Christian Jüttermann (32) aus Bocholt macht zwar erst im Sommer seinen Abschluss an der Fachschule für Lebensmitteltechnik in Kulmbach, aber seine künftige Anstellung beim Weltmarktführer für Kalbfleischherstellung in den Niederlanden hat er schon in Aussicht. Und auch Erik Münch (25) aus Kitzingen - ebenfalls im zweiten und letzten Schuljahr an der Lemitec - bewirbt sich derzeit und hat beste Chancen, eine lukrative und verantwortungsvolle Position in der Lebensmittelindustrie zu bekommen.

Beide sind dann als staatlich geprüfte Techniker auf der gleichen Ausbildungsebene wie ein Bachelor, der von der Uni oder Fachhochschule kommt - bloß, dass sie dafür kein Abitur gebraucht haben. Und noch einen Unterschied gibt es: Die Techniker mit ihrem beruflichen Hintergrund, der Arbeitserfahrung und der hochspezialisierten Fachschul-Ausbildung sind in der Industrie begehrter als ein Bachelor. "Mit den Technikern können die Betriebe mehr anfangen, die müssen nicht erst noch ausgebildet werden", bringt es Schulleiter Alexander Battistella auf den Punkt. Sein Stellvertreter Michael Bamberger ergänzt: "Alle haben Arbeitsverträge in der Tasche, noch bevor sie ihre Prüfungen geschrieben haben."

Super Aussichten mit 22 Jahren

Und das hat einen guten Grund. Die Absolventen der Lemitec punkten - genau wie andere Fachschüler - mit ihrem Praxiswissen. Alle haben eine Ausbildung abgeschlossen, mindestens ein Jahr Berufserfahrung vorzuweisen und entscheiden sich dann für diese berufliche Weiterbildung, um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Der Schulleiter skizziert einen möglichen Werdegang: Mittelschul-Abschluss, Lehre, ein Berufsjahr und zwei Jahre Fachschule, "und dann hat man mit gerade einmal 22 Jahren beste Karrierechancen und super Aussichten".

Die Schüler und Schülerinnen der Kulmbacher Lemitec, die altersmäßig von 19 bis 50 Jahren bunt gemischt sind, kommen aus ganz Deutschland, Österreich, Südtirol, der Schweiz, den Niederlanden und sogar aus Frankreich (auch Clemens Tönnies war übrigens an der Kulmbacher Lemitec). Einer von ihnen ist der 32-jährige Christian Jüttermann aus Bocholt. Ihn hat der Ruf der Einrichtung als "Nonplusultra der Fachschulen für Fleischereitechnik" ins 600 Kilometer entfernte Kulmbach gelockt. Nach dem Abitur hat Jüttermann zunächst Wirtschaftswissenschaften studiert, dann aber eine Metzgerlehrer absolviert, und macht nun den Techniker in der Fachrichtung Fleischereitechnik. Sein Antrieb: "Ich möchte mich weiterbilden." Ein Bekannter, der auch schon die Lemitec absolviert hat, habe ihm geraten, nach Kulmbach zu gehen. "Er hat gesagt, alle Fragen werden dir hier beantwortet." Bei seinem künftigen Betätigungsfeld in den Niederlanden wird Christian Jüttermann in guter Gesellschaft sein. "In ganz Holland gibt es vier Fleischereitechniker, und alle wurden in Kulmbach ausgebildet", weiß der 32-Jährige.

Wie in einem echten Betrieb

Er schätzt die praxisbezogene Ausbildung an der Lemitec, die auch eng mit der Wirtschaft zusammenarbeitet und über einen großen Maschinen- und Anlagenpark verfügt, der den modernsten und höchsten Standards entspricht. So ist es möglich, die Arbeit in einem Industriebetrieb realitätsgetreu zu simulieren. "Diese Ausstattung ist das Alleinstellungsmerkmal der Kulmbacher Fleischereifachschule", sagt Michael Bamberger, "sie ist in dieser Form einzigartig in Deutschland".

Modernste Maschinen

Die Maschinen werden der Schule von den Herstellern leihweise zur Verfügung gestellt. Allein in diesem Schuljahr hat die Lemitec Alexander Battistella zufolge eine Verpackungslinie im Wert von 450 000 und einen Cutter im Wert von 350 000 Euro bekommen, "der Landkreis musste dafür keinen Cent bezahlen". Das zeige das hohe Ansehen, das die Kulmbacher Fleischereitechniker in der Branche genießen.

Für seine Weiterbildung ist Christian Jüttermann nach Kulmbach gezogen. Zwei bis drei Mal im Jahr fährt er heim. Für mehr reicht die Zeit nicht, außerdem fühlt er sich ausgesprochen wohl in der Bierstadt. "Es sind lange Schultage, und viel Freizeit bleibt nicht, aber die Ausbildung ist es auf jeden Fall wert", sagt der angehende Techniker.

Das kann sein Kollege Erik Münch aus Kitzingen, der ebenfalls für die Weiterbildung nach Kulmbach gezogen ist, nur bestätigen. Der 25-Jährige, der im zweiten Schuljahr in der Fachrichtung Lebensmittelverarbeitungstechnik ist, hat die Lemitec schon während seiner Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik kennen und schätzen gelernt. "Die Lehrer hier sind sehr engagiert und kompetent. Sie können einem Vieles vermitteln", sagt der 25-Jährige. Und sie übertragen ihren Schülern auch Verantwortung. So zum Beispiel haben die Klassen ihr Homeschooling in Corona-Zeiten quasi in Eigenregie organisiert. "Das gibt einem ein gutes Gefühl".

Ins mittlere Management

Erik Münch will sich weiterentwickeln. "Ich möchte nicht auf einer Stufe stehen bleiben und will was von der Industrie sehen." Und er ist sich sicher, dass er das nötige Rüstzeug dafür an der Kulmbacher Fachschule für Lebensmitteltechnik erhält. Schulleiter Alexander Battistella hat daran keinen Zweifel: "Die Fachschulen sind der Weg ins mittlere Management ohne Abitur mit den entsprechenden, sehr guten Verdienstmöglichkeiten", sagt er.

Fachschulen in Kulmbach

Fachschulen Unter dem Dach des Beruflichen Schulzentrums Kulmbach gibt es die Staatliche Fachschule für Bautechnik, die Staatliche Fachschule für Lebensmitteltechnik (Lemitec) und die Fachschule für Sanitär-, Heizungs und Klimatechnik. Sachaufwandsträger für alle ist der Landkreis Kulmbach.

Voraussetzungen und Ausbildung Um die Fachschulen besuchen zu können, benötigt man eine einschlägige, abgeschlossene Ausbildung und ein Jahr Berufserfahrung. Die Ausbildung an der Fachschule in Vollzeitunterricht dauert zwei Jahre und ist kostenlos. Man schließt als staatlich geprüfte/r Techniker/in ab und kann im zweiten Schuljahr das Fachabitur mit erwerben. Eine finanzielle Unterstützung durch Bafög ist möglich.

Lemitec Die Fachschule für Fleischerei- und Lebensmittelverarbeitungstechnik wurde 1974 auf Initiative der damaligen Bundesanstalt für Fleischforschung (BAFF), dem heutigen Max-Rubner-Institut (MRI), gegründet. 1977 wechselte der Schulbetrieb von der Räumen der Berufsschule in das damals neu errichtete Schulgebäude in der E.-C.-Baumann-Straße in direkter Nachbarschaft zum MRI. 1989 kam neben der Fleischereitechnik der zweite Eckpfeiler des Ausbildungskonzepts, die Lebensmittelverarbeitungstechnik, hinzu. Mit Beginn des Schuljahres 2020/21 wurde die Lebensmittelverarbeitungstechnik noch um die Schwerpunktrichtung Bäckereitechnik erweitert. Aktuell werden in den insgesamt vier Klassen an der Lemitec (zwei Jahrgänge, zwei Ausbildungsrichtungen) je 20 bis 30 Schüler unterrichtet.