Karl Pöhlmann ohne Kommunalpolitik? Das konnte er selber sich nie richtig vorstellen. Jetzt aber hat der Neuenmarkter SPD-Ehrenvorsitzende seine kommunalpolitischen Ämter niedergelegt. Damit ist nach 38 Jahren auch Schluss im Gemeinderat.
"Ich bin ernsthaft erkrankt, es ist nicht bloß ein Schnupfen", erklärt der 76-Jährige im BR-Gespräch die Beweggründe. Sein Gesundheitszustand lasse ihm keine Wahl. "Ich muss gegen die Krankheit vorgehen und deswegen jetzt den Schnitt machen und mein Mandat abgeben. Die Gemeinde muss nun hinten anstehen. Es ist eine schwierige Entscheidung gewesen, aber ich musste sie treffen."
Sein Vorgehen habe er mit der Familie abgesprochen. "Mein Frau Inge sagt, ich muss jetzt an mich denken." Die Arbeit in der und für die Gemeinde sei meistens vorrangig gewesen, Familie und die häuslichen Pflichten hätten oft nur die zweite Geige gespielt.
"Meine Frau hat mir den Rücken freigehalten, sonst hätte das über die vielen Jahren überhaupt nicht funktioniert."
Die Aufgabe des stellvertretenden Werkleiters werde der ehemalige Schulrat vorübergehend weiter ausüben. "Aber auch da wird der Zeitraum überschaubar sein. Ich mache es gerne, solange ich mich gut fühle."
Überhaupt werde er die Dinge weitermachen, die ihm am Herzen liegen, Rekonvaleszenz hin oder her. "Ich war all die Jahre aktiv. Ich bin nicht der Typ, der sich einfach hinsetzen und dem Lauf der Sonne zuschauen kann." Zum Beispiel warten im Garten, im Wald und an seinem Fischteich jede Menge Arbeit. "Die Arbeit soll auch nicht ausgehen, das wäre in der jetzigen Situation grundfalsch."


Patricia Lerner: "Mein Mentor"

Die Neuenmarkter SPD-Fraktion habe Karl Pöhlmanns Entscheidung schweren Herzens akzeptiert, sagt Fraktionsvorsitzende Patricia Lerner. "Persönlich ist er mein politischer Mentor. Ohne ihn wäre ich heute keine dritte Bürgermeisterin, er hat mich ermutigt zu kandidieren."
Die Fraktion sei über Karl Pöhlmanns geplanten Rückzug informiert gewesen. "Es geht mit ihm zugleich auch ein wahnsinnig großes Stück kommunalpolitisches Wissen." Patricia Lerner sagt, sie schätze Karl Pöhlmanns Wirken und zugleich seine menschliche Art. "Es ist gerade für einen Politneuling wie mich wichtig, jemand wie ihn an meiner Seite zu wissen. Ich weiß, dass er uns weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht."
Das bestätigt der scheidende Gemeinderat: "Ich werde natürlich für meine Kollegen Ansprechpartner sein, wenn sie das möchten. Sie können sich gerne und jederzeit an mich wenden", bietet er an.
In der nächsten Sitzung des Gemeinderats am kommenden Montag wird der SPD-Mann verabschiedet. Sein Nachfolger ist schon bekannt: Carsten Warzecha. Pöhlmann hält ihn "für einen sachorientierten und auf Ausgleich bedachten Menschen". Vater Karl-Heinz Warzecha war viele Jahre in der Gemeindepolitik tätig, bis er 2014 nicht mehr antrat.


Besondere Bürgermeisterwahl

2014 - das war auch im kommunalpolitischen Leben von Karl Pöhlmann ein besonderes Jahr. Die harten Konfrontationen vor der Bürgermeisterwahl mit Siegfried Decker, der schließlich für die neu gegründete Neuenmarkter Gemeinschaft ins Rennen ging, weil die SPD nicht mehr ihn, sondern Patricia Lerner nominierte. Der Ausgang ist bekannt: Decker wurde als Rathauschef wiedergewählt, Lerner dritte Bürgermeisterin. Pöhlmann war selber 18 Jahre lang stellvertretender Bürgermeister in Neuenmarkt - unter Siegfried Decker. "Es waren erfolgreiche Jahre", sagt der ehemalige Fraktionssprecher der Sozialdemokraten über diese Ära. Als eine wichtige Weichenstellung nennt der 76-Jährige eine auf lange Sicht angelegte Siedlungspolitik mit der Ausweisung von Baugebieten.
Pöhlmann hatte Decker damals, 1990, mit auf den SPD-Kandidatenschild gehoben. "Bei der Trennung von Siegfried vor drei Jahren war uns klar, dass uns dadurch ein breiteres Wählerpotenzial verloren gehen würde." Aktuell gibt es vier SPD-Gemeinderatsmitglider im Gremium. Pöhlmann betont, die Auseinandersetzungen mit dem einstigen Parteifreund seien beigelegt. Eine gute Zusammenarbeit gebe es auch mit den Fraktionen von CSU und Freien Wählern.
Siegfried Decker findet lobende Worte für Pöhlmann: "Ein persönlicher Wegbegleiter sagt auf Wiedersehen. Er hat seit 1978 als Gemeinderat und auch in seiner Funktion als Kreisrat die Kommune maßgeblich nach außen vertreten und mitgestaltet." Pöhlmann habe, so Decker, wichtige Weichenstellungen angestoßen und seine Positionen stets klar vertreten. Decker nennt Pöhlmann einen erfahrenen Politiker und charakterisiert ihn mit drei Worten: "Beliebt, bekannt, anerkannt. Ich bedauere seinen Rücktritt, habe aber absolut Verständnis dafür."