Am Artenschwund sind nicht nur Pflanzenschutzmittel schuld, sagt ein Landwirtschaftsexperte des Bundesinstituts für Risikobewertung.
Artensterben und Klimawandel - viele Verbraucher geben den Bauern dafür die Schuld. Meistens geschieht dies aus Unwissenheit. Alle wollen mitreden, doch die genauen Hintergründe kennen nur die wenigsten. Deshalb hatten der Ring junger Landwirte Kulmbach und der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung mit Jens Schuberth einen Spezialisten eingeladen.
Artenschwund durch zunehmenden Flächenverbrauch und Monokulturen
Schuberth ist bei dem 2002 gegründeten und zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums gehörenden Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) tätig, das unter anderem Ministerien berät, wenn es um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht. Das Berliner Institut mit seinen rund 1000 Mitarbeitern erstellt weisungsunabhängig Risikobewertungen, allerdings nicht nur für Pestizide, sondern auch für E-Zigaretten, Shishas und alle möglichen Chemikalien.
"Pflanzenschutzmittel sind nicht alleine verantwortlich für den Artenschwund", sagte der Wissenschaftler. Auch der zunehmende Flächenverbrauch oder die Anlage von Monokulturen hauptsächlich im Norden Deutschlands gehörten zu den Verursachern.
Experte: "Grenzwerte für Glyphosat reichen aus" - Kontrovers diskutiertes Thema
In der Gemeinschaftsveranstaltung ging es hauptsächlich um das überaus kontrovers diskutierte Thema Glyphosat. Anhand des mittlerweile seit acht Jahren andauernden Verfahrens machte Schuberth deutlich, mit welchem immensen Aufwand seine Behörde arbeitet. 2011 sei die Neubewertung gestartet worden, es folgten Kommentierungsphasen der einzelnen EU-Staaten, Expertenrunden auf nationaler und internationaler Ebene sowie neue Bewertungen aufgrund des großen öffentlichen Drucks und immer wieder neuer, teils widersprüchlicher Studien. Erst 2017 konnte die Genehmigung erneuert werden, aber nur für fünf Jahre bis zum 15. Dezember 2022 und nicht wie üblich für 15 Jahre.
Auch wenn der endgültige Glyphosat-Ausstieg durch das Bundeslandwirtschaftsministerium für 2023 bereits beschlossen ist, blieb der Fachmann bei seiner Einschätzung, dass der geltende Grenzwert von 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag bei der Aufnahme durch den Menschen ungefährlich und deshalb völlig ausreichend sei.
Wissenschaftler: Alkohol wesentlich gefährlicher als Glyphosat
Schubert meinte, dass Glyphosat-Rückstände im Bier durchaus nachvollziehbar seien, da die Anwendung im Getreide ja auch zugelassen ist. Allerdings in so geringer Menge, "dass man unglaubliche 1000 Liter Bier pro Tag trinken müsste, um die festgelegten Grenzwerte zu übersteigen". Während aber über die Rückstände im Gerstensaft leidenschaftlich diskutiert werde, sei das Thema Gesundheitsgefahren durch Alkohol kaum mehr Gegenstand öffentlicher Diskussionen, kritisierte er.
Wiedermal ein Beispiel, wie man es als Journalist NICHT machen sollte: einfach unkritisch nachplappern. Zwei Klicks "Recherche" fördern nämlich zutage, dass gerade in bezug auf Glyphosat dieses sogenannte Institut
"wegen teils gravierender Interessenkonflikte von Mitgliedern der beratenden BfR-Expertenkommissionen" in die Kritik geraten ist, u.a. wegen der "Mitgliedschaft von MitarbeiterInnen von Pestizidherstellerunternehmen in der BfR-Kommission "Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände""(!). Von unabhängigen(!) Wissenschaftlern sind Bewertungen des Instituts als "mit Mängeln behaftet und wissenschaftlich inakzeptabel"(!) bezeichnet worden =>https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-unkrautvernichtungsmittel-wissenschaftler-protestieren-gegen-glyphosat-bewertung-1.2759599. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung 2017 hat das Institut bei der Bewertung von Glyphosat Einschätzungen der Industrie nahezu wortwörtlich übernommen! =>https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-neue-zweifel-am-urteil-1.3669883
Ich will gar nicht inhaltlich auf das von dem sogenannten Experten Gesagte eingehen: mir geht es um die Berichterstattung. Und da hätte es sich gehört, dass zumindest auf die Kritik am BfR und seine offenbar ja doch nicht so ganz unabhängigen und wissenschaftlich korrekt arbeitenden "Experten" hingewiesen wird. Wenn schon nicht von dem (wahrscheinlich nicht gerade überbezahlten und nebenberuflichen?) Reporter, dann auf jeden Fall vom verantwortlichen Redakteur! So aber ist der Artikel mehr Meinungsmache als Information!
Volle Übereinstimmung! Schwache Leistung der BR und ziemlich verantwortungslos, solche eindeutig interessensgetriebenen Darstellungen, wider besseren Wissens und völlig unkommentiert, als Fakten zu präsentieren.
Die Meinung von Herrn Löwinger? Der ist BBV-Funktionär. Muss man mehr dazu sagen? Gott mit dir, du Land der BayWa (Biermösl Blosn).