GE - zwei weich geschwungene Großbuchstaben sind ihr Markenzeichen, ihre Initialen. Gerda Eichner stellt Modeschmuck her, made in Untersteinach. Nicht das billige Plastikzeug, das im ersten Augenblick viel hermacht, auffällt und nach einem Abend in einer Ecke liegen bleibt oder auf ewig in einer Schachtel verschwindet.
Gerda Eichner komponiert Farben und Formen. Sie verwendet dazu so genannte Rocailles. Und sie gibt sich eine einzige Vorgabe: Nichts darf es zweimal geben. Alles Unikate.

Schon als Kind, so erinnert sich die Untersteinacherin, drängte es sie fast automatisch, Perlen und alles Passende, was ihr in die Quere kam, aufzufädeln und umzuhängen.


Die alte Leidenschaft


Als sie vor einigen Jahren zufällig eine kleine Kollektion von Perlen fand, überkam sie einfach die alte Leidenschaft wieder. Doch jetzt interessierte sie das Metier genauer.
Mit Plastikkugeln auf eine Schnur reihen wollte sie zumindest nichts zu tun haben. Die sehen auf den ersten Blick vielleicht ganz nett aus, werden in kurzer Zeit aber entweder matt oder brüchig.

Aber Glasperlen sind nicht gleich Glasperlen. Zumindest: Die edelsten kommen aus Nordböhmen. Traditionell werden sie in größeren Produktionsstätten etwa eine Autostunde nördlich von Prag sowie vor allem in kleinen Manufakturen hergestellt und in der ganzen Welt vertrieben. Ein spezielles Museum gibt es in Jablonec nad Nisou.


Wachs und Austernmuscheln


Über Jahrhunderte wurden raffinierte Produktionsverfahren entwickelt. Wachsperlen zum Beispiel bestehen aus kleinen, zarten und hohlen Glaskügelchen, an denen von innen Farbstoffe angebracht werden. Der verbleibende Hohlraum wird mit Wachs ausgegossen. Kompositperlen sind gedrechselte polierte Perlmuttkugeln. Der Kern von Ciro-Perlen besteht aus Austernmuscheln.

Besonders vielfältig in Formen und Farben sind Perlen, die aus Glas angefertigt wurden - zum Teil in geheim gehaltenen Verfahren. Und es gibt sogar Perlen, die von Hand aus Kristallglas geschliffen sind - genauso wie echte Diamanten.

Bis zwei Millimeter winzig sind die edlen Stücke, die Gerda Eichner zu einfachen bis voluminöseren Ketten kombiniert. Dabei plant sie nur zum Teil bewusst. Manche Farben harmonieren besonders gut. Aber auch im Kontrast kann ein optischer Reiz entstehen.

Vielleicht hat es etwas mit der augenblicklichen Stimmung zu tun, ob gerade eine weiche harmonische Komposition entsteht oder eine kontrastreiche. Oder sie denkt gerade daran, dass sie eine Kette zu einem bestimmten Anlass machen wird. Im Grunde arbeitet Gerda Eichner intuitiv. Was am Ende heraus kommt, das wird sich schon zeigen.


Mit heißer Spezialnadel "gestrickt"


Zum Aufreihen gibt es Spezialnadeln, englisch Big-Eye-Nadeln. Das sind dünne, flexible, etwa zehn Zentimeter lange Nadeln, die in der Mitte gespalten sind, so dass man sie zu einer langen Öse (wie ein großes Auge) öffnen kann, um die Schnur zum Aufreihen durchzuführen.

Gerda Eigner verwendet zum Aufreihen allerdings reißfesten Gummi. Der ist stabil, sicher und doch flexibel. Und: Gerda Eichner schwört auf Magnetverschlüsse. Die sind einfach zu handhaben, schließen bombensicher. Gefummle mit Haken, Ösen und Mini-Schraubverschlüssen sind von gestern.


Keine Lust auf Geschäft


Nein, geschäftlich macht sie das alles nicht. Anfangs war es für sie selbst. Dann verschenkte sie das eine und andere Stück. Und so sprach es sich mit der Zeit herum, dass die schöne Schmuckstücke mache. Dass sie ihre Stücke auch mal anbieten solle, diese Idee wurde bei einem abendlich Treffen mit Bekannten geboren.

Doch nach 40 Jahren Arbeit in einer Kulmbacher Bank hatte sie keine Lust mehr auf Geschäft. "Wenn jemand ein bestimmtes Stück haben möchte, dann freut es mich natürlich, aber darauf bin ich nicht aus."

Dennoch hat ihr ihr Sohn Stefan eine umfangreiche Homepage erstellt, das hat er schließlich professionell gelernt. Trotzdem will Gerda Eichner ihre Leidenschaft nicht zum Geschäft machen. "Für einen Kettenstrang brauche ich so vier Stunden. Und eine Kette von mir hat meist acht Stränge. Der Aufwand kann so oder so nicht bezahlt werden."