Das Rathaus leuchtet in den Nationalfarben Blau und Gelb. Rund um den Luitpoldbrunnen hat man die Fahne der Ukraine aufgehängt. Auf dem Brunnenrand stehen Hunderte Kerzen. Auch viele Friedenstauben sind zu sehen.

Rund 500 Menschen aus Stadt und Landkreis wollen bei der Mahnwache ihre Solidarität mit der Ukraine bekunden. Manche haben ukrainische Wurzeln,. Irina zum Beispiel, die sich eine ukrainische Flagge um die Schultern gelegt hat, und ihre Freundin Dascha. Beide sind krank vor Sorge. "Meine Oma und meine Mama sind noch in Kiew. Sie wohnen direkt in Flughafennähe", erzählt Irina. Und die Bedrohung komme immer näher.

Ich habe richtig Angst

"Die Brücken sind zerstört. Ich habe richtig Angst. Ich kann nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, nicht mehr denken", klagt Irina. Genauso geht es Dascha. "In Kiew leben meine Tante und mein Vater mit drei Kindern. Es geht ihnen schlecht, aber sie kommen nicht raus. Alles ist kaputt." Die große Anteilnahme macht den Frauen ein bisschen Hoffnung.

Die ergreifendste Rede hält Svitlana Wöß. Die Sprachlehrerin lebt seit vielen Jahren in Kulmbach und hilft Menschen mit Migrationshintergrund, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Sie kommt aus der Ukraine. "Meine Mama und mein Bruder mit seiner Tochter sind noch dort. Das Mädchen ist erst sieben Jahre alt", erzählt sie. Ihre Familie wohne in Charkiw im Osten des Landes. "Dort werden Schulen und Kindergärten bombardiert.".

Wenn die Einschläge näher kommen

Ihre Familie habe zunächst ausgeharrt. Erst als die Einschläge näher gekommen seien, hätten sie beschlossen, aufs Land flüchten - zur Mutter, die hundert Kilometer entfernt lebt. Dann bricht Svitlanas Stimme, es ist mucksmäuschenstill. Schluchzen berichtet sie weiter. Mit den letzten fünf Litern Benzin sei es ihrem Bruder gelungen, aus der umkämpften Stadt zu fliehen. Svitlana Wöß hat eine Sammelaktion ins Leben gerufen. Vor allem Medikamente und Verbandsmaterial werden gebraucht, gerne auch abgelaufene Verbandskästen.

Politiker verschiedenster Couleur geben bei der von SPD, FDP und Grünen organisierten Mahnwache Statements ab. Alle verurteilen den brutalen Überfall Putins auf die Ukraine und die Demokratie.

Dagmar Keis-Lechner (Grüne), Frank Wilzok (CSU), MdL Rainer Ludwig (FW), MdB Thomas Hacker, Michael Otte (beide FDP) und Oswald Greim (Die Linke) stellen sich an die Seite der Ukraine und sprechen damit allen Teilnehmern aus der Seele. Magdalena Pröbstl (Grüne) verliest ein Gedicht. Punkt 18 Uhr läuten die Glocken der Kirchen - wieder herrscht Stille.

Künftig jeden Dienstag

Für die Musik sorgt "Die Band". Pfarrer Ulrich Winkler und Diakon Stefan Ludwig sprechen Gebete. Matthias Hahn (SPD), der die Mahnwache im Landratsamt angemeldet hat, erklärt angesichts der Eindrücke, dass künftig jeden Dienstag für den Frieden demonstriert werden soll. "Das entscheide ich heute einfach spontan. Denn die Ukraine ist jetzt wichtiger als alles andere."

Wer die Spendenaktion von Svitlana Wöß unterstützen möchte kann heute und an den kommenden Freitagen jeweils von 12 bis 15 und von 18 bis 20 Uhr in Höferänger 6 Waren abgeben. Kontakt kann unter Telefon 0177/8884059 aufgenommen werden.