Wenn man derzeit in den deutschen Medien Berichte über die Landwirtschaft hört oder liest, dann könnte man den Eindruck gewinnen, die Deutschen stünden kurz vor dem Verhungern. Die Kartoffelernte sei dahin, der Weizen auf dem Feld geschimmelt, heißt es.

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht, wie der Kulmbacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Winfried Löwinger, gegenüber der BR mitteilt. "Die Ernte ist in diesem Jahr knapp durchschnittlich. Aber die Spannweite ist groß", sagt er. Will heißen: Futtermittel, Mais, Gras und so weiter wachsen in diesem Jahr extrem gut. "Da holt die Natur das wieder rein, was im vergangenen Jahr wegen der Trockenheit zu wenig wachsen konnte," erklärt Löwinger. Dafür sieht es zum Beispiel beim Weizen tatsächlich etwas schlechter aus. Dramatisch ist die Situation laut Löwinger allerdings auch nicht.
"Anfang Juni war es mal zu nass und auch jetzt im August, als eigentlich geerntet werden sollte, haben uns der Regen und der Nebel oft einen Strich durch die Rechnung gemacht."


Feuchtigkeit ist Gift


Das feuchte Klima sei Gift für den Weizen, der es für die Ernte schön trocken brauche. Denn nur in trockener Form könne er geerntet werden. Regne es auf den getrockneten Weizen, könne dieser austreiben. Dann leide die Qualität. Auch das Wild hat sich die späte Ernte zunutze gemacht und auf Löwingers Feldern seine Spuren hinterlassen und Getreide niedergetrampelt.

Geraten die Körner mit dem feuchten Boden in Kontakt, kommt es auch hier zur Keimung. Gekeimtes Getreide taugt laut Löwinger höchstens noch als Tierfutter, "zum Verkauf ist es nicht geeignet".


Wetterbedingte Verzögerungen


In den vergangenen zwei Wochen sei das Wetter zufriedenstellend, "die Bauern können ihre Weizenernte endlich abschließen". Gerade noch rechtzeitig habe das Wetter ein Einsehen gehabt. "Die Ernte hat sich wetterbedingt etwas hinausgezögert. Sonst waren wir um diese Zeit schon fertig mit dem Weizen, nun dauert es eben länger," so Löwinger.

Was für den Weizen gilt, gilt auch für die Gerste. Mälzer Frank Schütz, der mit seinem Betrieb in Hutschdorf und Harsdorf zu Hause ist, bestätigt, dass die Menge an Braugerste fast so hoch sei wie in einem Durchschnittsjahr. "Die Qualität ist regional sehr unterschiedlich", gibt es aber zu bedenken.

Hoffnung setzt Schütz noch einmal in die Ernte der Landwirte im Oberland. Vielerorts werde dort später geerntet, durch die vergleichsweise trockene Periode sei eine qualitativ hochwertiges Getreide zu erwartet.


Ständiges Auf und Ab


Bei der Herstellung des Malzes wird das Getreide zum Keimen gebracht. Bereits ausgekeimtes Getreide sei daher völlig ungeeignet.

Löwinger und Schütz sind sich sicher: Die Landwirtschaft ist ein ständiges Auf und Ab und die diesjährige Ernte recht passabel."