Dreck zu ziehen", sagt er - und kündigt an: "Das Banner könnte jederzeit irgendwo auftauchen." 

Gleichzeitig bekräftigt er, man wolle "natürlich niemanden aus dem Rathaus rausekeln. Es geht vielmehr darum, dass sich dort etwas tut. Viele Projekte sind unter der SPD-Führung ins Stocken geraten." Deren Fraktionsvorsitzender wiederum will die Sache "nicht an die große Glocke hängen, darum geht es nicht", so Meußgeyer. 

"Ich wollte damit vor allem zum Nachdenken anregen", sagt er. Durch Kommentare in den sozialen Netzwerken und persönliche Gespräche fühle er sich in seiner Sichtweise bestätigt. Dass sich auch Söder und Lehmann zum Start der Kulmbacher Bierwoche "Frotzeleien" leisteten, ist für ihn nicht vergleichbar. "Das war ja alles humorvoll gemeint."

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