Die einen wollen Erdgas nach Kasendorf bringen, die anderen ein Nahwärmenetz aufbauen? Die BR sprach mit Gerd Dilsch, Technischer Geschäftsführer der Licht und Kraftwerke Helmbrechts, die Erdgasleitungen verlegen will, sowie mit Hans Peter Kolb und Peter Ott von der Wärmeversorgung Kasendorf, die ein Nahwärmenetz unter anderem mit Hackschnitzel im Visier hat.

Wie sehen Ihre konkreten Planungen für Kasendorf aus?
Dilsch: Vom bestehenden Gasleitungsnetz bei Döllnitz könnte eine etwa 3,5 Kilometer lange Anschlussleitung über Heubsch bis nach Kasendorf verlegt werden. Damit wäre der Aufbau eines Erdgasleitungsnetzes in Döllnitz, Heubsch und in Kasendorf möglich.
Je nach Interesse könnte auch Gewerbe im Ortsteil Krumme Fohre mit angeschlossen werden.
Ott: Die Nahwärme Kasendorf GbR hat sich zum Ziel gesetzt, ein nachhaltiges, gemeinschaftliches Heizkonzept zu verwirklichen, das genossenschaftlich organisiert sein soll und nicht der Gewinnerzielung dient. Die Vorplanung ist weit fortgeschritten, die Bevölkerung zeigt reges Interesse. Der nächste Schritt ist die Erstellung einer Machbarkeitsstudie.

Wie sicher ist es, dass Sie in Kasendorf aktiv werden?
Dilsch: 2013 wurde zwischen dem Markt und der LuK ein Gas-Konzessionsvertrag abgeschlossen. Erdgasprojekte amortisieren sich in der Regel erst nach vielen Jahren. In Kasendorf gibt es aktuell nicht so viele Betriebe und Gebäude mit einem höheren Wärmebedarf. Damit sich ein Erdgasleitungsprojekt zumindest längerfristig amortisiert, kommt es darauf an, dass insbesondere die öffentlichen Gebäude und viele Wohnhäuser für einen Erdgasanschluss gewonnen werden. Wird, wie geplant, ein flächendeckendes Wärmenetz aufgebaut, würde sich in vielen Straßen der Ausbau eines Erdgasleitungsnetzes nicht mehr rechnen. Damit würde das ganze Projekt in Frage gestellt werden. Nach unserer Einschätzung ist der mögliche Energieabsatz in Kasendorf einfach nicht groß genug, damit sich Nahwärmenetz und Erdgasleitungsnetz gleichermaßen rechnen würden.
Ott: Die Nahwärme Kasendorf GbR ist seit etwa einem halben Jahr mit einem sehr engagierten Team aktiv. Die Verwirklichung des Projektes kann zeitnah erfolgen.

Wie viele Interessenten haben Sie?
Dilsch: Nachdem wir im Zuge der Erdgaserschließungen in Thurnau stets kommuniziert haben, dass ein Anschluss von Kasendorf möglich ist, liegen uns schon einige Anfragen vor. Es wurden bereits Beratungsgespräche durchgeführt. Nach der Infoveranstaltung am 23. Januar wird das konkrete Interesse erkundet.
Kolb: Aktuell haben die Eigentümer von über 70 Liegenschaften ihr Interesse an einem Nahwärmeanschluss bekundet.

Für wen kann sich der Umstieg lohnen?
Dilsch: In der Regel dürften die meisten Gebäudeeigentümer noch mit Öl oder sogar noch mit Strom heizen. Hier rechnet sich ein Umstieg schon aufgrund der deutlich günstigeren Brenn-stoffkosten des Erdgases. Die Umstellung rechnet sich auch für Gewerbebetriebe und Industriekunden. Aufgrund der hohen Strompreise interessieren sich Firmen besonders für die dezentrale Stromerzeugung mittels Blockheizkraftwerken, die idealerweise mit Erdgas betrieben werden.
Kolb: Jeder Kasendorfer, der in den nächsten Jahren die Erneuerung seiner Heizanlage angehen muss, sollte über die Möglichkeit des Anschlusses nachdenken. Des Weiteren ist es für jeden lohnenswert, der die Verantwortung, eine eigene Heizanlage im Haus zu betreiben, nicht mehr tragen möchte. Dies kann der Fall sein, wenn sich jemand aufgrund seines Alters dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen fühlt, da die Nahwärme u. a. die im eigenen Haus vorhandene Heizanlage zentral und gemeinschaftlich ersetzt.

Wie teuer ist die Umstellung auf Ihr System für den Kunden?
Dilsch: Das hängt davon ab, wie die bisherige Heizungsanlage ausgeführt wird. Bei alten Heizungsanlagen, wo sowieso Bedarf für eine neue Anlage besteht, würde es sich anbieten, einen neuen modernen Gas-Brennwertkessel einbauen zu lassen. Relativ neue Heizölkessel können durch Brennertausch auf Erdgas umgestellt werden. Zudem bietet die LuK auch ein Förderprogramm für die Umstellung auf Erdgas und für den Einbau von Erdgas-Blockheizkraftwerke an. Die Kosten hängen von der Größe des Gebäudes und der Anschlusslänge des Gasnetzanschlusses ab. Bei einem Wohngebäude mit einer Anschlusslänge von etwa acht Metern zwischen Gasortsnetzleitung und Mauerdurchführung kann man näherungsweise einen Betrag von etwa 2000 Euro einschließlich der Tiefbauarbeiten ansetzen.
Ott: Eine genaue, aussagekräftige Angabe kann gemacht werden, wenn die Machbarkeitsstudie durchgeführt wurde. Diese Studie wird durch ein unabhängiges Planungsbüro erstellt.

Wie hoch werden die laufenden Kosten geschätzt? Wie kann eine Abrechnung funktionieren?
Dilsch: Die Kosten für den Bezug von Erdgas betragen derzeit nach dem Angebot LuKGas bei einer Heizleistung von 15 kW beim Arbeitspreis 5,20 Ct/kWh und beim Grundpreis 10,20 Euro/Monat jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Wie beim Strom wird Erdgas in monatlichen Abschlägen berechnet; im Gegensatz zu Heizöl muss daher nicht die gesamte Lieferung auf einmal bezahlt werden.
Ott: Die konkreten laufenden Kosten können auch erst nach Erstellung der Machbarkeitsstudie benannt werden. Abgerechnet wird nur die im Haus tatsächlich abgenommene Wärme über einen geeichten Wärmemengenzähler an der Wärmeübergabestation.

Können alle Kasendorfer an das Netz anschließen?
Dilsch: Es war zunächst geplant, Döllnitz, Heubsch und den Ort Kasendorf selbst an das Erdgasleitungsnetz anzuschließen und die erforderlichen Gasortsnetze sukzessive in den nächsten Jahren auszubauen. Für den Ausbau der Gasortsnetze ist entscheidend, wie das Interesse vor Ort tatsächlich ist.
Ott: Grundsätzlich wollen wir allen die Möglichkeit bieten, an die Nahwärmeversorgung anzuschließen. Konkret wird es uns die Machbarkeitsstudie aufzeigen. Liegen die Ergebnisse der Studie vor, werden die Interessierten im Rahmen einer Veranstaltung informiert werden.

Inwiefern können Sie sich ein Nebeneinander von Nahwärme Kasendorf und LuK Helmbrechts vorstellen?
Dilsch: Sollte der flächendeckende Ausbau eines Nahwärmenetzes erfolgen, so wäre der Aufbau eines zweiten leitungsgebundenen Energiesystems aufgrund des nicht zu hohen Wärmepotentials in Kasendorf wirtschaftlich nicht zu vertreten. Vorstellbar wäre daher allenfalls ein Nebeneinander von einem flächendeckenden Erdgasleitungsnetz und einer örtlich begrenzten Nahwärmeinsel.
Kolb: Bestens, da in einer großen Gemeinde wie Kasendorf alle Möglichkeiten für beide Anbieter vorhanden sind. Wir sind offen für jede Kooperation.

Für wie wahrscheinlich halten Sie eine Zusammenarbeit von LuK und Nahwärme?
Dilsch: Die Möglichkeiten wurden bereits diskutiert. Im Verbindung mit der Errichtung eines Erdgas-Blockheizkraftwerkes im Heizhaus könnte zwar eine Grundlastversorgung des Nahwärmenetzes mit Erdgas erfolgen, die dadurch erzielbaren Erdgasmengen wären jedoch nicht ausreichend, damit sich eine Erdgasleitung von Döllnitz bis Kasendorf zumindest sehr langfristig rechnen würde. Mit einem flächendeckenden Ausbau des Nahwärmenetzes würde man sich in den betreffenden Straßen die Möglichkeiten verbauen, dort einmal Erdgasleitungen zu verlegen, da dann die Anzahl der für einen Gasnetzanschluss zu gewinnenden Hauseigentümer einfach zu gering wäre.
Ott: Wir gehen von einer für alle Seiten konstruktiven Zusammenarbeit aus.
Kolb: Wir könnten uns vorstellen, dass es zur Versorgung der Grundlast des Nahwärmenetzes ein Blockheizkraftwerk geben könnte. Das könnte auch von der LuK betrieben werden.

Das Gespräch führte Katharina Müller-Sanke