Mit seinen heiteren Geschichten und Gedichten "in der Mundart des Kulmbacher Landes" begeisterte Hans Glenk einst nicht nur die heimatverbundenen Menschen in der Gegend um Kulmbach, sondern weit darüber hinaus. Auch im Rundfunk war er hin und wieder zu hören. Wer aber waren nun dieser erste sogar überregional bekannte fränkische "Mundartpfarrer" und die schrullige Hauptdarstellerin seiner "Mia-Geschichten"? Einige Nachforschungen in Archiven bringen gar überraschende Zusammenhänge ans Licht.


Gastwirte, Metzger, Bäcker und Bierbrauer


In der über Gärtenroth und Kasendorf bis ins Jahr 1689 nach Pegnitz zurückführenden Ahnenreihe von Hans Glenk finden sich zunächst viele aus dieser Familie, die ihren Lebensunterhalt mit dem Bemühen um das kulinarische und seelische Wohlbefinden ihrer Mitbürger bestritten. Aus der "Glenk-Dynastie" gingen nämlich zahlreiche Gastwirte, Metzger, Bäcker, Bierbrauer mit eigenen Brauereien (Bronn bei Pegnitz, Kasendorf, Gärtenroth, Bayreuth) und zahlreiche Pfarrer hervor.

Die Pfarrerdynastie entstand aus dem Gärtenrother Familienzweig mit Hans Glenks Vater und Onkel, die wie ihr Großvater mütterlicherseits evangelische Theologie studierten.


Kindheit in Melkendorf verbracht


Hans Glenk wurde am 3. Juli 1873 in Kronach geboren. Zur Schule ging er in Melkendorf, wo sein Vater Karl Glenk seit 1877 Pfarrer war. Für sein späteres Wirken als Mundartdichter entscheidend war für den jugendlichen Hans Glenk in Melkendorf die Bekanntschaft mit einer alten Frau namens Maria Felbinger (1825 bis 1912), genannt "die alt Mia".

Die Erinnerung an die Begegnungen mit ihr regten ihn Jahrzehnte später zu seinen heiteren Mundartgeschichten an, die noch heute zumindest Kennern der fränkischen Mundartdichtung ein Begriff sind.

Nach dem Besuch der Lateinschule in Kulmbach und des Gymnasiums in Bayreuth studierte er ab 1893 in Erlangen Theologie und schloss sich der "Burschenschaft der Bubenreuther" Erlangen an, deren Kneipzeitung er einige Jahre leitete.


Vikar in Kulmbach


1898 erhielt er die Ordination und trat seine erste Stelle als Vikar in Kulmbach an, wo er auch an der Realschule als Religionslehrer unterrichtete. Im November 1899 wurde er Reiseprediger in Pfarrkirchen. Dort lernte er seine spätere Frau Luise Bachmann kennen. Beide heiraten 1903. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. 1905 konnte Hans Glenk die Nachfolge seines Vaters in Melkendorf antreten.

In Melkendorf findet er dank des 28-jährigen Wirkens seines Vaters eine gut gefestigte Kirchengemeinde vor und genießt von Beginn an viel Respekt und Sympathie.



"Militärpfarrer" und Autor


Einen großen Einschnitt sowohl für Hans Glenk als auch für die Kirchengemeinde Melkendorf brachte der Erste Weltkrieg. Zunächst fiel Hans Glenks Bruder Karl im September 1915 bei Arras in Nordfrankreich, dann nahm am 7. Juni 1916 Hans Glenk selbst den Heeresdienst auf, zunächst als Divisions-Feldgeistlicher bei der 1. Bayerischen Landwehrdivision, danach als Lazarettgeistlicher des Johanniterordens.

Nach seiner Rückkehr aus dem Feld konnte er ab Dezember 1918 sein Pfarramt in Melkendorf wieder übernehmen.

Der Kriegstod des Bruders und die Erlebnisse als Feldgeistlicher haben Hans Glenk zu verstärktem dichterischen Schaffen angeregt. Noch während des Kriegs, nämlich 1916, erschien der Gedichtband "Krieg und Heimat" im Münchner Verlag Müller & Fröhlich.

Im Gemeindeleben war Pfarrer Hans Glenk schnell wieder sehr aktiv, war viel im Dorf bei den Familien unterwegs und frönte auch der Geselligkeit in den Gastwirtschaften.


Auch in Hochsprache

N
ach dem Krieg widmete er sich fast ausschließlich der Mundartdichtung, aber immer wieder schrieb er zu feierlichen Anlässen und Beerdigungen auch Gedichte in Hochsprache.

1931 erschien dann im Verlag der Bayerischen Rundschau "Die alte Mia. Heitere Geschichten in der Mundart des Kulmbacher Landes". Dieses Buch beinhaltet sehr kurze Geschichten und Gedichte, mit denen er dem ländlichen Menschenschlag ein literarisches Denkmal setzt, vor allem der titelgebenden "alten Mia", also der bereits erwähnten Maria Felbinger, welche 1825 als uneheliches Kind der Katharina Barbara Felbinger aus Katschenreuth geboren worden war und seit etwa 1850 im Haus Nr. 26 (heute Rennweg 8) in Melkendorf bei kinderlos gebliebenen Verwandten wohnte und selbst drei unehelich geborene Töchter zur Welt brachte.Deren Jüngste hieß Margaretha. Sie heiratete 1882 Jakob Schütz aus Unterpöllitz, der Kutscher bei Kommerzienrat Müller in der Petzbrauerei in Kulmbach war. Jener Jakob stand Pate für die literarische Figur des "Jakob" in der "alten Mia".


Völkische Rowdytat?


Eine seltsame und heute nicht ganz zu rekonstruierende Begebenheit trug sich im Dezember 1928 zu. Hans Glenk wurde auf dem Nachhauseweg von einer Dekanatssynode von einem Fremden unversehens attackiert. Während die SPD-Zeitung "Fränkische Volkstribüne" am 17. Dezember 1928 eine "Völkische Rowdytat" mutmaßte, benannte der Kulmbacher Dekan Orth Ende Januar 1929 einen Kommunisten aus Neustadt bei Coburg als Täter.

Während des Dritten Reichs enthielt sich Pfarrer Glenk anders als einige Kollegen im Dekanat öffentlich jeglicher politischer Meinungsäußerung, geriet aber mit regimekritischen Kommentaren im vermeintlich vertrauten Kreis ins Visier der NSDAP-Kreisleitung.

Immerhin gelang es Glenk durch sein Lavieren, dass der aus der Kirche ausgetretene Ortsgruppenleiter der NSDAP und Schulleiter den Religionsunterricht ungestört weiterlaufen ließ.


Leidenschaftlicher Kartenspieler


Hans Glenk, dessen relativ kurze Predigten ebenso wie seine Leidenschaft fürs Kartenspiel legendär waren, blieb aufgrund der kriegsbedingten Personalnot bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus Pfarrer in Melkendorf. Am Pfingstsonntag 1946 hielt er seine Abschiedspredigt, tags darauf wurde sein Nachfolger Pfarrer Georg Renz durch Dekan Riedel installiert.

Pfarrer Glenk bewohnte mit seiner Frau, die 1954 starb, zunächst weiterhin einige Zimmer im Pfarrhaus und lebte später alleine im Kantorat schräg gegenüber der Kirche, ehe er 1958 zur Familie seines Sohnes nach Kulmbach in die Luitpoldstraße 7 zog. Am 8. März 1961 starb er und wurde am 12. März 1961 auf seinen Wunsch hin von Pfarrer Georg Renz in Melkendorf zur letzten Ruhe bestattet.