Die Zeiten, zu denen das Mittagessen an den Kulmbacher Grund- und Mittelschulen um die 4 Euro kostet, sind wohl bald vorbei. Der Stadtrat wird sich in seiner heutigen Sitzung mit der Schulverpflegung befassen, die schon im vergangenen Jahr ein großes Aufregerthema war. Folgt das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung, werden die Kosten für das Essen an der Oberen Schule, der Max-Hundt-Schule, der Hans-Edelmann-Schule und der Theodor-Heublein-Schule in Melkendorf ab September die 5-Euro-Grenze knacken.

Der Aufschrei war groß

Rückblick: Die Mittagsverpflegung hatte schon 2021 für hitzige Diskussionen gesorgt, nachdem diese von der Stadt neu ausgeschrieben worden war. Die Angebote, die abgegeben worden sind und über die beraten wurde, hatten vielen Eltern sauer aufgestoßen. Bis zu 5,83 Euro wären verlangt worden, dort, wo bis dahin ein Essen 3,90 Euro gekostet hat. Eltern hatten geschluckt. "Das macht mich sprachlos. Fast 6 Euro für ein Mittagessen. Wer kann sich das noch leisten? Vor allem Alleinerziehende, die zwei Kinder haben und keinen Zuschuss bekommen, geraten in Not", sagte etwa Bianca Junker-Höhl unserer Zeitung, deren Söhne in Mangersreuth zur Schule gingen.

Der Rückzug

Die Diakonie und die Awo, die die Ausschreibung gewonnen hatten, hatten mächtigen Gegenwind verspürt. Dabei hatten Karl-Heinz Kuch (Diakonie) und Elisabeth Weith (Awo) selbst über die ungewöhnlichen Ausschreibungskriterien geklagt, weil die Lieferverträge nicht wie sonst üblich über ein oder zwei Jahre, sondern über fünf Jahre gehen sollten. Es sei ein Zeitraum, der nicht zu kalkulieren sei, weil man die Entwicklung der Preise für Lebensmittel und Strom nicht abschätzen könne, machte Kuch im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Die längere Bindung habe die Kosten in die Höhe getrieben. Diakonie und Awo haben letztlich ihr Angebot zurückgezogen. Die Mittagsverpflegung ist zunächst so weitergelaufen wie bisher.

Zwei statt fünf Jahre

Absehbar ist die Preisentwicklung angesichts des Krieges und der Preisexplosion bei Strom und Lebensmitteln 2022 noch weniger. Nun wird die Verpflegung für zwei Jahre vergeben. Den Zuschlag wird, wenn der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung folgen sollte, die Diakonie erhalten, die die Mittagessen mit ihrer "Menüfaktur" liefert. Dabei sind in der Ausschreibung nicht allein der Preis, sondern auch kurze Stand- und Warmhaltezeiten ein Zuschlagskriterium, weil mit zunehmender Warmhaltezeit Vitamine verloren gingen, wie es in den Sitzungsunterlagen heißt. Die Diakonie schneidet da besser ab als die Awo. Liefert sie das Mittagessen, würden folgende Preise gelten: Obere Schule: 5,50 Euro; Max-Hundt-Schule: Grundschule 5,50 Euro, Mittelschule 5,60 Euro; Melkendorfer Schule 5,50 Euro; Hans-Edelmann-Schule 5,60 Euro. Eine stolze Preiserhöhung, die viele Erziehungsberechtigte schwer treffen wird.

"Wären wohl nicht zum Zug gekommen"

Nicht mehr zum Zug kommen die "Sternstunden", die seit Jahren die Max-Hundt-Schule beliefern. Sie habe das Angebot letztlich aus privaten Gründen nicht abgegeben können, dieses aber schon vorbereitet gehabt, sagt Natascha Schleu, die das Lokal zusammen mit ihrem Mann betreibt, auf Anfrage der BR. "In dem Wissen, dass wir wohl ohnehin nicht zum Zug gekommen wären, weil wir, anders als die Großen, den ganzen Bürokratieaufwand nicht bewältigen können." So sei gefordert, dass der Einsatz der Bioprodukte vierteljährlich nachgewiesen wird. "Das können wir nicht schultern." Bei den Stand- und Warmhaltezeiten hätten die "Sternstunden" aber gepunktet. "Bei uns werden die Speisen nämlich nicht nach dem Cook-and-Chill-Verfahren zubereitet. Wir liefern das Essen frisch."

Am CVG ist das Essen günstiger

Natascha Schleu kann nicht verstehen, dass die Mittagsverpflegung von der Stadt überhaupt ausgeschrieben wird. "Das ist doch Sache der Schule." Dem ist nicht so, wie der Pressesprecher der Stadt, Jonas Gleich, erläutert. "Bis ins vergangene Jahr hinein haben die Schulen eigenverantwortlich Verträge abgeschlossen. Das ist rechtlich aber anders zu handzuhaben, weshalb wir als Stadt und somit als Sachaufwandsträger im letzten Jahr das erste Mal - um rechtskonform zu agieren - eine Ausschreibung ins Feld geführt haben." Die Bewirtung der Max-Hundt-Schule werden die "Sternstunden" verlieren. Das CV-Gymnasium, bei dem der Landkreis Sachaufwandsträger ist, wird die Familie Schleu aber weiter beliefern. Dort werden die Schüler beziehungsweise deren Eltern nicht so tief in die Tasche greifen müssen 1,50 und 4,70 Euro verlangen die "Sternstunden" in diesem Jahr für kleine Speisen beziehungsweise große Gerichte. Wie es 2022/2023 aussehen wird? Natascha Schleu: "Über 5 Euro kostet bei uns das Essen auch dann nicht."