Seit Mitte August ist die Stadtmitte Großbaustelle: Der Abbruch der Tiefgarage unter dem Zentralparkplatz, der nach dem Bierfest begonnen hat, läuft auf Hochtouren - und wird bald abgeschlossen sein. Ein Baggerfahrer ist derzeit dabei, mit einem "Specht" den Beton der Bodenplatte abzubrechen.

Auch wenn die Rohbauarbeiten für den Wiederaufbau schon bald beginnen werden - die Baustelle wird Kulmbach noch lange begleiten. Endgültig abgeschlossen wird sie nämlich erst 2018. Leidtragende sind vor allem Anwohner und Einzelhändler, die mit den Beeinträchtigungen leben müssen. Wie stark sie von der Maßnahme betroffen sind, haben wir anliegende Geschäftsleute gefragt.


Keine Laufkundschaft

Von einer gelegentlich mehr als grenzwertigen Lärmbelästigung spricht Optiker Uwe Windisch. Mit dem eigenen Schallpegelmesser habe er in der Werkstatt seines Geschäfts über 100 Dezibel gemessen. "Im Arbeitsleben trägt man ab 85 Dezibel Gehörschutz", sagt Windisch, der sich bei der Stadt auch schon über die Staubentwicklung beklagt hat. Er hofft, dass mit dem Ende der Abbrucharbeiten die Beeinträchtigungen geringer werden.
Finanzielle Einbußen habe er bis dato nicht erlitten. "Mein Eingang befindet sich glücklicherweise ja auch in der Klostergasse", betont Windisch, der festgestellt hat, dass Kunden bei der Suche nach Parkplätzen Probleme haben. Viele Kulmbacher hätten noch nicht verinnerlicht, dass mit den beiden Parkdecks im Kaufplatz Ersatz-Stellflächen zur Verfügung stehen. "Von dort sind es nur wenige Meter zu meinem Geschäft."


Umsatzeinbruch

Über einen Umsatzeinbruch in Höhe von 20 bis 25 Prozent klagt Bernd Göbl, der Geschäftsführer des Tabakwarenladens Ködel in der Webergasse. Der Eingang zum Zentralparkplatz sei zwar noch vorhanden, quasi aber "tot", sagt Göbl, der darüber klagt, dass die Laufkundschaft wegbleibt. Auch Stammkunden kämen nicht mehr. Einen Grund dafür sieht er im Stadtbusverkehr, der seit Beginn der Bauarbeiten keine verlässlichen Abfahrtszeiten mehr habe. "Das ärgert viele."


Froh, dass was passiert

Von einem um rund 20 Prozent gesunkenen Umsatz spricht Marianne Sesselmann vom gleichnamigen Schuhhaus. Auch sie vermisst die Laufkundschaft, gewährt deshalb sogar "Baustellen-Rabatte". Die Beeinträchtigungen durch Lärm und Staub würden sich in Grenzen halten. "Wir müssen da durch", sagt die Geschäftsfrau, die die Maßnahme nicht in Frage stellt: "Ich bin froh, dass am Zentralparkplatz endlich was gemacht wird."

Mit der Baustellen-Abwicklung zufrieden ist Reisebüro-Inhaber Stefan Schaffranek. Der Abrissbagger sei "schonend" vorgegangen, sodass sich der Lärm in Grenzen gehalten habe. Allerdings habe das Spechten der letzten Tage schon ein nervtötendes Geräusch verursacht. Die Staubentwicklung sei mit Wasser bekämpft worden und an den meisten Tagen nicht groß gewesen. "Ich hatte wirklich Schlimmeres befürchtet", stellt Kulmbachs Zweiter Bürgermeister fest. Einbußen habe er nicht erlitten. Der Spätsommer sei ohnehin nicht die große Buchungszeit, die Branche zudem auch nicht auf das Tagesgeschäft ausgerichtet.


"Ich freue mich ..."

Von Nachbarn habe er keine großen Klagen gehört, erklärt Schaffranek, der wie viele seiner Geschäftskollegen die Durchhalte-Parole ausgibt. Mit Blick auf den neuen Zentralparkplatz verbreitet er Zuversicht: "Ich freue mich schon auf das, was kommt."