Schon mit 10 Jahren war Raphael Roth aus Kupferberg klar, dass er einmal Landwirt werden will. Und das, obwohl er nicht einmal aus einem Bauernhof stammt. "Ich habe schon immer gewusst, dass das mein Ding ist." Heute ist er 20 Jahre alt, hat die Ausbildung zum Landwirt mit großem Erfolg abgeschlossen - beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend kam er auf einen der vorderen Plätze - und macht aktuell seinen Meister. Gelernt hat er beim landwirtschaftlichen Betrieb Schramm in Marktleugast, der auch den Ferienhof Kosertal betreibt. Dort ist er derzeit noch angestellt. Parallel dazu hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und im Herbst einen landwirtschaftlichen Betrieb für Ackerbau und Grünland in Enchenreuth übernommen.

"Es ist eine Berufung"

Während immer mehr Landwirte hinschmeißen, startet Raphael Roth in dieser Branche durch. Was ist seine Motivation? Diese Frage kann der 20-Jährige ganz leicht beantworten: "Es ist ein sehr schöner und interessanter Beruf. Man muss dafür Leidenschaft im Herzen und Traditionsbewusstsein haben. Es ist einfach eine Berufung." Als selbstständiger Landwirt müsse man noch etwas mehr für seine Arbeit brennen, aber dafür habe man auch mehr Freiheiten. Einzig das Wetter und die Natur können einem dann noch etwas diktieren.

Raphael Roth ist realistisch und weiß, dass Landwirtschaft heutzutage ein schwieriges Geschäft ist. "Die Auflagen und Vorschriften werden immer mehr und schwieriger zu erfüllen." Aber gerade diese Herausforderung, der gegenwärtigen Entwicklung ein Stück entgegenzuwirken, reizt ihn. "Wenn jeder so denken und handeln würde nach dem Motto ,Das hat doch alles keinen Wert mehr', wer pflegt denn dann noch unsere Kulturlandschaft und produziert unsere Lebensmittel?"

Neue Sachen ausprobieren

Raphael Roth will Verantwortung übernehmen und nach Lösungen suchen. Das tut er nun mit seinem ersten eigenen, kleinen Betrieb, bei dem er auch neue Sachen ausprobiert. So baut er zum Beispiel Urgetreide wie Dinkel und Emmer an, das er an Bäcker aus der Region verkauft. Der Landwirt müsse in Zukunft nicht nur Erzeuger sein, sondern seine Produkte auch entsprechend vermarkten, ist der 20-Jährige überzeugt. Sein großer Wunschtraum ist natürlich irgendwann ein eigener, richtiger Hof. Bis dahin wird er noch viel arbeiten müssen, aber er macht es gern. "Es sind zwar viele Stunden am Ende des Tages, aber ich weiß, wofür ich es mache."

Fritz Pausch aus Wehelitz hört auf

Die Kühe sind verkauft, die Maschinen außer Betrieb genommen, der Stall ist leer. Über 40 Jahre war Fritz Pausch aus Wehelitz Vollerwerbs-Landwirt. Am 1. März hat der 64-Jährige seine Milchviehhaltung aufgegeben und ist in Rente gegangen - mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Fritz Pausch war Landwirt mit Leib und Seele, hat seine Arbeit immer gern gemacht, aber er genießt es jetzt auch, nicht mehr so einen Druck zu haben und gebunden zu sein. "Ein viehhaltender Betrieb muss sieben Tage die Woche für seine Tiere da sein", sagt er. Fünf, sechs Tage Urlaub im Jahr - mehr war nicht drin, und selbst dann musste für eine Vertretung gesorgt sein, die wiederum bezahlt werden musste.

Zu viele Auflagen und Bürokratie

Fritz Pausch kann es seinen Kindern - er hat eine Tochter und einen Sohn - nicht verdenken, dass sie sich beruflich anders orientiert und den elterlichen Betrieb nicht übernommen haben. "Wenn mein Sohn eingestiegen wäre, hätten wir vergrößern müssen, einen größeren Stall, mehr Pachtflächen, das wären riesen Investitionen gewesen." Stattdessen haben sich Fritz Pausch und seine Frau gesagt: "Wir machen bis zum Rentenalter, und dann ist Schluss." Ein Grund dafür war auch: "Die Landwirtschaft wird immer unattraktiver", sagt der 64-jährige Wehelitzer. Immer mehr Auflagen und Bürokratie, immer weniger Akzeptanz in der Bevölkerung für seinen Berufsstand. "Ein Bekannter hat neulich zu mir gesagt: Wenn du mit der Spritze aufs Feld rausfährst, wirst du angeschaut wie ein Verbrecher."

Und auch die Einnahmen stagnieren seit Jahren auf niedrigem Niveau. "Wir haben neulich die Milchgeldabrechnung von vor 15 Jahren rausgesucht, da haben wir genauso viel für die Milch bekommen wie heute. Das kann man nur über die Bestandsgröße ausgleichen."

Früher war es anders

Entweder größer werden oder aufgeben: diese Entwicklung hat Fritz Pausch in den vergangenen 40 Jahren in seinem direkten Umfeld miterleben können. Als er 1979 in die Landwirtschaft eingestiegen ist, hatten die Bauern in seiner Umgebung 10 bis 15 Kühe. Stallneubauten wie seiner 1980 waren damals für 30 bis 50 Milchkühe ausgelegt und galten als groß. Groß sind heute Betriebe mit weit über 100 Tieren. Ein Trend, den nicht jeder mitmachen kann oder will. "Früher gab es in Wehelitz sieben Häuser und sieben Landwirte", erzählt Fritz Pausch. Heute sind es einige Häuser mehr, aber nur noch ein Vollerwerbs- und ein Nebenerwerbs-Landwirt.