Frauenarzt Michael Zrenner hat seine Praxis in der Kronacher Straße aus Altersgründen geschlossen. Einen Nachfolger hat der alteingesessene Gynäkologe nicht gefunden. Ob die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), wie es in Kulmbach heißt, einer potenziellen Nachfolgerin die Praxis-Übernahme madig gemacht hat? Zrenner wollte sich dazu nicht äußern. Die KVB weist den Vorwurf zurück.

Fest steht: Die Zrenner-Patientinnen müssen sich einen neuen Arzt ihres Vertrauens suchen - und die Suche ist alles andere als einfach. "Ich weiß noch nicht, in welche Praxis ich gehen werde", sagt Karola Joachim aus Alladorf, die viele Jahre bei Michael Zrenner war, und betont, dass gerade im Bereich der Gynäkologie die Chemie zwischen Patientin und Mediziner stimmen muss.


Die Situation ist angespannt

Wer sich einen Frauenarzt in Kulmbach suchen und einen Termin für eine
Vorsorgeuntersuchung ausmachen will, hat es nicht leicht, denn: In den drei übriggebliebenen Praxen sind die Terminkalender voll. Frauenärztin Olena Androsova vergibt Termine an Neupatienten erst für Anfang 2017, ihre Kollegin Heidi Parchent hat derzeit keine Kapazitäten mehr frei, ebenso die Praxisgemeinschaft Hanna/Bernd Roßberg und Bärbel Geisler. Wie Bernd Roßberg mitteilt, werden Krebspatienten, Schwangere und Notfälle "aber natürlich behandelt".


Droht eine Unterversorgung?

Ist die frauenärztliche Versorgung im Landkreis gefährdet? Der Versorgungsgrad lag im Februar bei 99 Prozent, wie KVB-Pressesprecherin Birgit Grain mitteilt. Ein Kassensitz sei zu der Zeit unbesetzt gewesen - mit der Praxisaufgabe von Michael Zrenner wird also ein zweiter frei. "Es gibt aber keine drohende Unterversorgung", stellt Grain fest. In Kulmbach wird jedoch angesichts der angespannten Situation über die Einführung eines Medizinisches Versorgungszentrums (MVZ) spekuliert, wie es etwa im Fachbereich Orthopädie bereits am Klinikum angedockt ist. Von der Vorstellung, ein solches gynäkologisches Zentrum aufzusuchen, sind beileibe aber nicht alle Frauen begeistert. "Ich hätte mir gewünscht, dass es in der Praxis Zrenner eine Nachfolgeregelung gibt. Dass ich in ein MVZ gehe, könnte ich mir nur vorstellen, wenn ich dort immer zum selben Arzt kann", sagt etwa die Kulmbacherin Monika Eber, die noch nicht weiß, wo sie künftig ihre Vorsorgetermine wahrnehmen wird.


Das sagt die KVB

Eine wohnortnahe, hochwertige ambulante medizinische Versorgung könne aus Sicht der KVB flächendeckend nur über niedergelassene Haus- und Fachärzte sichergestellt werden, betont Birgit Grain. Kooperative Einrichtungen wie ein MVZ könnten das Versorgungsnetz nur ergänzen. Dabei sei hier die Trägerschaft von entscheidender Bedeutung, die in ärztlicher Hand bleiben und nicht von Management-Gesellschaften übernommen werden dürfe.

Ob sich das Klinikum ein gynäkologisches Versorgungszentrum vorstellen kann? "Wir wollen mit den verbliebenen Fachärzten die Versorgungssituation besprechen", sagt dazu stellvertretender Geschäftsführer Andreas Hacker. Sollte die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet sein, wäre ein MVZ eine Option. Der Befürchtung so mancher Frau, sie würde dort von Termin zu Termin von Frauenarzt zu Frauenarzt wandern, erteilt er eine Absage. Auch im MVZ gebe es in der Regel feste Bezugspersonen.


Zrenner wollte nicht in MVZ

Michael Zrenner wollte in kein Versorgungszentrum einsteigen. Er habe ein entsprechendes Angebot abgelehnt, sagt er. Ohne seine Patientinnen kann wohl kein MVZ aufgebaut werden.

Zrenners Kollege Bernd Roßberg glaubt, dass die niedergelassen Ärzte auch ohne MVZ die Versorgung sicherstellen können. Die Lage werde sich wieder entspannen. In seiner Gemeinschaftspraxis werde ab Ende August eine Weiterbildungs-Assistentin tätig sein. "In der Zeit danach können wir sicher wieder neue Patienten aufnehmen." Ab dem Frühjahr verstärke wahrscheinlich eine weitere Frauenärztin das Team. Und die Möglichkeit, dass sich ein Nachfolger für die Praxis Zrenner findet, besteht ja auch noch. Darüber würde sich die Kulmbacherin Anita Seidler freuen, die 25 Jahre bei Michael Zrenner Patientin war und nun für die nächste Vorsorge einen Termin bei Olena Androsova ausgemacht hat. "Den habe ich erst am 26. Januar bekommen", sagt Seidler, die weiß, dass die Lage angespannt ist. Ihrem "Arzt des Vertrauens" trauert sie nach