Einen weiten Bogen von Psalmenvertonungen spannte das Psalmenkonzert zur Passionszeit in der Basilika Marienweiher - dargeboten vom St.-Johannes-Chor Trebgast und dem erweiterten Kulmbacher Kammerorchester.


Ausschweifende Melodik

Die ausschweifende Melodik von Felix Mendelssohn Bartholdy liegt dem Kammerorchester sehr, wenn zunächst die Altstimmen die langsam fortschreitende Kantilene des Eingangschors in dessen Vertonung des 42. Psalms anstimmen, der die anderen Chorstimmen dann sukzessive folgen. Dieser Psalm ist (in der genaueren Buber-Übersetzung "Des Chormeisters, eine Eingebungsweise der Korachsöhne"), in modernen Worten, eine Übung, alles Äußerliche zurückzusetzen, nach Innen zu gehen, um die eigene Sehnsucht zu spüren.
"Meine Seele dürsten nach ... wann..." Mendelssohn hat damit eines der schönsten und auch eingängigsten Chorwerke seiner Zeit geschaffen.


Für Laienchöre gedacht

Weitere Psalmen-Vertonungen waren im ersten Teil des Konzerts zu hören - Stücke musikalischer Kleinmeister (Grell, Root, Lützel, Roth, Merkel, Janßen), die man der christlichen Singbewegung zuordnen kann - Musiken, die dem Geschmack der Zeit folgen, der musikalischen Romantik, die, nach Beethoven, etwa ein Menschalter und auch darüber hinaus, umspannen. Sie sind in erster Linie für den Gebrauch durch Laienchöre gehobenen Anspruchs gedacht, eingängig, ohne Ecken und Kanten und einfach schön zu hören.

Dazu Heinrich Schütz' Vertonung nach Psalm 27 für vier Sopranstimmen und Cembalo (Thomas Grünke), die Birgit Muzzolini, Elisa Pachmann, Lisa Stenglein und Ulrike Hahn so recht im Duktus des Frühbarock sangen. Und die beliebte Chormottette "Cantate Domino" nach Psalm 96 des Nürnberger Komponisten und Uhrmachers Hans Leo Hassler.

Einiges vorgenommen hatte sich das Kulmbacher Kammerorchester mit der zweiten Orchestersuite von Johann Sebastian Bach. Nach viel breiter romantischer Melodik den plötzlichen Sprung in eine barocke Tanzsuite zu finden, gelingt eigentlich nur routinierten Profis. Das Kammerorchester schaffte es annähernd, ließ aber der Solistin (Renate Palder, Flöte) wenig akustischen Raum, den man ihr im letzten Satz, der, für die Flöte spielerisch recht anspruchvollen und rasanten, Badinerie dann doch noch ließ.

Der weite Bogen des Konzerts von Mendelssohn bis Bach war von der Programmgestaltung her sehr geschickt angelegt. War es doch Mendelssohn, etwa 60 Jahre nach Bachs Tod geboren, dessen musikhistorisches Verdienst es ist, Bach aus der damaligen Vergessenheit zu holen und so dem vielleicht bedeutendsten Musiker der bisherigen Musikgeschichte dem ihm gebührenden Platz zu verschaffen.

Im zweiten Teil dann Bachs Johannespassion - in einer exquisiten verknappten Fassung. Die Turbachöre und meditativen Arien wurden ausgelassen und sämtliche Rezitative gesprochen (Stefan Gröger). Chor und Orchester ließen lediglich die elf Choräle der Passion - Momente zum Nachdenken - hören.


Deutliche Gestik und Mimik

Thomas Grünke führt Orchester und Chor mit deutlicher Gestik und Mimik, auf die vor allem der Chor gut eingestellt ist. Mit der jetzt zweijährigen Zusammenarbeit des Trebgaster Kantors mit dem Kulmbacher Kammerorchesters, dazu die bereits lange Jahre geübte Arbeit mit dem Trebgaster Chor, wird sich womöglich ein festes Ensemble für Oratorien und dergleichen institutionalisieren.

Die Aufführung wurde vom Förderkreis für Kirchenmusik Trebgast unterstützt.