Das Haus Immanuel in Hutschdorf feiert Jubiläum: Die Suchtklinik besteht seit 110 Jahren. Ein unglaublich großer Zeitabschnitt, vor allem wenn man bedenkt, wie sehr sich der Umgang mit suchtkranken Menschen in dieser Zeit verändert hat.

Der damalige Ortspfarrer Ernst Keupp hatte die "Trinkerheilanstalt" 1907 ins Leben gerufen. Einige Jahre waren vor allem alkoholkranke Soldaten hier untergebracht. Bald jedoch sollte auch ein Haus speziell für Frauen errichtet werden.


Platz für 60 Frauen und zwölf Kinder


Heute bietet die Klinik im Thurnauer Ortsteil Platz für 60 Frauen und zwölf Begleitkinder. Bei der Gründung der Klinik war von öffentlichen Geldgebern noch keine Spur. Über Jahrzehnte wurde die Einrichtung aus Spenden und durch die Kirche finanziert.

Erst als in den 60er Jahren Alkoholismus als Krankheit anerkannt wurde, konnten auch öffentliche Kassen in die Pflicht genommen werden. In den 110 Jahren seit ihrem Bestehen hat die Klinik fünf Leiter gehabt. Im Durchschnitt stand jeder von ihnen 22 Jahre an der Spitze. Ein Sinnbild für die solide und starke Position des Hauses.

Der heutige Leiter Gotthard Lehner hat nicht geringen Anteil an dem guten Ruf, den das Haus über die Grenzen der Region hinaus besitzt. Dass Frauen mittlerweile mitbestimmen können, in welcher Klinik sie therapiert werden, ist für viele Kliniken ein großes Problem. Für Hutschdorf kaum. Denn es gibt mehrere Alleinstellungsmerkmale. So können Mütter ihre Kinder mitbringen. Mit der speziell für die Kinder suchtkranker Frauen eingerichteten Kita verfügt die Klinik über ein nachhaltiges Angebot.


Zahlreiche Ärzte und Therapeuten


Die Frauen bekommen heute in Hutschdorf ein breites Therapieangebot, das ihnen helfen soll, die Sucht dauerhaft hinter sich zu lassen. Dabei werden die Frauen von zahlreichen Therapeuten und Ärzten unterstützt.
Zur 110-Jahr-Feier kamen zahlreiche wichtige Gäste. Namhafte Referenten bereicherten das Jubiläum mit ihren Referaten. So sprach Diplompsychologe Kai W. Müller von der Universität Mainz über die Digitalisierung der Lebenswelt. Peter Wittmann, Neurologe an der LMU München, ergänzte dies mit dem Vortrag "Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Gehirn." Clemes Veltrup, Leiter der Fachklinik Freudenholm-Ruhleben, sprach über die Entwicklung der Suchtbehandlung in den letzten Jahrzehnten.

Gotthard Lehner selbst gab einen kleinen Ausblick auf die Suchtbehandlung und betonte, man müsse immer schon einen Schritt voraus denken.


Gegen Spiel- und Mediensucht


Zum Beispiel wäre es denkbar, dass man in zehn Jahren in Hutschdorf ganz andere Erkrankungen wie die Spiel- oder Mediensucht behandeln werde, dass man vielleicht weg von den einzelnen Suchterkrankungen hin zu einer generalisierten Therapie gelangen würde. Dass noch ein größerer Fokus auf den Bereich Mütter mit ihren Kindern gelegt werde und eine intensivere psychologische Therapierung auch der Jungen und Mädchen in den Fokus genommen werde.

Im Sommer soll die neue Turnhalle eingeweiht werden.