Dieses vermaledeite Coronavirus: Eigentlich hätten die Dreharbeiten für den Kino-Film über das Leben und Wirken von Fritz Hornschuch schon im vergangenen Jahr beginnen sollen. Aber die Pandemie machte dem Team des Kulmbacher Filmwerks rund um Axel Klawuhn einen Strich durch die Rechnung.

"Deshalb haben wir uns zu Beginn des Jahres dazu entschlossen, die Produktion der Dokumentation über die Unternehmerpersönlichkeit vorzuziehen. Zum einen, weil wir hier sehr umfangreiche Interviews mit teils noch lebenden Zeitzeugen führen", erzählt Axel Klawuhn. Zu ihnen zählt Helga Eichhorn, die als junges Mädchen in der Villa Hornschuch gearbeitet und gelebt hat und Fritz und Minnalotte Hornschuch noch persönlich kennengelernt hatte. Zum anderen seien einige Locations aktuell für einen Spielfilm nicht bespiel- oder drehbar. Damit meint er auch die Hornschuchvilla, an der derzeit umfangreiche Bauarbeiten stattfinden.

Der Schwerpunkt liegt deshalb zunächst auf der TV-Dokumentation über den Unternehmer. Am kommenden Montag werden Bürgermeister Robert Bosch von der Marktgemeinde Mainleus und Bettina Seliger von der Städtebauförderung dafür vor der Kamera stehen. Ein Teil der Interviews wird in der Spinnstube, die von Fritz Hornschuch errichtet wurde, abgedreht, ein Teil im ehemaligen Kesselhaus der Spinnerei Mainleus. "Dabei geht es vorrangig darum, wie die Gemeinde mit dem Erbe Hornschuchs umgeht und darum, was aus der Industriebrache entstehen soll", berichtet Klawuhn.

Am Mittwoch kommt Bezirkstagspräsident Henry Schramm zu Wort, der als junger Mann in der Spinnerei gelernt hat. Weitere Interviews sind geplant. Drehorte sind außerdem das Turbinenhaus der ehemaligen Spinnerei in Kulmbach sowie die Spinnerei und Weberei der ehemaligen Firma Pfau in Crimmitschau (Sachsen), bei denen mit genau den gleichen Maschinen wie einst bei Fritz Hornschuch gearbeitet wurde. Das ist ein Glücksfall für das Filmteam: "Denn in dem Betrieb wurden seit 1905 keine wesentlichen Modernisierungen vorgenommen." Das sorgt für die passenden Bilder.

Zusätzlich werden, wie heute bei Dokumentationen durchaus üblich, einige Szenen mit Schauspielern gedreht, um die Handlungsstränge und Zeitepochen innerhalb des Beitrags zu verknüpfen. Allerdings kommen hierfür andere Schauspieler zum Einsatz als beim Spielfilm. Die Darsteller waren schon im Tatort und in Vorabendserien zu sehen und wurden so ausgewählt, dass sie in Aussehen und Körpergröße den einst real existierenden Personen entsprechen. "Es geht darum, den nachwachsenden Generationen aufzuzeigen, welche Bedeutung die Textilgeschichte Oberfrankens für die gesamte Bevölkerung einst hatte - aufgezeigt am Leben und Wirken Fritz Hornschuchs", gibt Klawuhn als Ziel an.

Die Dreharbeiten für den Kino-Film mussten dagegen wegen Corona etwas nach hinten rücken. Schon allein wegen der täglich erforderlichen Tests, deren Zahl teilweise in die Hunderte gegangen wäre. "Die Kosten zahlt uns keiner", so Klawuhn.

Wer im Kino-Film mitspielen wird, das will er noch nicht verraten. Es soll sich um Schauspieler aus der "A-Liga" handeln. "Die Namen nenne ich, wenn die erste Klappe gefallen ist."

Da die meisten Szenen zwischen 1900 und 1955 spielen, werden alle Darsteller in entsprechende Kostüme gekleidet. Dafür beziehen die Filmemacher für Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Einmarsches der US-Armee in Kulmbach im April 1945 auch entsprechende Uniformen von FTA - dem Kostümverleih in den Bavaria Studios München.

Wer war Fritz Hornschuch?

Fritz Hornschuch wurde am 10. September 1874 in Fürth geboren und wuchs mit elf Geschwistern auf. Er studierte am Staatlichen Technikum für Textilindustrie in Reutlingen. Als 26-Jähriger kam er im Jahre 1900 nach Kulmbach, um in der Spinnerei die Produktivität anzukurbeln. Bereits am 27. März 1903 wurde er zum Vorstand des Unternehmens ernannt. Mit 51 Jahren heiratete er 1925 die Prokuristin Wilhelmine Charlotte Reidl und zog mit ihr in die neu errichtete, prunkvolle Villa Hornschuchhöhe in Mainleus. Die Ehe blieb allerdings kinderlos.

Bemerkenswert war sein soziales Engagement: Bereits 1912 hatte er mit dem Bau von Werkswohnungen begonnen, die Werkssiedlung Hornschuchhausen wurde 1924 fertiggestellt.