Die Gerüchteküche rund um den Bau der Kauerndorfer Umgehung brodelte in den vergangenen Wochen. Doch was ist dran an den Behauptungen in Leserbriefen und im Internet? Baudirektor Fritz Baumgärtel und Baurat Alexander Siller vom Staatlichen Bauamt Bayreuth präsentierten am Montag in der Ködnitzer Gemeinderatssitzung Zahlen und Fakten und räumten auf mit "Wahrnehmungen und Fiktionen".

1. Wie sieht der Zeitplan aus?

2023 sind umfangreiche Abdichtungsmaßnahmen für den Trinkwasserschutz, erste große Erdbewegungen und der Bau der Stützbauwerke vorgesehen. Der Tunnelanschlag - also der Baubeginn des Tunnels - könnte 2024 erfolgen. Die Fertigstellung des Tunnels ist zum Jahreswechsel 2026/27 vorgesehen.

2. Wie ist die Größe des Projekts einzuordnen?

Beim Bau des Kauerndorfer Tunnels handelt es sich laut den Fachleuten um ein Standardprojekt. Die derzeit in Bayern geplanten bzw. im Bau befindlichen Tunnel sind bis zu 3500 Meter lang. Der Kauerndorfer Tunnel gehört mit 750 Metern Länge also zu den kürzeren Tunnelprojekten im Freistaat.

3. Die Kosten

Für die Ortsumfahrung sind insgesamt 90,1 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen 49 Millionen Euro auf den Tunnel. Sieben Millionen Euro dienen dem Trinkwasserschutz. Laut Straßenbauamt liegen die Kosten im Rahmen von vergleichbaren Projekten. Das gelte auch für die geschätzten jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten des Tunnels in Höhe von 300.000 bis 350.000 Euro. Dabei ist die allgemeine Baupreisentwicklung bereits einplant. Allerdings sei eine exakte Prognose aufgrund der Pandemie-Auswirkungen auf die Lieferketten sowie wegen des Ukraine-Konflikts schwierig.

4. Die Anschlussstellen

Deren Ausdehnung ergibt sich durch die parallel laufende Bahnlinie und den angrenzenden Hang. Bei der Anschlussstelle Kauerndorf-Ost ist nach Abstimmung mit den Rettungskräften ein Kreisverkehr vorgesehen.

5. Ist das Projekt verhältnismäßig und notwendig?

Im Bundesverkehrswegeplan wird die Ortsumfahrung Kauerndorf als wirtschaftliches Projekt mit besonders positiver Wirkung bewertet. Der Tunnel verbinde den Umwelt- und Anwohnerschutz mit den Belangen der Verkehrsteilnehmer. Lärm und Abgase an der Bebauung würden deutlich sinken. Es würden ein dauerhafter Schutz des FFH-Gebiets und des Trinkwassergewinnungsgebiets der Stadt gewährleistet sowie Unfallschwerpunkte entschärft. Während der Arbeiten werde die Sicherheit des Trinkwassergewinnungsgebiets durch ein mit den Stadtwerken abgestimmtes Schutzkonzept gewährleistet.

6. Wie ist der Flächenbedarf?

Nur für die Tunnelportalbereiche und Anschlussstellen sind neue Flächen erforderlich. Der Tunnel selbst beansprucht keine neuen Flächen.

7. Was passiert mit dem Geld, wenn der Tunnel nicht gebaut wird?

Dann wird ein anderes, weniger priorisiertes Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan vorgezogen.

8. Sind durch die Bauarbeiten Schäden an den anliegenden Gebäuden zu erwarten?

Diese seien sehr unwahrscheinlich, da am Mühlberg - der aus geologischer Sicht als "stabil" bewertet wurde - sehr "gebirgsschonend" und in kurzen Abschnitten gebaut werde.

9. Wie intensiv gestaltet sich der Eingriff in das Landschaftsbild?

Es handelt sich um einen "nicht unerheblichen Eingriff" - vor allem im westlichen Bereich, wo im Hang gearbeitet werden muss. "Die Rodungen werden mit Sicherheit erschrecken", so Fritz Baumgärtel. Es werden wiederbegrünbare Baukonstruktionen verwendet.

10. Was geschieht mit Abraum und Aushubmasse?

Das Material wird nahezu vollständig wiederverwendet. Es soll der Errichtung eines Erosionsschutzbauwerks dienen, um die Abschwemmungen vom Mühlberg zu verhindern.

11. Wie viel Verkehr bleibt in der Ortsdurchfahrt?

Der südwestliche Ast (Kulmbacher Seite) wird um etwa 80 Prozent entlastet, es wird hier noch mit rund 3300 Fahrzeugen täglich gerechnet. Beim nordöstlichen Ast (Untersteinacher Seite) sind es sogar 95 Prozent, es verbleiben etwa 650 Fahrzeuge täglich. Den Tunnel werden täglich 16.000 Fahrzeuge passieren.

12. Was sprach gegen einen innerörtlichen Ausbau der Straße?

Dafür hätte ein großer Teil der Bebauung - nahezu der gesamte historische Ortskern - abgerissen werden müssen. Allenfalls ein Ortsfragment wäre von Kauerndorf übrig geblieben.

13. Warum werden die Anwohner nicht entschädigt und umgesiedelt?

Der Staat darf eine Entschädigung über den Verkehrswert hinaus nicht anbieten. Es wurde den Eigentümern und Bewohnern keine Entschädigung angeboten.

14. Wie viele Gebäude und Bewohner wären von einem Abbruch und einer Umsiedlung betroffen gewesen?

In erster Reihe entlang der Ortsdurchfahrt stehen nach Auskunft der Gemeinde 26 Wohnhäuser mit 49 Bewohnern.

15. Sind Sperrungen und Umleitungen während der Baumaßnahme nötig?

Ja, da ein Großteil der Maßnahme den Ausbau auf dem Bestand vorsieht (vor allem wegen der Abdichtung der Straße für den Trinkwasserschutz). Die Sperrung ist zwischen Kauernburg und Kauerndorf erforderlich und wird sich in ein oder zwei Abschnitten über mehrere Monate ziehen, je nachdem, ob der Baubeginn im Frühjahr oder in der Mitte 2023 erfolgt. Der regionale Verkehr soll über Grafendobrach und Stadtsteinach umgeleitet werden, der überregionale Verkehr über die A 70.

16. Was sagen die Politiker?

Sowohl die Ködnitzer Räte, Bürgermeisterin Anita Sack als auch Landrat Klaus Peter Söllner stehen hinter dem Tunnel.