Für Landrat Klaus Peter Söllner (FW) war die erste Sitzung des neu zusammengesetzten Jugendhilfeausschusses des Landkreises Kulmbach zugleich eine historische Sitzung, denn für den Leiter des Kreisjugendamtes war es die letzte Sitzung. Klaus Schröder wird in Kürze mit knapp 40 Dienstjahren - davon fast 25 Jahre in der Verantwortung des Kreisjugendamtes - in den Ruhestand gehen.

Die offizielle Verabschiedung wird zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen, aber Söllner stellte zumindest so viel fest: "Klaus Schröder hat großartige Arbeit geleistet und er war allen, die mit ihm zu tun hatten, ein überragender Ansprechpartner." Söllner verwies auch auf die gravierenden, gesellschaftlichen Veränderungen, die in den letzten Jahren verstärkt auf den Bereich der Jugendhilfe Einfluss genommen haben. Dabei galt es für Schröder und seine Mitarbeiter im Kreisjugendamt auch, neue gesetzliche Herausforderungen zu meistern.

Söllner zufolge war auch das Kreisjugendamt durch Corona schwer gefordert: "Wir haben aktuell seit sieben Wochen keine Erkrankungen mehr, aber das kann sich schnell ändern. Das Jugendamt hat die Corona-Krise gut gelöst und Gott sei Dank ist keine Erhöhung von Fällen häuslicher Gewalt eingetreten. Es hat relativ wenig Ärger gegeben und bei den Notbetreuungen wurde hervorragend reagiert."

Auf hohem Niveau gefordert

Schröder stellte in seinem letzten Bericht zur Jugendhilfe im Landkreis rückblickend fest, dass die Kinder- und Jugendhilfe auch im letzten Jahr auf einem hohen, anhaltenden Niveau gefordert war: "Es gab zwar keine Steigerungen bei den Hilfen und den Leistungsfällen, aber das Niveau ist auch nicht zurückgegangen. Nach wie vor müssen wir mit unserem Angebot, die Leistung, die uns der Bundesgesetzgeber aktuell zur Verfügung stellt, dort als Ausfallbürge einspringen, wo Eltern verschuldet oder unverschuldet nicht mehr in der Lage sind, die Erziehung und Verantwortung ihrer Kinder alleine ohne fremde Unterstützung wahrzunehmen."

Diese Fälle, so der scheidende Klaus Schröder, sind auch im Jahr 2019 auf einem gleichen Niveau wie in den Jahren zuvor geblieben.

Nicht unerwähnt ließ er die "ordentliche Infrastruktur" im Rahmen der Kindertagesbetreuung, was auch dem Engagement der vielen Träger und Kommunen geschuldet sei. Schröder sprach von einem herausfordernden Jahr für das Kreisjugendamt, "es war aber Gott sei Dank auch ein Jahr ohne dramatische Ereignisse."

Die aktuelle Situation beschäftigt das Kreisjugendamt dagegen viel mehr, wie Schröder betonte: "Sie war und ist auch weiterhin ganz entscheidend von Corona geprägt. Spätestens mit der Schließung der Kindertagesstätten und den Schulen hat sich unsere Arbeit im Kreisjugendamt grundlegend verändert. Wir mussten uns innerhalb eines halben Tages mit dem Lockdown in den Schulen und in der Kindertagesbetreuung beschäftigen und haben als Erstes für das Wochenende auch eine Hotline eingerichtet und es gab auch am Samstag und Sonntag Nachfragen."

Die große Frage war in den ersten vier bis sechs Wochen demnach, was in der Corona-Krise systemrelevant ist. Es gab zwar Grenzfälle, aber das Kreisjugendamt hat nach den Worten seines Leiters seinen Ermessensspielraum weitestgehend ausgeschöpft.

Schröder: "Wir hatten keine großen Diskussionen mit den Bürgern und ich muss auch sagen, dass der Großteil der von diesen Maßnahmen betroffenen Eltern und Familien sehr einsichtig und vernünftig war." Was Schröder aber für wichtig hält: Der persönliche Kontakt in der Arbeit mit Menschen ist nie vollkommen zu ersetzen.

Der Nachfolger

Abteilungsleiterin Kathrin Limmer stellte dem Jugendhilfeausschuss im Anschluss die zukünftige Struktur des Kreisjugendamtes vor. So wird Bernhard Rief mit der Abteilungsleitung für Jugend, Familie und Soziales beauftragt und tritt damit die Nachfolge von Klaus Schröder an.

Die weiteren Sachgebietsleiter sind für das Kreisjugendamt Brigitte Hebentanz, für den Sozialdienst Steffen Grampp, für die Landkreisjugendarbeit Jürgen Ziegler und für Soziale Angelegenheiten David Grau.