In rasantem Tempo ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den Covid-19-Infizierten angestiegen. Auch der Landkreis Kulmbach ist da keine Ausnahme, wie die aktuellen Zahlen belegen. Mit einer Inzidenz von 203,3 liegt die Altersgruppe der unter 18-Jährigen deutlich über den Werten der Erwachsenen.

Wie stellt sich angesichts dieser Entwicklung die Lage an den Schulen dar? Wir haben beim Krisenstab des Landkreises, beim Gesundheitsamt und bei den Schulen nachgefragt: Was unternehmen sie, um die Fallzahlen möglichst gering zu halten?

Wie viele Kinder und Jugendliche sind aktuell mit Covid-19 infiziert? Welche Inzidenzen ergeben sich für die unterschiedlichen Altersgruppen?

Stand Mittwochnachmittag waren sechs Kinder unter 6 Jahren Covid-19-positiv (das entspricht einer Inzidenz von 178,8), weitere sechs unter 10 Jahren (Inzidenz: 280,9) und neun Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren (Inzidenz: 185,9). Für alle unter 18-Jährigen ergibt sich ein 7-Tage-Inzidenzwert von 203,3 im Vergleich zur Inzidenz 112 für die Gesamtbevölkerung im Landkreis. Vor rund zwei Wochen lag die Inzidenz noch bei 75 - unter und über 18 Jahren. "Der Trend zu höheren Fallzahlen bei Kindern ist eindeutig", sagt Oliver Hempfling, Leiter des Krisenstabs.

Wodurch entstehen diese großen Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen?

Die Impfung spielt mit Sicherheit eine Rolle, sagt Nataša Luz, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts. Dafür spricht, dass in der Gruppe der über 50-Jährigen die Inzidenz bei nur 21 liegt. Viele Kinder und Jugendliche könnten sich noch nicht impfen lassen.Interessant ist ein Blick auf die bayerischen Zahlen. Bei den Ungeimpften liegt die Inzidenz bei 451,5, bei den vollständig Geimpften dagegen nur bei 50,9.

Gibt es unter den Corona-positiven Schülern schwere Krankheitsverläufe?

Bisher sei es im Landkreis bei Kindern glücklicherweise nicht zu schweren Verläufen gekommen, sagt Amtsärztin Luz. "Dort wo Symptome auftreten, ähneln sie grippalen Infekten."

Masken, Abstand halten, Hände waschen, Lüften schützen vor Infektionen. Dazu wird in den Schulen fleißig getestet. Wie läuft das ab?

An den weiterführenden Schulen müssen die Schüler drei Mal pro Woche testen, an den Grundschulen macht jedes Kind zwei Mal pro Woche einen sogenannten Lollytest - einen laborbestätigten PCR-Pool-Test, der als recht genau gilt.

Was passiert, wenn ein Schüler positiv getestet wird?

Das Gesundheitsamt prüft jeden Fall individuell und nimmt eine Risikoeinschätzung vor. In der Regel muss nur der Tischnachbar in Quarantäne, nicht die ganze Klasse, sofern keine engen Kontakte bestanden haben. Bei gemischten Klassen, wechselnden Räumen für Fachunterricht oder privaten engen Kontakten, gibt es eine Reihentestung für die ganze Klasse, die dann für 24 Stunden in Quarantäne geht. "Wer negativ getestet ist, geht am nächsten Tag wieder in die Schule", so Nataša Luz.

Von den 133 positiven Fällen am Mittwoch waren 23 Schüler, von 36 unmittelbaren Kontaktpersonen, die in Quarantäne geschickt wurden, waren 20 Schüler. Nur einmal musste in diesem Schuljahr eine Klasse komplett in Quarantäne geschickt werden. "Da waren mehrere Schüler infiziert, die Kontakte schwer nachvollziehbar."

Hat sich die bisherige Strategie an den Schulen bewährt?

Oliver Hempfling ist davon überzeugt, ebenso Schulamtsdirektor Michael Hack: "So werden Fälle frühzeitig erkannt und ein weitgehend normaler Schulbetrieb ermöglicht." Hack: "Es ist wichtig, dass die Kinder wieder in die Schule gehen, unter Gleichaltrigen sind und gemeinsam lernen dürfen." Das sei nicht nur für die Wissensvermittlung wichtig, sondern auch für das Sozialverhalten.

Sind alle Schulen mit den bestellten Lüftungsgeräten ausgestattet?

Im Grund- und Mittelschulbereich sind die Geräte überall im Einsatz, wo sie beantragt wurden, so Hack. Bei den anderen Schulen stehen noch einige wenige Geräte aus, die jedoch laut Oliver Hempfling nach den Herbstferien in den Klassenzimmern stehen werden.

Aus dem oberbayerischen Miesbach wird berichtet, dass Jugendliche sich bei Corona-Partys absichtlich anstecken, um dann als Genesene von der Testpflicht befreit zu sein. Gibt es das auch in Kulmbach?

Bekannt geworden sind solche Fälle den Behörden bislang nicht. Ausschließen kann Oliver Hempfling solches Verhalten freilich auch nicht. Er kann sich durchaus vorstellen, dass mancher Jugendliche den Gedanken verlockend findet, um ohne Test und Impfung überall Zutritt zu haben. "Aber das ist die denkbar schlechteste Idee, um die 3G-Regel zu erfüllen." Hempfling hat Vertrauen in die Jugend: "Dass das Infektionsgeschehen an den Schulen bisher beherrschbar ist, verdanken wir nicht allein der Teststrategie, sondern auch dem verantwortungsbewussten Verhalten der Schüler. Die meisten halten sich an die Regeln."