Halbzeit an der Lichtenfelser Straße, Zeit für eine erste Bilanz nach vier Tagen Bierwoche am Ausweichstandort auf dem Brauerei-Gelände.

"Das Bierfest ist bislang trotz eines größeren Besucherzuspruchs absolut friedlich", sagt Dominik Salosnig, Dienstellenleiter der Kulmbacher Polizei. "Unsere Strategie, sichtbar Präsenz zu zeigen, funktioniert gut. Wir konnten schon so manches im Keim ersticken."


Vor- und Nachteile des Standorts

Der neue Veranstaltungsort habe aus polizeilicher Sicht Vor- und Nachteile. "Das Gelände ist übersichtlicher und macht es uns dadurch ein wenig leichter", sagt Salosnig, der die Brauerei lobt. "Der Veranstalter wird seiner Aufgabe gerecht und hat viele Sicherheitskräfte im Einsatz."

Es gebe aber auch Nachteile. Die größte Herausforderung für die Kulmbacher Beamten und die unterstützenden Einheiten der Bereitschaftspolizei und der Operativen Ergänzungsdienste Oberfranken: Sie müssen eine viel größere Fläche abdecken. "Gerade in der Zeit, in der sich die ersten Gäste in Richtung Stadtpark oder Obere Stadt verlagern, aber noch viele Menschen im und am Stadel sind, sind wir überall gefordert", berichtet Salosnig.

Schließlich bringe die alkoholgeschwängerte Stimmungslage gerade im Gedränge ein latentes Aggressionspotenzial mit sich. Zudem gelte es, auch die abwandernden Besucherströme zu den Parkflächen und die abstrakte Terrorgefahr im Auge zu behalten.

"Bislang hatten wir mit ein paar betrunkenen Personen zu tun. Es gab aber weder am Festplatz noch in der Stadt größere Delikte", sagt Salosnig, der nach etwas ruhigeren Tagen am Montag und Dienstag zum Wochenende hin noch mit einsatzstärkeren Tagen rechnet.


Großer Besucherzuspruch

Stark ist auch ein gutes Stichwort für den Andrang der Besucher. "Vor allem der Anstich-Samstag war überdurchschnittlich", sagt Michael Schmid von der Brauerei, der zuständig für die Bierfest-Organisation ist. Sein Fazit nach den ersten Tagen am Brauerei-Gelände. "Durch die größere Fläche ist alles etwas entspannter. "

Der neue Festplatz werde angenommen. Michael Schmid: "Der Besucherzuspruch ist sehr gut. Es waren an den Nachmittagen und am Sonntag deutlich mehr Familien unterwegs als sonst." Vor allem für die Außensitzflächen unter den Linden habe man schon viel Lob erhalten.


Außensitzplätze kommen gut an

"Es tut gut, wenn man außen auch mal sitzen kann", sagt der Festorganisator, der sich auch freut, dass man mit dem Wetter bislang noch Glück gehabt habe. "Vor allem am Dienstag, als überall in Oberfranken schwere Unwetter waren, Kulmbach aber nur kurz gestreift wurde."

Der Stimmung im Festzelt tat dies kaum einen Abbruch, der Umsatz war wie an den anderen Tagen gut. Offizielle Verkaufszahlen gibt die Brauerei zwar nicht bekannt, Michael Schmid kennt aber die Stimmungslage. "Festwirte und Bedienungen sind sehr zufrieden."

Doch nicht nur das flüssige Geschäft läuft, auch die Speisen sind bei der Bierwoche 2017 gefragter denn je. "Die Besucher sind zufriedener, müssen nicht mehr im Stehen essen. Es ist einfach angenehmer und großzügiger. Vom Gefühl her wird mehr verkauft", erzählt Jürgen Stübinger, Geschäftsführer der Frankenfarm.

Der Caterer profitiert wohl am meisten vom neuen Standort. "In der Stadt war die Logistik unheimlich schwierig", sagt Stübinger. Die Zufahrt sei beengt gewesen und die Gerichte mussten in der Tiefgarage vorbereitet und mit einem Aufzug nach oben gefahren werden.


Nur Vorteile für Frankenfarm

"Für uns hat der neue Standort nur Vorteile", sagt Stübinger, für dessen Unternehmen 30 Mitarbeiter an der Bierwoche arbeiten und nochmal zehn am Sitz in Himmelkron mit der Extra-Produktion von Fleisch und Wurst beschäftigt sind.

Und was sagt Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), der sich in unserer Dienstagsausgabe klar für eine Rückkehr des Festes auf den Zentralparkplatz ausgesprochen hatte, zur bisherigen Bierwoche?

"Das große Festgelände hat es den Menschen erlaubt, je nach Lust und Laune draußen zu flanieren oder im Zelt mit Freunden zu feiern. Wichtig war auch, dass das Wetter im Großen und Ganzen mitgespielt hat. Vor allem auf dem diesjährigen Gelände ist das die halbe Miete für ein gelungenes Fest."

Verlierer sei indes die Innenstadt. Schramm: "Mit dem Busshuttle der Brauerei haben die Bierfestbesucher eine gute Möglichkeit, das Zentrum zu erreichen. Aber wenn man sich die Frequenz anschaut, wird das Angebot wohl nicht so genutzt, wie wir uns das erhofft haben. Vor allem in den Abendstunden unter der Woche ist es sehr ruhig in der Innenstadt - eigentlich zu ruhig für die Bierwoche im Vergleich zu sonstigen Jahren."