Die Covid-Stationen sind ausgelastet. Auch am Klinikum Kulmbach. Am gestrigen Dienstag wurden dort 32 Patienten stationär betreut, davon lagen neun auf der Intensivstation.

Prämie 2.0

Die Pflegekräfte sind mehr denn je gefordert, was der Bund jetzt honoriert. Anerkennung soll es nicht nur durch Worte geben: Die Bundesregierung will dem Klinikpersonal, das in der Pandemie unter besonderer Belastung steht, eine Sonderzahlung bieten. Der Bonus trägt den Namen "Erweiterte Sonderleistung an Pflegekräfte aufgrund besonderer Belastung durch die Sars-Cov-2-Pandemie", kurz Corona-Prämie 2.0 genannt.

6,25 Millionen gehen nach Oberfranken

450 Millionen Euro gehen an Kliniken in ganz Deutschland. 6,25 Millionen fließen nach Oberfranken, davon 497 000 Euro an das Kulmbacher Klinikum. Die Höhe der Zuwendung an die einzelnen Häuser ist davon abhängig, wie viele Covid-19-Patienten 2020 behandelt worden sind.

"Zeichen der Wertschätzung"

Über den Bonus freuen sich die Pflegekräfte am Kulmbacher Klinikum. "Es ist eine Zeichen der Wertschätzung unserer Arbeit", sagt Ralf Dorfschäfer, der Stationsleiter der Krankenpflege-Fachkräfte auf der internistischen Intensivstation ist, die in der Pandemie zur reinen Covid-Station umfunktioniert worden ist. Eine Station, auf der Menschen um ihr Leben kämpfen. "Die Herausforderung für uns ist schon gewaltig", sagt der 50-Jährige, der den Bonus als ein Dankeschön einstuft, sich jedoch wünscht, dass die Arbeit der Krankenpflegekräfte nicht nur im Kampf gegen das Corona-Virus, sondern generell besser honoriert und wertgeschätzt wird.

Das fordert auch Personalratsvorsitzender Frank Wilzok. Die Pflegekräfte hätten mehr als einen einmaligen Bonus verdient. "Sie verdienen generell eine bessere Entlohnung. Wir brauchen dringend Nachwuchs. Mit einer einmaligen Zahlung macht man den jungen Leuten den Beruf des Pflegers aber nicht schmackhaft", stellt Wilzok fest.

Kliniken entscheiden

Beim Corona-Bonus 2.0 überlässt die Politik die Auszahlung den einzelnen Kliniken. Diese entscheiden selbst, wer eine Sonderzahlung erhält. Das ist kein leichtes Unterfangen, wie Frank Wilzok deutlich macht, der über das Vorgehen als Personalratsvorsitzender gemeinsam mit der Klinikum-Geschäftsführung berät. "Es wird so sein, dass diejenigen, die auf den Covid-Stationen besonders gefordert sind, den höchstmöglichen Betrag erhalten", sagt Wilzok. Nicht nur der Pfleger, auch die Reinigungskraft soll berücksichtigt werden, was Geschäftsführerin Brigitte Angermann bestätigt und Pfleger Ralf Dorfschäfer freut: "Denn die Reinigungskräfte arbeiten ja unter den gleichen schweren Arbeitsbedingungen wie wir und haben das auch verdient."

Die Verteilung

Wie die 497 000 Euro verteilt werden? Laut Brigitte Angermann sind Bonus-Zahlungen bis zum Betrag von 1500 Euro steuerfrei. Bei der Auszahlung müsse der Pflegebonus über 500 Euro, der 2020 vom Freistaat gezahlt worden ist, berücksichtigt werden, eventuell auch Tarifsonderzahlungen. "Wie hoch der Bonus für den Einzelnen ausfällt, können wir noch nicht sagen." Auch viele weitere Beschäftigte - das Klinikum zählt 1700 Mitarbeiter -, die nicht auf den Covid-Stationen tätig sind, können mit einem kleineren Bonus rechnen.

Praxis-Mitarbeiter gehen leer aus

Das Klinik-Personal erhält eine Sonderzahlung vom Bund, der den Pflegekräften in Altenheimen oder auch medizinischen Fachangestellten in den Arztpraxen nicht gewährt wird. Was bei diesen zu Verärgerung führt. "Die medizinischen Fachangestellten hätten den Bonus mehr als verdient. Sie stehen in den Praxis an vorderster Linie", sagt die Vorsitzende des Hausarztvereins Kulmbach Stadt und Land, Anja Tischer. Was auch Hannelore König vom Verband der medizinischen Fachangestellten betont. Die Belastung der Arzthelfer(innen), wie sie früher hießen, sei hoch. Sie seien in die Impfungen einbezogen, bei Testungen müssten sie ebenfalls in Schutzausrüstung arbeiten. Auch sie seien Risiken ausgesetzt, hätten eine finanzielle Zuwendung verdient.

Auch Altenpfleger bekommen nichts

Leer gehen auch die Pflegekräfte in Altenheimen aus, was BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold bedauert. Das Rote Kreuz honoriere den Einsatz jedoch von sich aus. Dippold: "Im April wird eine tariflich fixierte Corona-Prämie von 400 Euro gezahlt."