Moderne Landwirtschaft ist kein einfacher Broterwerb. Es gilt immer mehr Auflagen und Verordnungen zu beachten, die Preise für die Erzeugnisse stagnieren seit Jahren auf niedrigem Niveau, und das Ansehen des Berufsstandes befindet sich gefühlt im Sinkflug. Kein Wunder, dass auch im Landkreis Kulmbach immer mehr Bauern hinschmeißen. Die Landwirtschaft befindet sich in einem Strukturwandel, der auch vor den Höfen in der Region nicht Halt macht.

Die Zahlen sind eindeutig

Die Daten des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach sind eindeutig. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region nimmt kontinuierlich ab. Und die, die weitermachen, müssen immer größer werden, um ihr Auskommen zu sichern. "Ich brauche eine gewisse Größe, um allein von der Landwirtschaft leben zu können", sagt Klaus Schiffer-Weigand, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsamt. Der enorme Preisdruck für die Erzeuger macht es nötig. "Wir brauchen kostendeckende Preise, dann können auch die kleineren Betriebe überleben", fordert BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger. Bei all den negativen Zahlen gibt es aber auch eine große Ausnahme: im Bio-Bereich hat sich die Anzahl der Höfe in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.

Vor allem weniger Vollerwerbs-Landwirte

Die Bayerische Rundschau hat sich die Zahlen des Kulmbacher Landwirtschaftsamtes einmal genauer angesehen und ausgewertet. Erfasst werden dort Betriebe, die einen sogenannten Mehrfachantrag stellen und damit mindestens einen Hektar Fläche bewirtschaften. Es gibt aktuell 800 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis Kulmbach (Stand Mai 2021), vor zehn Jahren waren es noch 910. Vor allem die Zahl der Vollerwerbs-Landwirte sank - um über 20 Prozent von 356 (2011) auf 284 (2021). Das Minus bei den Nebenerwerbs-Betrieben fällt deutlich geringer aus. Das liegt auch daran, dass "viele von Voll- auf Nebenerwerb umsteigen, spätestens bei der Hofübergabe", so Klaus Schiffer-Weigand.

Vermehrt umgestiegen wurde außerdem auf Bio-Landwirtschaft. In diesem Bereich hat sich die Zahl der Betriebe fast verdoppelt - von 56 (2011) auf mittlerweile 103. BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger wundert das nicht. "Im Bio-Bereich sind die gezahlten Prämien so hoch, dass es sich noch rechnet." Eine flächendeckende reine Bio-Landwirtschaft sieht er allerdings skeptisch, "dafür würden die Flächen gar nicht reichen". Für ihn ist die Landwirtschaft der Zukunft eine Kombination aus ökologisch und konventionell.

"Bio ist kein Allheilmittel"

Bio ist im Trend, "es gibt momentan einfach mehr Positiv-Stimmung für den ökologischen Landbau", sagt Klaus Schiffer-Weigand. Er war 15 Jahre lang Öko-Berater in Oberfranken und weiß: "Wenn der Öko-Landbau als Allheilmittel für alle landwirtschaftlichen Betriebe dargestellt wird, muss ich sagen: Nein, das stimmt nicht." Nicht jeder könne umstellen, das sei oft ein Platz- oder Finanzierungsproblem. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass es im Landkreis auch Bio-Betriebe mit bis zu 160 Milchkühen gebe, "die passen aber nicht mehr ins Niedlichen-Schema rein".

Immer mehr Tiere pro Betrieb

Apropos Größe - sie ist der entscheidende Faktor, um überhaupt noch wirtschaftlich arbeiten zu können. Deshalb müssen die Betriebe immer mehr Fläche beackern und immer mehr Tiere pro Einheit halten. Während die Zahl der Höfe mit 10 bis 100 Hektar in den letzten zehn Jahren um etwa 20 Prozent abgenommen hat, hat sich die Anzahl der Großbetriebe ab 100 Hektar von 67 (2011) auf 89 (2021) erhöht (plus 33 Prozent). Der größte Betrieb im Landkreis Kulmbach bewirtschaftet über 272 Hektar Fläche.

Das gleiche Bild bei der Viehhaltung. Während sich die absolute Zahl der Betriebe zum Teil mehr als halbiert hat (Milchviehhaltung minus 42 Prozent, Mastschweine minus 46 Prozent, Zuchtschweine minus 57 Prozent), ist die Tierzahl pro Einheit dagegen deutlich gestiegen. Hatte ein Landwirt 2011 durchschnittlich 32 Milchkühe im Stall, sind es heute im Durchschnitt 50. Bei den Zuchtschweinen verdoppelte sich die Stückzahl sogar fast von 52 auf 99.

Trotz dieser Konzentration: "In der bäuerlichen Landwirtschaft im Landkreis Kulmbach haben wir keine Massentierhaltung", betont Klaus Schiffer-Weigand, der für die Landwirte im Kreis eine Lanze bricht. "Sie wirtschaften gut. Es tut den Landwirten weh, wenn sie pauschal als Tierquäler und Umweltverschmutzer dargestellt werden."

"Bei uns herrscht nur noch Frust"

Das kann BBV-Obmann und Landwirt Wilfried Löwinger aus eigener Erfahrung unterstreichen: "Bei uns herrscht nur noch Frust. Man kann es der Politik und der Gesellschaft nicht mehr recht machen."