Bei Schrutka-Peukert ist man erfinderisch. So hat es das Unternehmen in der E.-C.-Baumann-Straße zum Marktführer für High-Tech-Ladeneinrichtungen gebracht. Qualität aus Kulmbach ist bei Bäckern, Metzgern und Gastronomen in Deutschland und im benachbarten Ausland oder bei Weltfirmen wie Daimler-Benz und Audi gefragt.

Für den Bau von Wärme- und Kältetheken und von ganzen Gasthaus- oder Kantineneinrichtungen werden Spezialisten gebraucht, vor allem Schreiner, Schlosser und Elektriker, die Schrutka-Peukert am liebsten selbst ausbildet. Aber Lehrlinge sind Mangelware. Doch auch hier lässt man sich etwas Besonderes einfallen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Winfried Groß. Wie sind Sie durch die Corona-Krise gekommen?

Winfried Groß: Der Überraschungseffekt war größer als der wirtschaftliche Schaden. Anfangs wussten die Leute nicht, wohin die Reise geht. Große Verunsicherung stand im Raum. Man musste sich gedanklich sortieren. Als diese Phase abgeschlossen war, sind wieder Aufträge gekommen. Im Mai und Juni hatten wir einen sehr hohen Auftragseingang - sogar mehr als im Jahresvergleich. Wer lässt High-Tech-Ladeneinrichtungen bei Schrutka-Peukert in Kulmbach fertigen?

Unsere Kunden lieben Qualität: Metzger, Bäcker und Gastronomen aus ganz Deutschland und dem umliegenden Ausland wie Südtirol, Schweiz, Belgien oder Luxemburg. Coronabedingt fiel Geschäft weg, weil die Gastronomie oder Bäckerei-Cafés nicht öffnen durften. Aber unser Vorteil ist, dass wir breit aufgestellt sind und Verluste durch andere Bereiche aufgefangen werden konnten. Gab es bei Ihnen Kurzarbeit oder Entlassungen?

Wir waren insgesamt gut ausgelastet. Nur in der ersten Phase war teilweise die Auslieferung schwierig. Wir konnten zum Beispiel nicht nach Luxemburg oder St. Petersburg fahren, weil ein Einreisestopp galt. Am Anfang - in der Sondierungsphase - hatten wir aber Kurzarbeit. Und wir sind auch nicht ganz ohne Entlassungen ausgekommen, weil wir uns strukturell für die Zukunft neu aufstellen mussten. Setzte sich heuer der Aufschwung der letzten Jahre trotzdem fort?

Ja, das kann man sagen. Wir haben jetzt auch schon wieder Leute eingestellt. Wir verzeichnen insgesamt ein kontinuierliches Wachstum. Vor vier oder fünf Jahren hatten wir 60 Mitarbeiter. Jetzt sind es etwa 90 Beschäftigte, davon fünf Lehrlinge in den Bereichen Metallbau, Elektrotechnik, Schreinerei und Industriekaufleute. Für uns ist es sehr wichtig, unseren Nachwuchs selbst auszubilden. Weil wir nicht nur Wissen in einem spezifischen Berufsfeld vermitteln, sondern unsere Leute übergreifende Kenntnisse brauchen. Der Schreiner muss wissen, was der Metallbauer macht - und umgekehrt. Man hört heraus, dass Sie stolz auf Ihren Nachwuchs sind.

Ja, wir haben viele gute Lehrlinge. Aktuell sind wir besonders stolz auf Leon Beyer aus Mainleus, der seine Schreinerausbildung mit einem meisterlichen Gesellenstück abgeschlossen hat. Sein Sideboard ist vom handwerklichen Anspruch und Design ausgesprochen gut umgesetzt. Er hat auch neue Werkstoffe ausprobiert und Epoxidharz bei der Arbeitsplatte eingesetzt. Das begeistert auch mich als Chef, und es freut mich natürlich, dass Leon bei uns bleibt. Wie leicht oder schwer ist es, Lehrlinge zu finden?

Es ist schon eine Herausforderung, entsprechende Auszubildende zu bekommen. Unter anderem, weil es nicht mehr modern ist, ein Handwerk zu lernen. Das spüren alle Innungen und auch die Berufsschulen. Bei den Schreinern kämpft die Hans-Wilsdorf-Schule jedes Jahr darum, ihre Klasse zu behalten.

Warum interessieren sich so wenige junge Leute für einen Handwerksberuf?

Das Handwerk war viele Jahre nicht cool. Aber langsam tritt ein Imagewandel ein. Die Leute besinnen sich darauf, wieder mit ehrlicher Handarbeit ihr Geld zu verdienen. Zum Beispiel sehen die Schreiner, dass es interessant ist und Spaß macht, mit dem Werkstoff Holz zu arbeiten. Es ist ein gutes Gefühl, abends zu sehen, was man am Tag geschafft hat. Was wollen Sie gegen den Nachwuchsmangel tun?

Unser Ziel ist es, junge Leute für unsere Berufe zu begeistern. Wir haben intern viel diskutiert und uns entschieden, unseren Lehrlingen als Anerkennung für die Ausbildung den Pkw-Führerschein zu bezahlen. Wir wollen die Auszubildenden nicht kaufen, sondern wir wollen sie für die Handwerksberufe begeistern und wollen sie fördern. Aber die Nachwuchssuche läuft bei uns nicht eindimensional. Wir tun schon lange etwas. Wir haben zum Beispiel beim Projekt der Berufsschule mitgemacht, in einem Oldtimer-Wohnwagen ein mobiles Café einzurichten. Unsere Lehrlinge haben die Innenreinrichtung angefertigt und eingebaut. Ausbildung heißt bei uns lernen, mitdenken und eigene Ideen einbringen. Auf das übergreifende Denken und Arbeiten kommt es an. Glauben Sie, dass Ihr Beispiel Schule machen wird?

Ich hoffe es fast. Im Grund müssten alle Handwerksbetriebe dieses Thema angehen, weil jeder Mitarbeiter braucht, die etwas schaffen und etwas aufbauen. Der Mittelstand, das Handwerk - das zeichnet doch die deutsche Wirtschaft aus. Das Gespräch führte Stephan Tiroch.