Das Bräuwerck in Neudrossenfeld hatte es schon vor Corona nicht leicht. Seit der Eröffnung 2014 schreibt die Brauerei-Gaststätte Verluste. Auch unter dem neuen Vorsitzenden der Drossenfelder BräuwerckAG, Dieter Bauernfeind. Der hat deshalb viele Änderungen angestoßen. "Wichtig war, dass wir den Service verbessert und so das Image aufpoliert haben. Viele Sachen sind früher schiefgegangen. Jetzt ist es uns gelungen, dass man über das Bräuwerck wieder positiv spricht." Seit Januar 2019 steht der 56-Jährige an der Spitze der Aktiengesellschaft.

In der Hauptversammlung im Dezember, die wegen der Pandemie erstmals virtuell stattfand, hatte Bauernfeind die rund 800 Aktionäre auf den neuen Weg eingeschworen. Große Ziele sind die Erhöhung des Bierausstoßes (insgesamt 510 Hektoliter Bier wurden 2019 gebraut) und mehr Gäste in die Brauereigaststätte mitten im Herzen von Neudrossenfeld zu locken. Unter anderen soll das mit einem neuen Biergarten-Konzept gelingen.

Umsatz gestiegen

Das ist in den Augen von Bauernfeind auch nötig, denn das Bräuwerck schreibt nach wie vor Verluste. Und das, obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 11 000 Euro auf 593 000 Euro gestiegen ist.

Unterm Strich weise das Betriebsergebnis dennoch ein Minus von rund 37 000 Euro aus. "Nicht akzeptabel", sagt Bauernfeind dazu, obwohl die Zahlen deutlich besser seien als die aus den vergangenen Jahren. So sind von 2014 bis 2018 insgesamt 321 000 Euro Miese beim Betriebsergebnis geschrieben worden. "Damals ist aber keiner auf die Idee gekommen, das Konzept zu hinterfragen."

Der 56-Jährige hat das getan und festgestellt: "Leute haben ihre Arbeiten nicht ordentlich gemacht." Und das hatte Konsequenzen - unter anderem beim Personal. Es mussten Leute gehen - auch Führungskräfte.

Kritik an der Kalkulation

Kritik übt Bauernfeind unter anderem an der Kalkulation der Bierpreise und bei den Investitionen in Werbung (14 000 Euro). "Ist Ihnen irgendwo Bräuwerck-Werbung aufgefallen?", fragt der 56-Jährige und gibt die Antwort gleich selbst: Niemandem sei das. Wenn man werbe, müsse man das vernünftig machen, die Werbung müsse bei der Zielgruppe ankommen.

Gut gelaufen seien dagegen unter anderem das Geschäft mit den Lebensmittel- und Getränkemärkten und die Zusammenarbeit mit den Vereinen.

Für Dieter Bauernfeind ist es nun an der Zeit, den Blick nach vorne zu richten. Wie soll es weitergehen? Intern ist zunächst geplant, Brauerei und Gaststätte in zwei getrennte Profitcenter umzuwandeln. Das hat den Vorteil, Schwachstellen zu erkennen und darauf zu reagieren. "Früher wurde alles in einen Topf geschmissen. Jetzt schauen wir genau, wo es hakt." Die Biervielfalt soll dabei erhalten bleiben ("Auch Sonderbiere soll es in Flaschen geben") und der Bierabsatz vor allem in der Gaststätte gesteigert werden.

So sieht das neue Konzept aus

Für die Gäste interessant wird sicher das neue Biergartenkonzept. Das sieht folgende Eckpunkte vor: Ein großer Teil des Biergartens wird für Selbstbedienung mit Geschirr-Rückgabestelle eingerichtet. Kasse und Ausschank befinden sich im Selbstbedienungsbereich, wo Brotzeiten gekauft und auch warme Speisen von der Karte geordert und an einer Ausgabestelle abgeholt werden können. So könne man bei weniger Personalkosten mehr Umsatz erzielen und habe zufriedenere Gäste wegen von der kürzerer Wartezeiten , ist Bauernfeind überzeugt.

Auf der Terrasse und im Innenhof werden die Speisebestellungen laut Dieter Bauernfeind von Servicekräften wie bisher aufgenommen und gebracht. Für diesen Bereich können die Gäste reservieren.

"Wir haben den Corona-bedingten Stillstand als Chance genutzt, uns Zeit zu nehmen und zu schauen, was richtig und falsch läuft", erklärt Bauernfeind.

"Wir werden uns auf die Biergartensaison im Sommer konzentrieren." Der Aufsichtsratsvorsitzende der Drossenfelder Bräuwerck AG, Harald Hübner, geht davon aus, das die Gaststätte wegen Corona wohl vor März nicht öffnen kann. Umso wichtiger ist in seinen Augen das neue Biergarten-Konzept, mit dem Besucher angelockt werden sollen. Der große Biergarten biete viel Platz und ermögliche die Einhaltung der Abstandsregeln. "Das ist sicher ein gutes Angebot nach dem Lockdown."

Der Aufsichtsratsvorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass es darum geht, das "Schiff in der Krise über Wasser zu halten". Viele Gastronomiebetriebe würden inzwischen um ihre Existenz bangen.

Das Bräuwerck fürchte zwar noch nicht um sein Bestehen, aber man wisse nicht, wie sich das Konsumverhalten durch Corona verändert habe.

Hübner erklärte auch, warum die Gaststätte kein Essen zum Mitnehmen anbietet: "Das geht vielleicht bei einem familiengeführten Betrieb. Aber wenn man Angestellte bezahlen muss, besteht keine Aussicht, kostendeckend zu arbeiten."

Das Geschäftsjahr 2019, für das in der Hauptversammlung im Dezember die Zahlen vorgestellt wurden, stellt Harald Hübner nicht zufrieden. "Es ist wieder ein Verlust entstanden, der sich negativ auf das Eigenkapital auswirkt."

Allerdings habe der neue Vorsitzende Dieter Bauernfeind wegen Corona noch keine Chance gehabt, sein Geschäftsmodell umzusetzen. "Diese Chance wurde uns durch den Lockdown genommen." Hübner hofft jetzt für 2021 auf eine Kostendeckung.

Dazu brauche es aber auch die Unterstützung der rund 800 Aktionäre, an die der Aufsichtsratsvorsitzende appellierte, das Angebot des Bräuwercks zu nutzen und dort einzukehren, wenn es die Lage wieder erlaube.