Kulmbach
Energiekrise

"Verschämte Armut": Caritas-Chefin äußert Befürchtung - gefährliches Phänomen greift um sich

Die Caritas in Kulmbach bereitet sich darauf vor, Menschen zu helfen, die ihre Energiekosten nicht mehr zahlen können. Doch die Geschäftsführerin beobachtet ein immer weiter um sich greifendes Phänomen mit schlimmen Konsequenzen.
Kulmbach: Caritas-Chefin sieht immer mehr "verschämte Armut" - gefährliches Phänomen greift um sich
Der Winter 2022/2023 wird für Menschen mit geringem Einkommen schwierig. Die Caritas in Kulmbach will bei den Energiekosten helfen. Foto: Steve Mushero/Unsplash
  • Kulmbach: Caritas bereitet sich auf Energiekosten-Hilfe vor
  • "Werden unweigerlich in Situation kommen": Düstere Prognose für den Winter
  • "Verschämte Armut": Gefährliches Phänomen greife immer mehr um sich
  • Bestimmte Rentnergruppen haben schon jetzt Probleme

Die Caritas in Kulmbach hat einen öffentlichen Aufruf gestartet. Gesucht werden demzufolge "Nothelfer, die die uns spenden, damit wir anderen Menschen helfen können, die durch die hohen Energiepreise in Not geraten". Geschäftsführerin Andrea Boujjia will damit Vorsorge für einen Winter treffen, der gerade für Menschen mit geringen Einkommen "unweigerlich" problematisch sein werde, wie sie gegenüber inFranken.de erklärt. Und noch eine weitere Sache macht ihr große Sorgen - ein Phänomen, das dazu führen könnte, dass die Hilfen bei vielen gar nicht ankommen, die sie aber dringend bräuchten. 

"Stummes Ertragen" immer häufiger - Kulmbacher Caritas will bei Energiekosten helfen - doch kommen Bedürftige auch?

"Wir wollen durch den Sammlungsaufruf einen Fonds bilden, um auf eine steigende Nachfrage vorbereitet zu sein. Vor allem Geringverdiener werden durch die steigenden Energiekosten unweigerlich in eine prekäre Situation kommen", so Boujjia. "Im Moment merken wir das eigentlich noch nicht mehr als vorher. Was wir aber definitiv merken, ist, dass zum Beispiel Geringrentner, die in Wohnungen wohnen, für die sie Brennstoff, sei es Holz oder Öl, selber beschaffen müssen, bereits Probleme bekommen", erklärt die Caritas-Chefin.

Was sich zudem immer mehr beobachten lasse, sei eine "verschämte Armut". Dieses Phänomen bereitet Boujjia besonders große Sorgen: "Viele Menschen, denen es schlecht geht, schämen sich einfach dafür, sich Hilfe zu holen und probieren deshalb, ihre prekäre Situation so lang wie möglich auszuhalten, das hat auch irgendwo mit Stolz zu tun." Aus Scham kämen viele dann gar nicht erst zu einer Bedürftigkeitsprüfung bei der Caritas. "Ich beobachte, dass das stumme Ertragen von prekären Situationen immer häufiger wird, während gleichzeitig aber auch die persönliche Misere steigt", so Bujjia.

"Allgemein gesprochen ist die Entwicklung in den nächsten Monat extrem schwierig vorherzusagen, das kann man nur schwer einschätzen. Bei unserer Bedürftigkeitsprüfung ziehen wir Vergleichswerte vom Vorjahr heran", erklärt sie. Auch die staatlichen Hilfen würden hier mit einbezogen. "Zum Thema staatliche Hilfe muss man generell sagen, dass der Staat beim Kampf gegen die prekären Situationen natürlich nicht aus der Verantwortung genommen werden darf", betont die Geschäftsführerin der Caritas Kulmbach zur Lage bezüglich der Energiekosten.