Keine Maske getragen, einen Frühschoppen mit zu vielen Kumpels gefeiert oder nach 21 Uhr noch ohne triftigen Grund unterwegs in Zeiten der nächtlichen Ausgangssperre - die Möglichkeiten, gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu verstoßen, sind vielfältig. Mal geschieht es schlicht aus Versehen (was nicht verwundert angesichts der Tatsache, dass wir in Bayern seit 27. März 2020 die inzwischen elfte Version der Verordnung mit wechselnden Bestimmungen haben); mal aber auch in voller Absicht und aus einem trotzigen Aufbegehren gegen das "von oben" Verordnete heraus.

Wie ist es um die Corona-Disziplin der Landkreisbewohner bestellt? Nach fast einem Jahr mit der Pandemie und einer Reihe wechselnder Verbote, Gebote und Beschränkungen kann man schon mal Bilanz ziehen. Das Fazit von Polizei und Landratsamt fällt eindeutig aus. "Die Leute sind sehr vernünftig. Die Kulmbacher in Stadt und Landkreis halten sich an die Regeln", sagt Oliver Hempfling von der Führungsgruppe Katastrophenschutz.

525 Verfahren

Das Landratsamt ist die zuständige Behörde, was Verstöße gegen die Corona-Auflagen angeht. Dabei handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Bußgeld geahndet werden können. 525 solcher Ordnungswidrigkeitenverfahren hat das Landratsamt seit März eingeleitet. Ein Großteil geht auf Anzeigen zurück, die der Behörde von den Polizeiinspektionen Kulmbach und Stadtsteinach gemeldet worden sind. "Wir pflegen ein sehr gutes Miteinander mit der Polizei", so Oliver Hempfling. Er betont aber auch: "Es geht uns nicht darum, die Leute zu bestrafen, sondern vielmehr darum, sie zu animieren, sich an die Regeln zu halten." Denn, so der Jurist des Landkreises: "Pandemie bedeutet, dass sich alle an die Regeln halten müssen, und wer das mehrfach nicht tut, muss halt mit Sanktionen rechnen."

Ein Ordnungswidrigkeitenverfahren endet entweder mit einer Einstellung, einer Verwarnung (5 bis 55 Euro) oder einem Bußgeld. Das liegt in der Regel zwischen 75 und 150 Euro, kann aber auch bis 500 Euro und höher gehen bei Wiederholungstätern oder Vorsatz; "das hängt immer von der Schwere der Verstöße ab", erläutert Oliver Hempfling. 500 Euro waren bisher die Höchstgrenze, die das Landratsamt verhängt hat - die Summe war unter anderem fällig für einen Verstoß gegen das Besuchsverbot in Seniorenheimen und einen mehrfachen Verstoß gegen die Maskenpflicht an einem Tag am gleichen Ort. Auch im gewerblichen Bereich gibt es nicht selten Gründe für Beanstandungen. So wird zum Beispiel der Kundenansturm auf das neue Kaufland am vergangenen Samstag nicht ohne Folgen bleiben. "Die Polizei hat dort kontrolliert, und es wird wohl zu einer Anzeige kommen", sagt Hempfling.

Bisher 120 Bußgeldbescheide

Die Bearbeitung der Verstöße ist langwierig. In den genannten 525 Verfahren wurden bisher 120 Bußgeldbescheide verschickt und 40 Verwarnungen erteilt; 15 Verfahren wurden eingestellt. Jeder Einzelfall wird genau angeschaut, zum Teil werden Zeugen gehört. "Wir wollen eine saubere Aufarbeitung, um auch zu gerechten Entscheidungen zu kommen. Das ist nicht in drei Minuten erledigt", sagt der Landkreis-Jurist. Ein Vorgehen, das sich anscheinend auszahlt, denn bislang wurde beim Kulmbacher Amtsgericht kein Einspruch gegen einen Corona-Bußgeldbescheid erhoben.

Man wolle ein Gleichgewicht von Ahndung und Aufklärung und lege den Schwerpunkt auf Beratung und Information, so Oliver Hempfling. Vor allem im ersten Lockdown sei der Aufklärungsbedarf extrem hoch gewesen. Inzwischen sind die Regeln bekannt, und die Nachfragen bei den zuständigen Stellen im Landratsamt lassen nach. Jüngste Ausnahme: Als der Landkreis aufgrund der hohen 7-Tage-Inzidenz am 11. Januar die Kontaktbeschränkungen auf "keine Treffen mit anderen" verschärfte, "da hatten wir an einem Tag 400 Anrufe und 200 E-Mails".

Probleme mit den Masken

Dass die Aufklärungsarbeit fruchtet, bemerkt man auch bei der Polizei. "Im Frühjahr war das für alle Menschen noch eine ungewohnte Situation, das hatten wir so ja noch nie", erinnert sich Klaus-Peter Lang, stellvertretender Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion. Im ersten Lockdown habe es hauptsächlich Verstöße gegen die Ausgangssperre gegeben (ohne triftigen Grund das Haus verlassen) - oft auch, weil es die Leute nicht besser wussten. Inzwischen sei jedem klar, was erlaubt sei und was nicht. Jetzt sei es eher die Maskenpflicht, "die manchen zu schaffen macht, einfach weil sie schlecht damit zurechtkommen".

Rund 300 Verstöße haben die Kulmbacher Polizisten seit März ans Landratsamt gemeldet. Festgestellt werden sie größtenteils bei Kontrollen, "aber es gibt schon auch Hinweise von Leuten, die sich zum Beispiel daran stören, dass der Nachbar mit 20 Personen Geburtstag feiert". Vorfälle wie am vergangenen Samstagabend in Mainleus, wo sich einige junge Leute zum Trinkgelage unter einer Brücke getroffen haben, seien die absolute Ausnahme, so Lang. Er spricht den Kulmbachern ein großes Lob aus. "Wir können sehr zufrieden sein, dass hier so viel Vernunft herrscht."

Kuriose Fälle

Das bestätigt auch der Leiter der Stadtsteinacher Polizeiinspektion, Georg Löffler. "Die Leute sind vernünftig und halten sich größtenteils an die Beschränkungen." 127 "Corona-Anzeigen" haben die Beamten der Polizeiinspektion Stadtsteinach seit Beginn der Pandemie ans Landratsamt weitergeleitet. In den meisten Fällen ging es um Verstöße gegen die Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen. Gerade bei Letzteren kam den Stadtsteinacher Polizisten schon der eine oder andere kuriose Fall unter.

So zum Beispiel die Geburtstagsparty eines jungen Bayreuthers in einer gemieteten Stretch-Limousine Anfang November. Die Party-Gesellschaft war mit ihrem extravaganten Fahrzeug dummerweise in Himmelkron unterwegs, "da fällt so etwas natürlich sofort auf". Bei der Kontrolle des großzügigen Innenraums stellte sich heraus, dass die drei Männer und eine Frau aus mehreren - in diesem Fall zu vielen - Hausständen stammten.

Gleich zwei Treffen zu vieler Personen ließen die Stadtsteinacher Ordnungshüter im Oberland auffliegen. In einem Fall - hier hatte die Polizei einen Hinweis bekommen - saßen "einige ältere Herren" samstags zum gemeinsamen Fußballschauen in einer Gartenhütte zusammen. "Blöderweise war da sogar ein Altenpfleger dabei, also eine Berufsgruppe, die ja eigentlich besonders vorsichtig sein sollte", sagt Georg Löffler. Im zweiten Fall half Kommissar Zufall nach. Da war die Polizei eigentlich wegen einer anderen Angelegenheit gerufen worden, als den Beamten lautes Stimmengewirr aus einer benachbarten Scheune auffiel. Prompt trafen die Polizisten dort auf sieben Männer, die ausgelassen einen sonntäglichen Frühschoppen feierten.

Anonyme Hinweise

Mit anonymen Hinweisen haben es auch die Beamten in Stadtsteinach immer wieder einmal zu tun - von Nachbarn oder "Leuten, die meinen, dass die Kassiererin im Supermarkt ihre Maske nicht richtig auf hat". Es sei nicht hilfreich, wenn der Melder unbekannt bleibe, da man ihn ja eventuell als Zeugen brauche. "Wir versuchen, das alles mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl zu verfolgen", so Georg Löffler. Bei den sich häufig ändernden Bestimmungen sei den Menschen manchmal gar nicht bewusst, dass sie gegen eine Auflage verstoßen. Oft reiche schon ein Hinweis oder eine Ermahnung.

Natürlich merkt man bei den zuständigen Stellen auch, dass die Menschen langsam müde werden angesichts der schon so lange geltenden Beschränkungen. "Das geht uns aber allen so", gesteht Oliver Hempfling vom Corona-Krisenstab. "Da kann man nur sagen: Durchhalten! Denn wir wollen ja irgendwann mal wieder raus aus der Pandemie!"