Döllnitz Oliver Ellner hat einen Bauzaun aufgestellt, Nachbar Hans Heublein den Traktor in der Einfahrt geparkt, Wilhelm Gaebelein den Pferdeanhänger an an seine Grundstücksgrenze geschoben: Die Döllnitzer haben ihre Ankündigung wahr gemacht und am Mittwoch ihre Grundstücke blockiert - um zu verhindern, dass sich Lastwagen, die sich in der engen Ortsdurchfahrt entgegen- und nicht aneinander vorbeikommen, eine Ausweichmöglichkeit bietet.

"Wir wollten ein Zeichen setzen"

"Wir wollen ein Zeichen setzen, deutlich machen, dass die Verkehrsverhältnisse bei uns chaotisch sind und wir den zeitnahen Bau der Umgehungsstraße fordern, die uns seit vielen, vielen Jahren versprochen wird", sagt Oliver Ellner. Man werde die Blockade in unregelmäßigen Abständen fortsetzen, teilt Wilhelm Gaebelein mit.

Kein Verkehrschaos

Zu einem Verkehrschaos, das viele erwartet hatten, ist es am Mittwoch nicht gekommen. "Es war viel weniger los als sonst. Viele haben offenbar von unserem Protest gewusst und den Weg durch Döllnitz gemieden", sagt Wilhelm Gaebelein. Um die zehn Lastwagen hat Oliver Ellner am Mittwoch gezählt. "Normalerweise sind es pro Tag meist über 150", sagt der Döllnitzer, der vermutet, dass die Ankündigung in der Bayerischen Rundschau und Radiomeldungen Leser und Hörer vorab gewarnt und diese sich dann andere Wege gesucht haben. "Ich glaube auch, dass die Lkw-Fahrer sich untereinander durch Funk über die Absperrung informiert haben."

"Da war drei Stunden lang totales Chaos"

Nicht erreicht hatte die Funkmeldung offenbar zwei Lkw-Fahrer, die sich gegen 9.30 Uhr in der Engstelle entgegengekommen und steckengeblieben sind. Hin- und Herrangieren war angesagt, was sich als äußerst schwierig erwiesen hat. Zehn Minuten ging nichts mehr. "Solche Szenen spielen sich bei uns normalerweise täglich ab", sagt Oliver Ellner, der sich wie Wilhelm Gaeblein an den 16. Mai erinnert, als die B 85 zwischen Unterbrücklein und Kulmbach nach einem tödlichen Unfall gesperrt war und viele die Umleitung über Döllnitz genommen haben. "Da war bei uns drei Stunden lang totales Chaos."

Wann kommt die Umfahrung

Die Situation verbessern wird wohl nur die Umfahrung. Wann die gebaut wird, steht aber noch in den Sternen. Bürgermeister Norbert Groß (CSU) hofft auf den Spatenstich 2024, was wohl unrealistisch ist, wie Philip Wagner vom Staatlichen Bauamt in Bayreuth auf Anfrage der Bayerischen Rundschau erklärt hat. Weil jetzt, wo es das Baurecht für das Millionenprojekt gibt, die Kosten neu ermittelt werden müssen. Und weil die Frage geklärt werden muss, ob der Markt Kasendorf die Maßnahme - wie derzeit vorgesehen - in der Kommunalen Sonderbaulast mitfinanziert.

"Wie an einem Sonntag"

Oliver Ellner und Wilhelm Gaebelein fordern, dass der Freistaat Bayern den Bau der Umgehung zahlt ("Es ist ja auch eine Staatsstraße") und diesen dann auch schnell in Angriff nimmt. Was sie sich wünschen? Verhältnisse wie am Mittwoch. "Da war es so ruhig wie sonst nur an einem Sonntag. Wäre es immer so, bräuchten wir keine Umgehung." Oliver Ellner sagt das in dem Wissen, dass das geringe Verkehrsaufkommen nur in einem begründet war. Sein Fazit nach der Blockaden-Premiere am Mittwochabend lautet: "Unsere Maßnahme hat Wirkung gezeigt."