Eine neue Sprache lernen? Mit Yoga dem Körper etwas Gutes tun? Berufliche Kompetenzen erwerben, oder doch lieber lernen, wie man vegan kocht? Das Angebot der Kulmbacher Volkshochschule ist vielseitig. Auch in Pandemiezeiten sollen Interessierte Kurse buchen können, doch das ist nicht ganz einfach. "Viele Kunden sagen, sie seien schon den ganzen Tag am Laptop, da wollen sie am Abend nicht auch noch Online-Kurse besuchen", erklärt Maria Schabdach, Leiterin der städtischen VHS. Fünf Kurse laufen derzeit virtuell, darunter einer für Gebärdensprache.

"Natürlich wäre Präsenz besser"

"Das funktioniert ganz gut", sagt Kursteilnehmerin Kathleen Eber. Sie hat sich schon länger dafür interessiert und sich spontan angemeldet, als sie über die Zeitung über freie Kursplätze erfuhr. "Natürlich wäre Präsenz besser, aber die Nutzung der VHS-Cloud ist wirklich super einfach und bietet viele Möglichkeiten."

Die 23-Jährige hat keine Berührungsängste, wenn es um neue Medien gehe, aber auch die anderen Kursteilnehmer hätten sich schnell zurechtgefunden. "Unsere Kursleiterin spricht selbst nicht, wir lernen über Präsentationen, Chat und natürlich Video." Es sei zwar nicht das gleiche, aber auch online könne ein solcher Kurs sehr gesellschaftlich sein. "Ich freue mich jede Woche auf den Austausch, darauf, mal rauszukommen aus der ganzen Corona-Thematik."

"Die Leute wollen sich treffen"

Der gesellschaftliche Aspekt sei ein weiterer Punkt, weshalb das Online-Angebot der VHS Kulmbach bislang noch keinen starken Anklang finden konnte, meint Maria Schabdach. "Die Leute wollen sich treffen, die VHS verbindet", bestätigt auch Lucilla Heinisch-Iannicca, seit gut 30 Jahren Dozentin für Italienisch an der VHS.

Das Onlineangebot funktioniert ihrer Meinung nach bei Jüngeren wohl ganz gut, aber ab 40 aufwärts eher weniger. "Ich habe viele Kursteilnehmer, die seit Jahren zu mir kommen. Oft sind wir nach den Kursen abends noch zusammen ausgegangen, da ist jetzt ein Loch entstanden." Ist die Volkshochschule also in erster Linie als soziales Sammelbecken zu sehen und die Bildung steht an zweiter Stelle? "Nein", findet Lucilla Heinisch. Aber: "Die Menschen kommen in die VHS, um ohne Druck zu lernen, den haben sie im Alltag genug. Sie wollen Spaß haben und sich in der Klasse wohlfühlen." Dennoch konnte sie bereits zwei Zertifikatskurse durchführen, die alle Teilnehmer bestanden.

Interesse ist ungebrochen

Sogar Reisen hat die Italienisch-Dozentin, die gebürtig aus den Abruzzen stammt, mit ihren Kursteilnehmern unternommen, acht an der Zahl - von Piemont bis nach Sizilien. "Das Interesse an der italienischen Sprache ist ungebrochen, auch wenn es in den 90er Jahren noch viel stärker war."

Es sei die Liebe zur Sprache und zu Italien, die Menschen in ihre Kurse führe, und auch sie habe viel von ihren Teilnehmern gelernt. "Es sind sogar Freundschaften entstanden."

Jetzt hofft Maria Schabdach, dass noch viel mehr Interessenten die Scheu vor einer Online-Veranstaltung abbauen. "Wir könnten auch Yoga online anbieten, aber davon waren die meisten bislang nicht begeistert." Noch im Juni könnte man mit neuen Onlinekursen beginnen, die aktuell laufenden Kurse Budo, Zeichnen, Russisch oder Gebärdensprache zeigen, dass es funktionieren kann. "Wir haben jetzt sogar Ayurveda im Angebot", ergänzt die VHS-Leiterin, die immer auf der Suche nach neuen Kursideen und Dozenten ist.

Hoffen auf den Sommer

Natürlich gelte es, alle Kursteilnehmer abzuholen, auch die über 80-Jährigen, die zum Beispiel an Sprachkursen teilnehmen, um ihr Gehirn fit zu halten. "Aber wir wollen auch gezielt junge Menschen über die sozialen Medien ansprechen, denn bei uns kann man Dinge lernen und Kompetenzen in Bereichen erwerben, die man nicht unbedingt in der Schule lernt." Für Dozenten und Teilnehmer gleichermaßen tut es Maria Schabdach darüber hinaus sehr leid, dass die VHS-Kurse nicht wie gewohnt stattfinden können. "Wir hoffen, dass es ab dem nächsten Semester wieder besser wird."

2020 konnten zwar nur ein paar wenige Kurse stattfinden, jedoch blieben die Kosten für die Stadt Kulmbach als Träger der VHS im Rahmen. "Wir haben staatliche Förderungen aus einem Rettungsschirm für Volkshochschulen in Anspruch genommen, dadurch blieb das Niveau der Einnahmen relativ stabil", erklärt Jonas Gleich, Pressesprecher der Stadt. Kurse fänden darüber hinaus auch nur statt, wenn es genügend Anmeldungen gebe. "Für 2021 allerdings ist noch kein staatliches Förderprogramm vorgesehen." Da könnte es dann tatsächlich ganz anders aussehen.