Mit Stolz hält Günter Limmer das Buch "100 ausgezeichnete Gasthäuser in Bayern" aus dem Volk-Verlag in den Händen. Mit seinem Restaurant Hagleite hat es der 77-Jährige in das Buch geschafft. Mehr als 300 Gasthäuser hatten sich beworben.
Was Limmer besonders stolz macht, ist, dass er als einziges Gasthaus in Kulmbach in dem Buch erwähnt ist. Nur acht oberfränkische Restaurants sind dabei - das Hotel Lohmühle in Bayreuth, der Gasthof Drei Linden in Obertrubach-Bärnfels, das Hotel Krone in Gößweinstein, der Stempferhof in Gößweinstein, die Brennerei und der Gasthof Sponsel aus Kirchehrenbach, der Landgasthof Lahner aus Heiligenstadt und das Gasthaus-Hotel Wurm in Hirschaid-Röbersdorf.
"Man konnte sich bewerben, musste dann aber auch die Qualität unter Beweis stellen", erzählt Limmer.
Speisekarte, Auswahl, Gestaltung, Qualität und Regionalität, aber auch die hygienischen Bedingungen wurden unter die Lupe genommen.


Testesser kamen inkognito

Noch haargenau erinnert sich der 77-Jährige daran, wie die Testesser in der Hagleite zu Gast waren - natürlich ohne Ankündigung, inkognito. "Einer hat Rehfilet mit hausgemachten Spätzle und Preiselbeeren und Gemüsegarnitur bestellt", erzählt Limmer. Der zweite Test-esser hat sich durch Limmers "Sinfonie der Lust" - das sind Schweinemedaillons überbacken mit Williamsbirne und Blauschimmelkäse, mit Honig-Pfeffersauce und Kartoffelkroketten - verzaubern lasen.
Eigentlich ist Günter Limmer nur noch der "Dirigent" in der Hagleite - sagt der Wirt mit Leib und Seele selbst. "Meine Frau Hannelore (75) steht in der Küche und kocht." Unterstützt wird sie durch vier weitere Kräfte in der Küche und durch drei Bedienungen.
In dem Buch sind einige typische Hagleiten-Gerichte erwähnt. "Die Hagleitner Spezialitäten vom Grill lassen dabei das Herz eines jeden Fleischliebhabers höher schlagen - zum Beispiel ,Evas Verlockung‘, zarte Schweinemedaillons an Calvadossoße. Auch der ,Feuerspieß‘, den schon Thomas Gottschalk in jungen Jahren gegessen hat, ist ein Renner", beschreibt das Buch die typischen Hagleiten-Spezialitäten.
Und noch eine Empfehlung haben die Buchautoren parat: eine Bierprobe in der Hagleite. "Nach einer Verkostung einiger süffiger Tropfen wird ein Fass Pils angezapft - vom Gast höchstpersönlich. Und wenn dieser sein Können beweist, bekommt er die Schürze des Wirtes überreicht."
"Jetzt kommt wieder die Karpfenzeit. Wir haben unsere Karpfen aus dem Obermaingebiet, außerdem gibt es jetzt Reh, das auf der Kirchleuser Platte erlegt worden ist", erklärt Hagleiten-Wirt Günter Limmer sein regionales Konzept. Mehrmals im Jahr ändert er die Karte, immer passt er die Gerichte saisonal an. Und als Extra-Spazialität hat er auch "Gans to go" - also fertige Gans mit Klößen und allem drum und dran zum Mitnehmen.
Auch mit 77 Jahren denkt Limmer noch nicht ans Aufhören. "Mein Traumberuf war ja eigentlich Schreibmaschinenmechaniker", erzählt er. Doch jetzt ist er mit ganzer Seele Gastronom. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ich von oben runter schaue - wir wohnen ja oben über der Wirtschaft - und unten macht jemand anders die Wirtschaft", sagt Limmer. Trotzdem sucht er natürlich langfristig einen Nachfolger. Aber es sollte eben jemand sein, der die Hagleite im Sinne Limmers weiterführt.
"Mein Motto ist: Der Mund muss Augen machen", fasst Günter Limmer sein ganz persönliches Erfolgsrezept zusammen. Und das schönste Kompliment für den Gastronomen ist es, wenn sich der Gast genießerisch zurücklehnt und einfach sagt "Gut war's!".