Eine weitreichende Entscheidung trafen die Gemeinderäte Kasendorf am Mittwochabend: In der aktuellen Legislaturperiode sollen keine weiteren Freiflächen-Photovoltaikanlagen im Gemeindegebiet genehmigt werden.

Energie aus der Sonne zu gewinnen, ist umweltfreundlich. Doch während die meisten Menschen nichts gegen Photovoltaikanlagen auf Dächern einzuwenden haben, sind sie auf Freiflächen umstritten. Immer wieder untersagen auch Kommunen Freiflächen-Photovoltaikanlagen aus grundsätzlichen Erwägungen.

Das Gesetz für erneuerbare Energien lässt allerdings in sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten solche Solarparks ausdrücklich wieder zu. In solchen Gegenden - große Teile Oberfrankens gehören dazu - können auf Acker- und Grünland bis zu zehn Megawatt-Peak-Anlagen gebaut werden.

Gleich drei Bewerber

Gleich drei Solar-Firmen wollten solche Freiflächen-Anlagen auf dem Gebiet des Marktes Kasendorf errichten. Sechs Standorte stehen zur Wahl, insgesamt 80 Hektar zur Disposition, erklärte Verwaltungsleiter Herbert Schmidt. Konkret geht es um Flächen zwischen Krumme Fohre und Döllnitz, bei Heubsch, bei Neudorf, bei Reuth und in Azendorf. Es müsse genau überlegt werden, inwieweit diese Flächen zur Verfügung gestellt werden könnten, meinte Schmidt.

Der Markt Kasendorf verbraucht jährlich 23 Millionen Kilowattstunden Energie, aber 33,8 Millionen werden schon aus erneuerbaren Energien erzeugt, auch mit den beiden PV-Anlagen zwischen Krumme Fohre und Heubsch sowie bei Zultenberg.

Lange Diskussion

Nach ausführlicher Diskussion kamen die Räte überein, dass weitere Parks vor diesem Hintergrund nicht wünschenswert sind. "Wir müssen dem Flächenfraß Einhalt gebieten", machte Michael Otte (FDP) klar. "Je mehr solcher Anlagen wir zulassen, desto mehr verbauen wir uns", sagte Martina Hollweg (CSU/Offene Liste). Jörg Hargens (CSU/Offene Liste) gab zu bedenken, dass es immer mehr Landwirtschaft ge gebe, die auf den verbliebenen Feldern ebenfalls keine Nahrungsmittel mehr erzeugen. Deshalb dürften nicht noch mehr Ackerflächen verloren gehen.

Rainer Macht (CSU/Offene Liste) befürchtete eine Spaltung der Dörfer. Die Solaranlagenbetreiber gingen "aggressiv" vor. "Wenn wir jetzt eine Fläche genehmigen, entsteht Unfrieden im Dorf", so Macht. Bürgermeister Norbert Groß (CSU/Offene Liste) machte klar, dass eine Fläche mit dem Abbaugebiet der Firma Franken-Maxit kollidiere. "Kasendorf hat in Sachen erneuerbare Energien seine Hausaufgaben gemacht", meinte er und betonte, dass es noch ein großes Potenzial an freien Dachflächen gibt. Schließlich schob der Gemeinderat weiteren Freiflächenanlagen einen Riegel vor. Der Beschluss gilt für die gesamte sechsjährige Ligislaturperiode.

Ladestation liegt auf Eis

Ebenfalls aufgeschoben werden muss die Errichtung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Zwar hat der Markt Kasendorf eine Förderzusage für die Errichtung solcher Ladesäulen erhalten, doch müssten mit der Firma N-Ergie komplizierte Verträge geschlossen werden. Die Räte beschlossen, die Aufstellung so lange aufzuschieben bis die Firma N-Ergie selbst eine Förderzusage erhält. Dies könne ein halbes oder dreiviertel Jahr dauern, so Groß. Unberührt von diesem Beschluss ist die Errichtung einer Ladestation für E-Bikes.