Die Kulmbacher Feuerwehr hat eine neue "alte Liebe": eine Magirus 150 D 11-Drehleiter, Baujahr 1968. Ursprünglich war die Drehleiter namens Christa in der westfälischen Stadt Oer-Erkenschwick am nördlichen Rand des Ruhrgebietes im Einsatz, aber schon seit 1999 ist sie in Kulmbach zu Hause. Jetzt wird sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Freiwillige Feuerwehr Kulmbach ist nicht nur bei Katastrophen, Bränden und Schreckensereignissen parat, seit einem Jahr haben die Floriansjünger einen Oldtimerstammtisch innerhalb der Wehr gegründet. Und diese Oldifans kümmern sich um Christa.

"Das war eine der ersten hydraulischen Drehleitern überhaupt", erklärt Klaus Löppert. "Die bleibt immer in Kulmbach", fügt Benno Pieger hinzu. Und Thomas Dietzel erklärt, dass die Drehleiter über 150 PS verfügt, 9,5 Liter Hubraum hat - eben einen richtig großen Motor.
Die Drehleiter hatte ein Kulmbacher Unternehmer im Privatbesitz. Und deshalb hat sie auch den Namen Christa bekommen, den Namen seiner Frau.

"Die ist so gut gepflegt, die hat keine einzige Roststelle", schwärmt Benno Pieger. Und mit seiner Leidenschaft hat er auch seinen Sohn Florian angesteckt. Obwohl Florian Pieger mit seinen 22 Jährchen nicht einmal halb so alt wie Christa ist, ist auch er ganz vernarrt in den außergewöhnlich gut erhaltenen Oldie mit der langen Schnauze.
"Die Drehleiter hat nur 16 000 Kilometer drauf, alles ist Original. Sie hat noch den ersten Motor", erzählt Klaus Löppert. Thomas Dietzel zeigt sogar noch die Originalanleitung - mit Schreibmaschine geschrieben.

Klaus Löppert hat den Titel "Chef-Mechaniker" verliehen bekommen. Denn schließlich sammelt er auch privat Oldtimer. Und außerdem hat er das Oldi-Kennzeichen spendiert. Denn manchmal wird "Christa" zu einer Ausfahrt ausgeführt: bei Oldtimertreffen, bei Schauveranstaltungen, bei Jubiläumsveranstaltungen. "Am wohlsten fühlt sich Christa so bei 65 bis siebzig Stundenkilometer", erklärt Klaus Löppert, betont aber, dass sie auch schneller fahren könnte. Löppert hat ein Händchen für den Oldie und schaukelt ihn auch durch die engsten Straßen in Kulmbach. "Wenn's brennt, müsste man doch auch hin", sagt Löppert nur unbeeindruckt. Aber natürlich achtet er peinlich genau darauf, dass die Drehleiter keinen Kratzer bekommt. Denn noch ist alles Original. Und das ist ein echter Schatz.

In Saalfeld wurde Christa auch schon gezeigt. Das Gefährt ist überall die Schau. Auf der Kühlerhaube prangt die Silhouette des Ulmer Münsters, in Kombination mit einem M für Magirus. Vier Martinshörner haben noch den typischen Feuerwehrklang.

Die 30-Meter-lange Drehleiter funktioniert übrigens noch einwandfrei. Sie lässt sich ausfahren, allerdings muss alles manuell eingestellt werden. Und die Feuerwehrler müssen auch selbst darauf achten, dass das Gefährt richtig gerade und fest steht.

"Das ist echt ein wertvolles Stück. Wir halten das in Ehren", sagt Benno Pieger und alle anderen Oldiefans, die viel Leidenschaft in das Fahrzeug gesteckt haben, pflichten ihm bei. Beim Tag der offenen Tür wird es zum ersten Mal einer großen Öffentlichkeit vorgeführt.

Die Drehleiter hat natürlich auch schon einige Einsätze hinter sich - im Ruhrgebiet. Dann wurde sie ausgemustert, an einen Händler in Gifhorn verkauft. Und von dem kaufte der Kulmbacher Unternehmer das gute Stück dann schließlich aus Liebhaberei. Manchmal wurde die Drehleiter zum Fensterputzen benutzt. Und weil keine Ausstattung mehr bei der Drehleiter dabei war, hat die Feuerwehr Kulmbach kurzerhand gekramt und zeitgenössische Schläuche, Kupplungen und anderes Zubehör, das heute längst ausgemustert worden wäre und natürlich nicht mehr den aktuellen technischen Anforderungen an eine Wehr entprechen würde, als Ausstattung beigefügt.

Natürlich muss Christa nicht mehr zu Einsätzen. Sie hat keine Sicherheitsgurte, keine Servolenkung, keine Bremskraftverstärker. Aber als Schauobjekt ist sie noch immer eine Wucht.

Das Programm zum Tag der offenen Tür

10 Uhr (Beginn) Geräteschau mit allen Fahrzeugen der Feuerwehr Kulmbach während des ganzen Tages auf dem Gelände in der E.-C.-Baumann-Straße

11 Uhr Einsatzübung, Rettung einer übergewichtigen Person aus Gebäude

12.30 Uhr Einsatzübung, Scheunenbrand, Aufbau einer Widerstandslinie

14 Uhr Einsatzübung, LKW verunfallt, Kanister mit Gefahrgut läuft aus

15.30 Uhr Einsatzübung, Zimmerbrand im 2. Obergeschoss eines Wohngebäudes

17 Uhr Einsatzübung, Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person

Vorführungen Zwischen den e Programmpunkten gibt es Vorführungen der Sondergruppe Absturzsicherung und der Jugendgruppe. Außerdem kann die Atemschutz-Übungsanlage besichtigt werden.