Bereits ab 7 Uhr morgens standen die Impfwilligen am Samstag am Kulmbacher Eku-Platz, um sich im mobilen Impfzentrum des Landkreises ihre Erstimpfung gegen Covid-19 verabreichen zu lassen. "Wir waren total überrascht vom Ansturm. Um 7.30 Uhr haben wir schon 35 Leute gezählt", sagte der Leiter des Impfzentrums, Marcel Hocquel, und führte an: "Alle haben sich positiv geäußert, nach dem Motto: ,Schön, dass der Impfstoff zu uns kommt'." Das ging ohne Terminvereinbarung. Eine halbe Stunde standen die Interessierten im Durchschnitt an, bis sie in eine der beiden Impfkabinen schlüpfen konnten.

Landrat ist zufrieden

Logistisch unterstützt wurde das 15-köpfige Team des Landratsamts von THW und Feuerwehr. Drei Ärztinnen und Ärzte des Klinikums klärten und berieten die Impfwilligen. "Bis zum Abbau um 12.30 Uhr konnten wir 136 Menschen impfen", so Marcel Hocquel. Auch Landrat Klaus Peter Söllner (FW) zeigte sich positiv überrascht. "Ich muss zugeben, ich war anfangs etwas skeptisch, aber die Resonanz ist gewaltig. Es war ein Versuch, möglichst viele zum Impfen zu bringen - und der ist geglückt."

Wartenfelserin war sich unschlüssig

Yvonne Rüger aus Wartenfels gehörte zu denen, die sich in die Schlange einreihten, um die Erstimpfung mit Biontech zu erhalten. "Ich war lange unschlüssig, ob ich mich impfen lassen sollte", sagte die 36-Jährige. Man höre viel, jeder wisse es besser. "Ich habe mich in den letzten Tagen mit den Vor- und Nachteilen befasst und eine ganz sachliche Entscheidung getroffen." Natürlich habe sie auch Ängste hinsichtlich der Nachwirkungen gehabt, aber für sie habe die Impfung letztlich Sinn gemacht. "Ich finde, viele Menschen lassen sich zu sehr von den sozialen Medien beeinflussen", stellte Yvonne Rüger fest, die sich " mehr sachliche Aufklärung ohne Emotionen" seitens der Behörden gewünscht hätte.

Auch Zwölfjähriger lässt sich impfen

Bei einem Blick in die Runde fiel auf, dass auch etliche Teenager den Weg zur mobilen Impfstation gefunden hatten. Einige wollten im Interview anonym bleiben, das die Impfung von Jugendlichen ja nicht ganz unumstritten ist. "Es ist ein heißes Thema, und man weiß nicht, wie man es richtig macht", sagte eine Mutter, die mit ihrem 12-jährigen Sohn gekommen war. Auch Kinder hätten wieder Freiheiten verdient, ist ihre Meinung. Um die Gesundheit seiner 13-jährigen Tochter ging es einem Vater. "Ich weiß, dass meine Tochter für Atemwegserkrankungen empfänglich ist. In Hinsicht auf den Herbst will ich, dass sie besser geschützt ist."

Günter Lauterbach und sein 13-jähriger Sohn Tim hatten sich ebenfalls in die Schlange eingereiht. "Ich sehe das als einen Schutz für mich, vor allem in der Schule, und für meine Mitmenschen", sagt der junge Himmelkroner, der eine Schule in Bayreuth besucht. Er habe sich in vergangenen Woche im Impfzentrum angemeldet, aber noch keinen Termin erhalten. "Da haben wir von dem mobilen Angebot in der Zeitung gelesen und sind vorbei gekommen", stellte sein Vater fest.

Vater ist dafür

Auch der 12-jährige David Ganser wollte sich impfen lassen, "Ich erhoffe mir dadurch wieder mehr Freiheiten in meiner Freizeit." Sein Vater Konstantin hält gerade die Impfung für die jungen Leute für wichtig, deren Impfquote sehr niedrig sei. "Die Jugendlichen wurden bislang vernachlässigt, weil es immer hieß, die Kinder hätten die wenigsten schweren Probleme." Er und sein Sohn seien extra aus einem Nachbarlandkreis nach Kulmbach gekommen, weil es dort kein Impfangebot für Jugendliche in diesem Alter gebe.

"Alle Kumpels machen mit"

Für Tim Eber (15) war es selbstverständlich, sich impfen zu lassen, auch wenn gerade für junge Männer die Warnung vor dem zwar geringen, aber möglichen Risiko einer Herzmuskelentzündung kursiert. "Alle meine Kumpels wollen sich impfen lassen." Weil er in einem Baumarkt jobbt und er dort viel Kundenkontakt hat, gebe ihm die Impfung Sicherheit. Nachdem Klinikum-Ärztin Beate Blank ihn und seine Eltern über die Risiken aufgeklärt hatte, gab es einen kleinen Pieks. Nach einer kurzen Wartezeit war es dann geschafft.

Das Fazit

Aufgrund der positiven Resonanz überlegt das Landratsamt, eine solche Aktion Form zu wiederholen. "Alles hat reibungslos funktioniert, unsere jüngsten Impflinge waren heute zwölf Jahre alt, die ältesten 80", so Marcel Hocquel. Nach der Impfaktion am Samstag liegt die Quote bei den Erstimpfungen im Landkreis Kulmbach bei 61,31 Prozent, bei den Zweitimpfungen bei 44,58 Prozent. Ziel ist eine Impfquote von 85 Prozent.