Das Steinachtal ist einfach märchenhaft schön - das kann die Stadt Stadtsteinach jetzt als Aushängeschild für sich in Anspruch nehmen: Zwei Tage lang drehte eine Crew der TV 60-Filmproduktions GmbH im Auftrag des Bayerischen Rundfunks auf der Wiese am Eingang des Steinachtals Szenen für das Märchen "Die drei Federn."

Dabei handelt es sich um eine weniger bekannte Geschichte der Gebrüder Grimm. Die Handlung spielt in einem Königsschloss - dafür haben sich die Filmscouts das Wasserschloss in Mitwitz ausgesucht. "Und weil wir um Mitwitz wegen des sandigen Bodens keine Höhlen und verwunschene Landschaften gefunden haben, kamen wir hierher. Dieses schöne Fleckchen hat unser Location-Scout ausfindig gemacht", erläutert Produzent Marcus Roth und zeigt sich begeistert von der unberührten Natur, den Höhlen unter der "Nordeck" und von der Burgruine selbst.
"Wir haben sogar einen Köhler-Meiler errichtet", betont der Produzent. Die Werkzeuge wurden ebenfalls stilecht nachgebaut. Natürlich funktioniert der Meiler nicht wirklich, sondern er wird elektrisch betrieben. "Doch im Film sieht hinterher alles aus wie echt", verspricht Marcus Roth.

Das Märchen handelt von einem König, der herausfinden will, welcher seiner drei Söhne das Königreich am besten verwalten könnte. Auf den Rat seines Hofmeisters Julius (Michael Schönborn) verspricht der alte Fürst Gundolf (Sky DuMont) demjenigen seiner drei Söhne das Reich, der ihm den feinsten Teppich bringt. Er bläst drei Federn in die Luft, denen die Söhne folgen sollen. Die beiden Alteren, Gerhard (Emanuel Fitz) und Gebhard (Matthias Kelle), sind sich sicher, den Wettbewerb spielend zu gewinnen. So zieht der eine gen Osten und der andere gen Westen. Beide verspotten Gustav (Jannik Schümann ), den Jüngsten, der "Dummling" genannt wird, weil seine Feder in einen Wald fliegt.

Zuerst ist Gustav traurig, aber dann findet er mit Hilfe der Feder eine Falltür, darunter eine Treppe und eine weitere Tür, hinter der eine Kröte namens "Itsche" wohnt. Sie gibt ihm, was er braucht. Seine Brüder, die in ihrem Hochmut nur billige Tücher geholt hatten, fordern eine neue Aufgabe, denn sie sind der Meinung, dass dem "Dummling" der Verstand fehle. Daraufhin lässt sich der Fürst den schönsten Ring und schließlich die schönste Braut des Reiches bringen. Doch auch für diese beiden Aufgaben kann der "Dummling" auf die Hilfe der Kröte "Itsche" zählen.

Und genau diese Szenen mit dem Dummling wurden im Steinachtal abgedreht. "Es ist hier ideal, es kommen kaum Autos vorbei und kaum Spaziergänger", zeigt sich Produzent Roth von der Ruhe begeistert. Und die wenigen Waldtouristen, die durchs Steinachtal streiften, mussten sich einfach ein bisschen gedulden.

Weihnachten im "Ersten"

Bei dem Märchen, das übrigens an einem der Weihnachtsfeiertage im "Ersten" ausgestrahlt werden wird, wirkten natürlich auch "Einheimische" mit. So steuerte Anton Mertel, der derzeit einen Besuch bei Oma und Opa in Mitwitz macht, seinen Hasen Lulu bei. "Der muss bei der Prinzessin auf dem Schoß sitzen", erklärt Anton fachgerecht. Auch das königliche Pferd, das mit der blauen Decke wirklich edel wirkt, kommt aus Mitwitz - aus dem Stall Gundermann. Claudia Gundermann schaut natürlich bei den Dreharbeiten zu. Sie hat auch das Reitdouble für den Königssohn besorgt - Anna Neumann kleidet sich in die Gewänder des Dummlings - und im Film sieht es dann aus, als ob dieser selbst reiten würde.

Die Filmcrew besteht aus 40 Leuten, die mit einem eigenen Cateringwagen angereist sind. In der Waldschänke wird die Maske aufgeschlagen. "Bei so einem Filmprojekt sind noch die Menschen wichtig. Jeder einzelne hat seine Aufgabe, keiner ist ersetzbar", erklärt der Produzent das Gewusel und behält trotz der vielen Mitwirkenden den Überblick. Er paukt eine Szene nach der anderen durch.
"Zottel", wie alle Fahrer Christof Bojanowski nennen, ist für die fortwährende Neubeschaffung von Schnittchen, Getränken und Kaffee zuständig. Die Assistentin hält Wanderer und Radfahrer davon ab, während der Aufnahme in die Szene zu laufen. Die Kamera führt Kay Gauditz, für die Regie ist Su Turhan verantwortlich. Dem Regisseur entgeht nichts, er achtet auf jedes Detail.

Die prominentesten Schauspieler sind Michael Schönborn und Sky DuMont, aber auch "Checker Tobi" alias Tobias Krell, bekannt aus dem Kinderfernsehen, ist mit von der Partie: Er spielt einen Lakaien.

Die Dreharbeiten im Steinachtal sind bereits abgeschlossen, in den weiteren Wochen - bis 5. September wird noch rund ums Wasserschloss Mitwitz gedreht. Dort gibt es Innen- und Außenaufnahmen. "Für die Außenaufnahmen, wenn der König seine drei Federn fallen lässt, wünsche ich mir natürlich sehr schönes Wetter", hofft der Produzent. Danach wird der Film geschnitten. Denn bis Weihnachten muss das fast einstündige Märchen fertig sein.