Es ist geschafft: Am Samstag, kurz nach 14 Uhr, hat die Familie Konovalov, die (wie berichtet) in der Nacht zum Freitag aus der von den Russen bombardierten ostukrainischen Hafenstadt Mariupol geflüchtet ist, die moldawische Grenze passiert. Viele Hundert Kilometer Fahrt und eine nervenaufreibende Nacht, bei der die Trennung der Familie drohte, lagen da hinter Roman Konovalov, seiner Frau und den drei Kindern (3, 9 und 15), denen es dann doch geglückt ist: Sie sind dem Krieg in ihrer Heimat Ukraine entflohen.

"Ich danke Gott"

"Ich danke Gott", sagte der 38-jährige Roman Konovalov, nachdem lange Zeit nicht feststand, ob er zusammen mit seiner Familie nach Moldawien ausreisen kann. Denn der ukrainische Präsident Selenskyj hatte am Freitag die Mobilmachung angeordnet. Alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren müssen sich demnach für den Kampf gegen Putins Armee einsatzbereit halten. Tausende Männer, die mit ihren Frauen und Kindern aus der Ukraine flüchten wollten, wurde von der Armee an der Grenze aufgehalten.

Die Nacht im Auto

Ein Schicksal, das auch Roman Konovalov gedroht hat. Samstagnacht um 1 Uhr startete die Familie den ersten Versuch, die Grenze nach Moldawien zu überfahren. "Die Soldaten haben mich nicht ausreisen lassen. Marina und die drei Kinder hätten nach Moldawien gekonnt, ich hätte in der Ukraine bleiben müssen", berichtet Roman Konovalov. "Mir hätte das Herz geblutet", sagt der 38-Jährige, der mit dem Auto den Rückwärtsgang eingelegt hat und in ein nahegelegenes ukrainisches Dorf gefahren ist. "Dort haben wir im Auto übernachtet."

Der zweite Versuch

Samstagmittag hat es die Familie dann ein zweites Mal versucht - an einer anderen Grenzstation. Als uns von dort ein Anruf von Roman Konovalov erreicht, ist er hoffnungsvoll, denn Minuten zuvor hat er die Nachricht erhalten, dass Männer, die drei Kinder haben, ebenso wie Schwerkranke doch ausreisen dürfen. "Das ist ein Wunder von Gott", betonte der Ukrainer, der in einer langen Autoschlange vor der Grenze stand. Um 14.20 Uhr war es geschafft. Die Familie konnte jubeln. "Wir sind in Moldawien", sagte Roman Konovalov am Telefon.

Weiter Richtung Deutschland

Von der moldawischen Grenze aus ging es gestern dann weiter Richtung Rumänen und Ungarn, um schließlich über Österreich nach Deutschland zu gelangen. Wohin die Familie in der Bundesrepublik will? "Ich weiß es immer noch nicht", sagte Roman Konovalov, der anführte: "Entweder fahren wir zu einem guten Freund nach Forchheim oder wir kehren nach Rugendorf zurück." Dort hatte die Familie über fünf Jahre gelebt, ehe sie im Jahr 2020 nach der Ablehnung des Asylantrags wieder in die Ukraine zurückkehren musste.

Angst um die Eltern und den Bruder

Roman Konovalov, seine Frau Marina und die drei Kinder sind in Freiheit, bangen aber um weitere Familienmitglieder, die noch in Mariupol sind und dort um ihr Leben fürchten müssen. Roman Konovalovs Vater und Bruder sowie die Eltern seiner Frau Marina sind in der umkämpften Hafenstadt am Asowschen Meer geblieben, in der seit Kriegsbeginn viele Häuser zerstört worden sind, in der es auch viele zivile Todesopfer gegeben hat. "Wir telefonieren mit ihnen. Sie haben große Angst. Sie suchen in ihren Häusern Schutz im Keller", sagt Roman Konovalov, der nicht weiß, ob er seine Familienangehörigen je wiedersehen wird.