Etwa 2000 Geschichtsinteressierte haben die Ausstellung "Aufgewacht" im Töpfermuseum besucht, in der Kostbarkeiten aus den Gräflich Giech'schen Sammlungen präsentiert wurden. Prachtvolle Möbel, kostbares Geschirr, alterwürdige Bücher und viele kuriose Gegenstände konnten über drei Monate bestaunt werden.


"Geschichte erhalten"

Die frühere Schlossbesitzer-Familie Hiller von Gaertringen, die die Ausstellung möglich gemacht hat, ist mit der Resonanz mehr als zufrieden. "Es gibt viele, die erkannt haben, welche Bedeutung die Sammlungen haben", sagt Karl Hiller von Gaertringen. Er sowie seine Brüder Hans Georg und Friedrich fühlen sich durch die Eintragungen ins Gästebuch bestätigt. "Diese Ausstellung muss unbedingt ins Schloss - nirgends kann man so authentisch Kultur- und Heimatgeschichte, auf eine Region bezogen, erleben.
Auch Franken muss sich seiner Geschichte stellen und sie erhalten", hat eine Besucherin geschrieben. Nur einige Seiten weiter heißt es: "Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Kunststücke dorthin zurückkehren, wo sie herstammen - dieses Stück Kulturgeschichte gehört nach Thurnau, die wertvollen Gegenstände brauchen ihre angestammte Umgebung."


Wohin geht die Reise?

Ob die Wünsche Wirklichkeit werden? Es ist das Bestreben der Familie Hiller von Gaertringen, den Familienbesitz der Öffentlichkeit dauerhaft im Schloss zu präsentieren. "Wir wollen wissen, wohin die Reise geht, 2016 endlich eine Perspektive aufgezeigt bekommen", sagt Friedrich Hiller von Gaertringen. Man warte auf ein Signal der Politik, die Stellung beziehen müsse, ob eine Ausstellung das Ziel sei, ob finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt würden.


"Mehrwert sichtbar machen"

Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Landesstelle für nichtstaatliche Museen wird demnächst ausgelotet, ob die prachtvollen Familienstücke in der Kemenate deponiert werden können. Die alleinige Aufbewahrung wird die Besitzer aber letztlich nicht zufrieden stellen. "Der kulturelle Mehrwert muss sichtbar werden", betont Friedrich Hiller von Gaertringen.


Die Bibliothek

Dabei müsse nicht gleich ein ganzes Museum mit hohen Fixkosten eingerichtet werden. Friedrichs Bruder Hans Georg wünscht sich, dass zunächst Stücke in wechselnder Abfolge bei Führungen in der Kemenate gezeigt werden. Die Giech'sche Bibliothek, die sich im Staatsarchiv in Bamberg befindet, ist aus seiner Sicht zudem als Forschungsprojekt für das Institut für Fränkische Landesgeschichte prädestiniert. Das gemeinsame Institut der Universitäten in Bayreuth und Bamberg befindet sich derzeit im Schloss im Aufbau.


Das sagt die Stiftung

Dass grundsätzlich jede Nutzung, die das Schloss öffnet, "ein großer Gewinn" ist, betont Klaus Bodenschlägel, Vorstandmitglied der Gräflich Giech'schen Stiftung, die Eigentümerin des Schlosses ist. Es gehe darum, sowohl für ein Depot als auch für eine Ausstellung ein vernünftiges Konzept zu erarbeiten, das den Erhalt der historischen Kostbarkeiten ebenso wie deren Präsentation im Blick haben müsse. Die Finanzierung müsse geklärt werden. "Auch die klimatischen Bedingungen müssen stimmen", betont Klaus Bodenschlägel. Man sei mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen ebenso im Gespräch wie mit der Regierung. Dass es vor allem die Kostenfrage ist, die beantwortet werden muss, stellt auch Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) fest.


Treffen bei der Regierung

Bei der Regierung von Oberfranken hat am Dienstag ein Gespräch über die Nutzung von Schloss Thurnau stattgefunden, an dem Vertreter der Stiftung sowie der beiden oberfränkischen Universitäten teilgenommen haben. Weitere Treffen sind geplant. "Der Wunsch, eine Dauerausstellung einzurichten, ist den Akteuren bekannt. Zu diesem Punkt können wir vor Abschluss der Gespräche nichts sagen", teilt ein Regierungssprecher mit.
"Es wäre eine Sünde und Schande, wenn man sich das entgehen lassen würde. Es ist eine einmalige Chance, die es da gibt", stellt der Kulmbacher Plassenburg-Kastellan und Kreisheimatpfleger Harald Stark fest. Stark ist davon überzeugt, dass eine Ausstellung der Giech'schen Kostbarkeiten eine außerordentlich große touristische Anziehungskraft hätte - nicht nur Thurnau, die ganze Region würde davon profitieren.