Der Pfarrer hat den Hut auf, also besser den Helm. Für Hermann Thamm, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in der Blaich, gehört in diesen Tagen nicht nur der Talar zur Amtstracht, sondern auch ein wenig der blaue Bauhelm, den er oben auf seinem Regal im Büro griffbereit lagert. Thamm freut sich über den Dreck vor seiner Haustür des Pfarrhauses an der Hagleite. Ist dieser doch das sichtbare Zeichen dafür, dass das Gemeindehaus an der Auferstehungskirche endlich gebaut wird.


Grundstücke verkauft

Neben dem Pfarrhaus baggern Arbeiter den halben Hang weg, doch das ist nicht die Baustelle, um die es geht. Thamms Baustelle ist unterhalb des Pfarrhauses neben der Auferstehungskirche. Die Baustelle neben dem Pfarrhaus ist privat - und doch haben die Arbeiten auch mit dem Gemeindehausbau zu tun. Das Grundstück hat nämlich früher der Kirchengemeinde gehört.
Genau wie das Mesnerhaus an der Hagleite 31 und ein weiteres Grundstück daneben. Das hat die Kirche alles verkauft, damit das Gemeindehaus entstehen kann.


Finanzierung ist geklärt

1,2 Millionen Euro kostet der Bau. Ein Drittel davon, also 407.000 Euro, bezahlt die Evangelische Landeskirche, den Rest muss die Gemeinde aufbringen. Doch, wo die Gelder herbekommen? Ohne vernünftigen Finanzierungsplan gibt die Landeskirche kein grünes Licht. Deshalb der Verkauf: "Die Grundstücke waren seit Jahrzehnten totes Kapital", sagt Thamm. Ein paar Rücklagen waren noch da, außerdem nimmt die Gemeinde ein landeskirchliches Darlehen über 100.000 Euro auf. Über bleiben 50.000 Euro, die noch zu finanzieren sind.

Über Spenden, die das Fundraising Team der Gemeinde über verschiedene Aktionen sammeln will. In einigen Geschäften der Gemeinde stehen Spardosen auf dem Tresen. Die Kirche bittet um eine kleine Unterstützung für den Bau. So läuft das, wenn man ein größeres Vorhaben plant.

Vor zwei Wochen war Spatenstich. Hermann Thamm hatte da auch wieder Helm und Talar an. Der Hang hinter ihm war noch unversehrt. Inzwischen klafft an der Auffahrt hoch zur Auferstehungskirche ein brauner Abgrund. Bauzäune grenzen das Areal ab. Um die Kirche wird gerade eine Drainage gezogen. Die Wand zum Altar war ständig feucht, das wird nun im Rahmen der Maßnahmen auch erledigt.

Die alte Treppe entlang der halbrunden Kirche ist weggerissen. Hier wird später die Wand durchgebrochen, damit das Gemeindehaus behindertengerecht über die Kirche und andersherum betreten werden. "Die Herausforderung war, wo wir das Haus überhaupt hinstellen", erklärt Architekt Matthias Schmidt. Die Kirche habe nun mal eine sehr exponierte Lage am Hang. Zunächst habe man deshalb darüber nachgedacht, das Gebäude unabhängig von der Kirche zu bauen. Doch: "Da die Mitglieder immer älter werden, hat es sich ergeben, das Gemeindehaus an die Kirche anzugliedern", sagt Schmidt. Gehbehinderte und ältere Menschen sollen zukünftig per Aufzug auf alle Ebenen gelangen können. Das war bisher nicht der Fall, auch der Gemeindesaal in der Kirche konnte nur über eine Treppe erreicht werden.


Engpässe bei den Toiletten

Seit 1955 gibt es nun die Gemeinde, so alt ist auch die Auferstehungskirche"Wir hatten bis jetzt kein Gemeindehaus", sagt Pfarrer Thamm. Raumnot war schon immer da. Die Jugend hat sich bisher im Kindergarten nebenan getroffen. Die Senioren im Gemeindesaal unten in der Kirche. Es sei umso schöner, dass nun alle Gruppen in einem Gebäude Platz finden. Eine Küche wird im Gebäude eingerichtet, zusätzlich gibt es Platz für 45 Personen und im Jugendraum darüber rund 20. Die oberste Ebene ist plan zum Haupteingang der Kirche.

Neue Toiletten werden auch installiert. Die alten in der Kirche werden abgeschaltet, sobald in ein paar Tagen die Pfahlmauer für den Bau in den Hang gestochen wird. Dann heißt es: Warten bis die Bauarbeiten im März 2014 beendet sind. "Ein Jahr ohne Toiletten, das wird interessant", scherzt Thamm.