Für Björn Bischoff ist das gezielte Umwerfen halbvoller Wasserbehälter mit dem Ladekran ein Spaß. Beruflich hat es der Flensburger mit ganz anderen Lasten zu tun: Dann bewegt er für eine Spedition Trafostationen, Dachstühle und Fertighäuser auf den Zentimeter genau mit einem 31-Meter-Ausleger. Der 26-Jährige ist Profi für schweres Gerät. Daher galt er am Freitag auch als einer der Favoriten, als der nationale Vorentscheid zur Weltmeisterschaft im Kranführen auf dem Gelände der Verkehrsakademie Kulmbach ausgetragen wurde.

Die ist seit vielen Jahren Partner der Firma Hiab, nach eigenen Angaben Weltmarktführer "im Bewegen schwerer Güter". Die sieben Teilnehmer aus Deutschland (keiner aus der Region) sowie der Schweiz mussten mit einem Schwenkkran des schwedischen Herstellers einen Wasserkanister geschickt durch einen Parcours manövrieren, mussten dabei die Last in ein Fass eintauchen lassen und vorbei an Stangen führen. Dabei durfte die Ladung während der Übung nicht den Boden berühren, sonst gab es Strafsekunden, die wiederum auf die Rundenzeit draufgeschlagen wurden.

Jeweils drei Versuche hatten die Halbfinalisten; der schnellste Durchgang wurde gewertet. Die drei Besten fahren im April kommenden Jahres zum Finale nach Birmingham. Dort ermitteln die Gewinner der weltweit ausgetragenen Vorentscheide den Sieger, der mit 25.000 Euro Preisgeld nach Hause geht.

Qualifikation an der Spielkonsole
Qualifiziert hatten sich für Kulmbach auch zwei Teilnehmer, die beruflich so rein gar nichts mit Kränen zu tun haben. Einer davon: Ali Demirtas aus Hannover. Seine Qualifikation ist der feinfühlige Umgang mit dem Joystick. Den aber hat sich der 28-Jährige nicht auf Brückenbaustellen oder im Container-Fuhrpark erworben - sondern daheim an der Spielkonsole: "Zwölf Jahre als Zocker sind eine ganz gute Vorbildung dafür", sagte der groß gewachsene Türke, Student der Elektrotechnik. Er hatte sich im Simulator am Hiba-Stand auf der IAA für Nutzfahrzeuge das Weiterkommen gesichert. "In der Realität ist es aber halt doch etwas anderes als am Bildschirm", gab Ali Demirtas zu, nachdem er sich so manchen Strafpunkt eingehandelt hatte.

Profis schlagen Amateure
Am Ende hatten die Profis die Nase vorn vor den Vertretern der Generation Playstation: Björn Bischoff wurde seiner Favoritenrolle gerecht, der zweite Finalteilnehmer aus Deutschland wird der Hamburger Martin Utpatel sein. Die Schweiz in Großbritannien vertritt Manuel Pfister.

Aufmerksamer Beobachter des Wettbewerbs war auch Günter Möschel. Der Kundenberater des Verkehrsinstituts Bayern weiß aus Erfahrung, wie wichtig das Training für Kranführer ist - auch unter solch ungewöhnlichen Wettkampfbedingungen. "Es dient nicht zuletzt dazu, die Arbeitssicherheit zu erhöhen." Die Verkehrsakademie bereitete als langjähriger Schulungspartner des schwedischen Spezialmaschinenbauers die Teilnehmer fachkundig vor und nahm auch die Qualifikationsprüfung ab, so Möschel. "Deshalb war auch irgendwann die Idee geboren, eine der weltweit ausgetragenen Hiab-Challenges nach Kulmbach zu holen."