Manche Wege sind etwas beschwerlicher als andere, für sie muss man ein Stück weit einen steileren Anstieg in Kauf nehmen. Claus Ehrhardt nimmt diesen Weg nahezu jeden Tag auf sich. Dann nämlich, wenn er sich aufmacht zu einem seiner Lieblingsplätze: eine Bank am Pörbitscher Berg. Hier lässt der 58-Jährige dann den Blick schweifen über die Stadt, er hat sein Haus im Blick und auch die Plassenburg. Weite - sie öffnet ihm nicht nur buchstäblich Horizonte, sondern auch politisch, wie er sagt. Das Ganze betrachten, den Überblick bekommen, sich nicht im Klein-Klein verfangen: So lautet sein Credo, das der gebürtige Münchner nicht zuletzt für seine FDP-Kandidatur um das Bundestagsmandat in die Waagschale werfen möchte.

Ehrhardt ist dreifacher Vater und lebt mit seiner Lebensgefährtin und seinem jüngsten Sohn Korbinian (2) seit sechs Jahren in Kulmbach. "Ich bin beruflich hier gestrandet durch ein Projekt für Tennet, fühle mich aber trotz meiner Großstädter-Vergangenheit sehr wohl." Der Bezug zu Oberfranken bestand bereits lange vorher, familiären Verbandlungen über die Großeltern mit Coburg sei Dank. Seit zehn Jahren arbeitet Ehrhardt als selbstständiger Berater für Projekte in der Unternehmenssteuerung, im Projektmanagement und der Digitalisierung. "Durch meinen Job ist es letztlich auch nicht entscheidend, von wo aus ich arbeite."

Hier spricht er eines seiner wesentlichen Anliegen an: die Digitalisierung. "Digitale Themen spielen in so viele Lebensbereiche hinein, und natürlich auch in viele Bereiche in der Wirtschaft. Corona hat hier Defizite aufgedeckt. Allein dass wir 86 000 offene Stellen in der IT-Branche haben, zeigt den ungeheuren Nachholbedarf, den wir aber fast nicht mehr aufholen können. Wir befinden uns im Wettstreit mit der ganzen Welt, und andere machen es uns vor, indem sie selber machen und nicht nur reden. Wir müssen aus uns selber heraus vorangehen, darin sehe ich unsere einzige Chance. Aber wir dürfen eines nicht mehr: länger warten."

Fundgrube für Gründer

Ehrhardt sieht hier eine Fundgrube für Gründer, für Start-ups und junge Menschen, die neue Wege beschreiten wollen. "Wir fördern Innovationen, wir treiben die Digitalisierung in allen wirtschaftlichen Bereichen voran, helfen bei der Umsetzung mit kreativen Methoden des Design Thinking." Als zentrales Vorhaben nennt er das neue "InnovationsHub Kulmbach", eine Plattform für Ideen, wo sich kreative Entrepreneure, Unternehmen und andere Einrichtungen miteinander vernetzen. "Es geht darum, junge Leute her zu uns zu locken, auch und gerade in Verbindungen mit der Universität." Eine Anlaufstelle hat er auch schon im Kopf: ein Gebäude in der Innenstadt, wo sich eine solche "Co-Working-Space" dauerhaft etablieren ließe. "Die Stadt hat dafür Fördergelder bekommen, vielleicht könnten wir für zwei Jahre dort einziehen. Das wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal für eine Stadt wie Kulmbach."

Für solche Entwicklungen brennt der 58-Jährige, wie er sagt. "Man sagt mir nach, ich könne positiv auf Leute wirken und versuchen, einen Konsens zu finden und in die Diskussion einzubringen." Daher hat er sich auch entschlossen, die Kandidatur für die FDP anzunehmen. "Es war für mich keine Option, keinen Vertreter zu haben."

Die politische Konkurrenz definiert er klar. "Die AfD gilt es, demokratisch zu bekämpfen, ohne Frage. Da gibt es für mich keine Schnittmenge." Andere sieht Claus Ehrhardt als "Mitbewerber", unter anderem die Grünen. "Ökologie ist uns Liberalen extrem wichtig - doch anders als die Grünen gehen wir über Anreize und Ideen aus der Wirtschaft und nicht simpel über Verbote."

Deutschland sei voller unbekannter Firmen, die führende Technologien am Start hätten. "Diese Hidden Champions müssen wir fördern, es gibt unglaublich tolle Produkte, mit denen sich Umweltschutz und Ökonomie vereinbaren lassen. Wir brauchen praktikable Lösungen und keine Denkverbote."

Claus Ehrhadt kommt aus einem liberalen Haus, sein Vater, der Architekt war, habe stets politisch gedacht. Dass er selber"richtig politisch aktiv" wurde, das habe sich erst in seiner Wahlheimat Kulmbach ergeben. "Politik ist natürlich Interessenvertretung, gepaart mit dem Aushandeln von Kompromissen. Und das lebt von der Debatte." Insofern habe ihm als Liberalen die monatelange Weigerung der Kanzlerin geärgert, über die Anti-Corona-Maßnahmen im Bundestag zu streiten. "Das ist laut unserer demokratischen Grundordnung der Ort, wo die Debatte auch hingehört."

Familie und Bildung

Seine weiteren Steckenpferde im Wahlkampf: Bildung und Familie. "Wir können es uns nicht leisten, in einem Rohstoff-armen Land junge Leute und deren Ideen zu verlieren. Und Gleichberechtigung kann nur dann umgesetzt werden, wenn Familien durch ein umfassendes Kinderbetreuungsangebot unterstützt werden. Grundlage für mehr Chancengleichheit ist eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf."

Nicht nur hier vermisst er ein klares Signal von Emmi Zeulner (CSU), die erneut das Direktmandat für Kulmbach holen will. "Sie ist emsig und fleißig, kein Zweifel. Aber wo sind ihre Visionen, wo ihre Ziele für eine gerechtere Gesellschaft? Ich komme viel in der Wirtschaft herum - dort vermisst man solche Ansätze sehr."

Steckbrief

Name (Partei):

Claus Ehrhardt (FDP)

Geburtsdatum:

17. Februar 1963

Wohnort:

Kulmbach

Familienstand:

geschieden, 3 Kinder

erlernter Beruf:

Diplom-Kaufmann (univ.)

Hobbies: Reisen, Bergwandern, Oldtimer

Bezahlte Posten außerhalb der Politik:

keine