Das erste Wort, das dem Kauerndorfer Jagdvorsteher Gerhard Wehner beim Anblick des Staubsaugers in den Sinn kommt ist "verantwortungslos". Jemand hatte das ausgediente Elektrogerät an einem Feldweg am Mühlberg in den Graben geworfen.

Wehner hatte es auf dem Weg zu seinem Waldstück entdeckt und war empört, denn der Staubsauger ist nur ein weiteres Beispiel für eine illegale Müllablagerung. "Es gibt Menschen, die fahren extra in den Wald und kippen Hausmüll wie Dosen, Plastik oder Speisereste ab." Oft finde man Autoreifen. Einmal lagen Unmengen kleiner Schnapsflaschen in einer Wiese.

Eine solche Umweltverschmutzung sei "nicht in Ordnung" und für ihn ganz und gar unverständlich, denn es gebe einfachere Wege seine Abfälle los zu werden. "Bei manchen Leuten ist die Moral auch schon auf dem Müll", sagt er.

Müll in der Natur nimmt zu

Die illegalen Müllablagerungen bei Kauerndorf sind keine Ausnahmeerscheinung. Bei Kasendorf wurde vergangenen Sommer ein ganzer Wohnwagen im Wald entsorgt. Die Bayerische Rundschau berichtete und der Verursacher meldete sich freiwillig.

Doch die Müllablagerungen im Landkreis wurden nicht weniger, im Gegenteil. Ein Pressesprecher des Landratsamts teilt mit, dass seit etwa einem Jahr ein Anstieg zu beobachten sei. Es werde mehr Abfall, unter anderem Bauschutt und Sperrmüll, in der Natur abgeladen als noch im Jahr zuvor. Der konkrete Grund für diesen Anstieg sei vom Landratsamt nicht feststellbar.

Die Drechsler Umweltschutz KG ist ein Kulmbacher Entsorgungsunternehmen, das kostenlos Elektronikschrott annimmt. Geschäftsführer Norbert Drechsler glaubt, dass die Bequemlichkeit der Menschen die Ursache für die Ablagerungen sei: "Viele wollen ihren Müll gleich entsorgen und nicht erst morgen oder übermorgen."

Dass dieses Phänomen häufig im ländlichen Raum auftritt, wundert ihn nicht, denn früher habe man mit Müll Gräben und Erdsenken verfüllt. "Da sieht man das lockerer", sagt er.

Wie es mit dem Staubsauger weitergeht

Vielleicht liege es auch daran, dass die Leute nicht ausreichend informiert sind. Wie man welchen Müll entsorgen kann, steht im Müllabfuhrkalender des Landkreises, den jeder Haushalt bekommt. Doch der werde vermutlich nicht von allen gelesen, so Drechsler.

Auch Klaus Hanisch war der Staubsauger am Mühlberg aufgefallen. Aus Rücksicht auf die Natur hatte der Landwirt seinen Betrieb bereits vor drei Jahren auf "Bio" umgestellt, ein Unterfangen, das mit großen Herausforderungen verbunden ist. Darüber berichtete die Bayerische Rundschau am Dienstag.

Beim Anblick der gewissenlosen Müllentsorgung im Wald stellt der Landwirt seine Anstrengungen infrage. "Selbst bemüht man sich - und einem Teil der Bevölkerung ist der Umweltschutz egal", sagt er. Gemeinsam mit Jagdvorsteher Wehner verständigte er die Ködnitzer Gemeindeverwaltung. Ein Bauhofmitarbeiter holte das Gerät dann ab. "Der Staubsauger wird ordnungsgemäß bei der Sammelstelle für Elektroschrott in Kulmbach entsorgt", teilt Heinz Mösch (CSU), Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Ködnitz, mit. Leider gebe es diese Art der Müllentsorgung immer wieder, so Mösch.

Sein Aufruf an die Bevölkerung lautet: "Wir bitten alle Bürger, die Augen offen zu halten, um die Umweltsünder möglichst auf frischer Tat zu ertappen. Leider gibt es immer wieder Menschen die ihren Mitbürgern und der Umwelt schaden. Wir haben in unserem Landkreis alle Möglichkeiten, unseren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen und können nur hartnäckig an die Vernunft appellieren."

Bußgelder und Strafverfahren drohen

Wie bei illegalen Müllablagerungen vorgegangen wird, hängt vom Ausmaß ab. Kleine Gegenstände wie der Staubsauger werden in der Gemeinde Ködnitz einfach entsorgt, aber größere Vergehen werden dem Landratsamt gemeldet. Die Polizei ermittelt dann hinsichtlich des Verursachers. Wird dieser gefunden, erfolgt Anzeige.

Das Landratsamt weist mit Nachdruck auf Folgendes hin: "Illegale Müllablagerungen sind kein Kavaliersdelikt." Entsprechend werde damit umgegangen. Der Verursacher muss nicht nur für die Entsorgungskosten aufkommen, sondern ihm droht ein Bußgeld. Die Höhe wird anhand des Bußgeldkatalogs "Umweltschutz" festgelegt.

Bis zum Strafverfahren

"Bei Ablagerungen, die Mensch, Tier und Umwelt gefährden, kann unter anderem auch ein Strafverfahren eingeleitet werden", so der Pressesprecher. Grundsätzlich werde empfohlen, den Fund illegaler Müllablagerungen unter Angabe der möglichst genauen Lage an den zuständigen Fachbereich Umweltschutz im Landratsamt unter der Nummer 09221/707-480 weiterzugeben. Wichtig sei dabei auch die Angabe der eigenen Kontaktdaten wie Name und Telefonnummer für mögliche Rückfragen.