Bianca Sollecito ist erleichtert - aus mehreren Gründen. Weil sie als Friseurmeisterin zwar Kontakt mit Corona-Infizierten hatte, aber sich nicht angesteckt hat. Dass ihr die Kunden die Treue gehalten haben, obwohl sie ihren Salon "Capelli Sollecito" in der Jahnstraße in Neuenmarkt schließen musste, während sie in Quarantäne war. Und weil sie jetzt mehr denn je von ihrem Hygienekonzept überzeugt ist, mit dem sie sich und ihre Kunden vor dem Virus schützen will.

Aber der Reihe nach: Es war ein Dienstag vor ein paar Wochen. "Ein ganz normaler Tag", sagt die 36-Jährige. Betrieb wie immer. Am Nachmittag hatte sie eine Kundin, im Anschluss kamen deren Mann und ein Sohn in den Salon. Nichts Besonderes. Waschen, schneiden, fönen. Rund drei Stunden insgesamt verbrachte sie mit den drei Personen.

Auch der darauffolgende Tag begann ganz normal. Bis um 13 Uhr das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung: das Gesundheitsamt. Und das hatte schlechte Nachrichten. Die Kundin, deren Mann und auch der Sohn waren corona-positiv getestet worden, obwohl sie beim Besuch von Bianca Sollecito keinerlei Symptome hatten. "Sonst hätte ich sie gar nicht reingelassen." Nun hieß es aber für die Friseurmeisterin: Quarantäne. Und zwar sofort.

Das bedeutete für die Neuenmarkterin nicht nur viele Termine absagen, sondern auch das Privatleben umorganisieren. Kind und Partner auf Abstand halten. "Das war das Schlimmste", sagt sie rückblickend. Dass sie zugleich ihr 16. Ladenjubiläum in Quarantäne verbrachte, war das geringste Problem.

Dass sie sich nicht angesteckt hat, führt sie auf ihr Hygienekonzept zurück, auf dessen Einhaltung sie streng achtet: Kunden müssen sich beim Betreten des Salons die Hände desinfizieren ("Wer das nicht macht, den lass ich nicht rein"). Jeder bekommt einen neuen Umhang, ehe die Haare gewaschen werden. Dabei trägt die 36-Jährige immer Einweghandschuhe. "Und nach jedem Kunden wechsel ich die Maske." Und die muss natürlich auch die Nase bedecken, betont sie. Ebenso werden sofort jeder Stuhl, jede Arbeitsfläche, jede Schere, jedes Friseur-Werkzeug desinfiziert.

Dass sie so penibel ist, hat sich schon herumgesprochen, sagt sie. "Ich habe dadurch einen unheimlichen Zugang an Neukunden. Die Leute sagen, sie fühlen sich sicher und wohl."

Und dass ist auch ihr Appell - nicht nur an ihre Kunden: "Tragen Sie den Mund-Nase-Schutz ordentlich, waschen und desinfizieren sie die Hände richtig. Man sieht ja, dass es was bringt", erklärt sie mit Blick auf ihre eigenen Erfahrungen. Und sie empfiehlt allen, stets die Augen offen zu halten, beispielsweise darauf zu achten, ob in Gaststätten die Tische desinfiziert werden, wenn die Gäste weitergehen.

Wenn sich alle an die Hygieneregeln halten würden, ist sie überzeugt, werde es keinen weiteren Lockdown geben und das Leben ein Stück weit normal weitergehen. Dass man dafür Opfer bringen muss, ist ihr klar: "Ich trag meinen Mundschutz teilweise zehn Stunden am Tag. Schön ist das nicht, dafür kann ich aber meinem Traumjob nachgehen."

Das sagt das Gesundheitsamt: In Situationen, in denen man anderen Menschen über einen längeren Zeitraum sehr nah kommt, oder mit ihnen für längere Zeit in einem geschlossenen Raum ist, ist das Risiko einer Infektion wesentlich höher. Denn gerade in geschlossenen Räumen können sich Aerosole über längere Zeit in der Luft ansammeln. So kann zum Beispiel in einem Friseursalon das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken von beiden Seiten, Kundschaft und Leistungserbringer, sehr hilfreich sein. Zwar ist eine Ansteckung dennoch möglich, da gerade bei einfachen Papiermasken oder selbstgenähten Masken Aerosole nicht ganz aus der Atemluft gefiltert werden, die Virenlast aber, die auf den Schleimhäuten landet, könnte mit Schutzmaske geringer sein und das könnte eine Infektion verhindern. Daher sind die Masken bei der Bekämpfung der Ausbreitung von Infektionen hilfreich.