Es war ein Unfallbild, wie es selbst viele erfahrene Rettungskräfte noch nicht gesehen haben. Weil ein 71-Jähriger aus Sachsen am Sonntagnachmittag mit seinem Mercedes auf der A 9 bei Streitau mit hoher Geschwindigkeit in den Hyundai eines Berliners gekracht war, ist es in der Folge zu einer Massenkarambolage gekommen. Aufgrund der Wucht des Aufpralls schleuderten die beiden Autos nach vorne und prallten mit acht weiteren Fahrzeugen zusammen. Ein Wagen geriet in Brand. Die Polizei spricht von 15 Personen, die leicht oder mittelschwer verletzt wurden. Darunter waren auch Kinder. Der Unfallverursacher und seine Frau wurden schwer verletzt. Bei ihnen konnte am Sonntag Lebensgefahr nicht ausgeschlossen werden. Gestern befanden sie sich aber schon auf dem Weg der Besserung.

Rettungsgasse hat funktioniert

Die Karambolage machte einen Großeinsatz der Rettungskräfte vonnöten, die auch aus dem Landkreis Kulmbach kamen. Mit dem Rettungswagen sind Manuel Steinl und Detlef Kraft vom BRK vom Standort Neudrossenfeld aus angerückt. "Wir wurden nachgeordert, weil es viele Verletzte gab", sagt Rettungssanitäter Manuel Steinl, der sich mit seinem Kollegen den Weg durch den Rückstau bahnen musste. "Die Rettungsgasse wurde zum Glück vorbildlich gebildet", berichtet der 36-Jährige, der dann bei Streitau ein Trümmerfeld sah. Die vielen Verletzten hatten sich selbst aus den Fahrzeugen befreien können und wurden da schon von zuvor eingetroffenen Rettern betreut. "Wir haben eine Familie erstversorgt und ins Klinikum gebracht", berichtet Steinl.

Immenser Sachschaden

Dass bei einem solch großen Schadensbild - die Polizei spricht von einem Sachschaden von mindestens 200.000 Euro - der Unfall doch noch recht glimpflich ausgegangen ist, stellt wie Manuel Steinl auch Hannes Valentin vom THW in Kulmbach fest. Das Technische Hilfswerk war mit 16 Kräften angerückt. "Wir haben uns um die Stauabsicherung an der Schiefen Ebene und bei Himmelkron gekümmert und zudem den Verkehr an der Anschlussstelle Gefrees ausgeleitet", sagt Hannes Valentin.

Direkt an der Unfallstelle

Zusammen mit t Matthias Beßlein war Valentin selbst direkt an der Unfallstelle. Als Fachberater habe er dort den Einsatz in Absprache mit der Polizei und Feuerwehr koordiniert. Technische Hilfeleistung habe das Kulmbacher THW an dme Tag nicht leisten müssen, weil sich die Insassen selbst aus den Autos befreien konnten.

Der 24-Jährige spricht von einem außergewöhnlichen Unfall. Nach der Erstmeldung habe man von noch schwereren Verletzungen ausgehen müssen, "zumal ein Auto ja auch gebrannt hat". Es sei ein Großkampftag für die Rettungskräfte gewesen. "Was es für alle Helfer sehr belastend gemacht hat, war die Tatsache, dass viele Kinder an der Einsatzstelle waren, denen man die Betroffenheit doch sehr angemerkt hat."

Über 200 km/h

Warum der 71-jährige Unfallverursacher aus Sachsen, der offenbar über 200 km/h fuhr, den langsameren Verkehr vor ihm übersehen und auf der mittleren Fahrspur im Bereich des Parkplatzes Streitau mit dem Hyundai kollidiert war, war am Sonntag unklar. Der 40-jährige Hyundai-Fahrer war aufgrund des zähfließenden Verkehrs nur mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h unterwegs.

Nach dem Unfall hatte sich ein zehn Kilometer langer Rückstau gebildet. Auch auf den Ausweichrouten kam es zu erheblichen Behinderungen. Die A 9 war in Richtung Norden während der Bergungs- und Räumungsarbeiten bis gegen 21.30 Uhr gesperrt.

Hubschrauber war im Einsatz

Polizisten der Verkehrspolizei Hof waren mit der Unfallaufnahme beschäftigt. Die Beamten wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bayreuth durch einen Unfallsachverständigen unterstützt. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz.