Die Petition einer Mutter aus Konstanz, die Bundesjugendspiele an den Schulen abzuschaffen, stößt auf geteiltes Echo.

"Das ist eine sehr gute Einrichtung an den Schulen", urteilt naturgemäß BLSV-Kreisvorsitzender Lothar Seyfferth. Seine Argumentation: "Dann darf ein Kind ja gar nichts mehr machen. Es gibt auch andere Bereiche, in denen sich die Kinder miteinander messen - zum Beispiel die Musik."

Lothar Seyfferth geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet es als wichtig, dass ein Kind zu unterliegen lernt. "Das bedeutet ja nicht, dass man Verlierer für das ganze Leben ist."

Und was sagt Seyfferth über den doch bemerkenswerten Zuspruch für die Antragstellerin? "5000 Unterstützer sind prozentual zur Einwohnerzahl gesehen nicht viele."

"Wenn Kinder nicht in Sportvereinen sind, ist eine regelmäßige Bewegung nur noch im Schulsport gegeben - und die Bundesjugendspiele sind ein Teil davon", sagt Markus Rauh, seines Zeichens Leichtathletik-Trainer beim ATS Kulmbach. "Meines Erachtens empfinden Kinder den Wettkampf nicht als Zwang, sondern ganz überwiegend als positives Erlebnis. Bundesjugendspiele sind in der Schule ein besonderer Tag."

Die Bundesjugendspiele neuerer Prägung ("Seit 2001 wurden die Vorgaben angepasst") sind laut Rauh "mehr als ein paar spezielle Leichtathletikwettbewerbe, sondern insbesondere durch den variablen Vierkampf breiter angelegt. Neben der Leichtathletik gibt es dann ja noch Schwimmen und Turnen."


Die Vorbereitung muss stimmen

Was Lehrer Herbert Hörath, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schulsport, nur bestätigen kann. Für Hörath ist die Pflichtveranstaltung Bundesjugendspiele vor allem eine Sache der Vorbereitung durch den Lehrer, wobei er die Erfahrung gemacht hat, dass Kinder den Wettbewerb von sich aus machen wollen. Kritische Stimmen, so sagt Hörath, gibt es eigentlich nur, wenn nicht ausreichend für den Wettbewerb geübt wird. Was sich der Pädagoge durchaus vorstellen kann: Dass die Teilnahme an den Bundesjugendspielen ab der Mittelstufe freiwillig ist.

Einer, der durchaus Verständnis für die Gegner der Bundesjugendspiele hat, ist Julian Seiferth. Der 20-jährige Student aus Kulmbach, der bei der SG Melkendorf-Burghaig Fußball spielt, hat früher selbst an den Bundesjugendspielen teilgenommen. "Ich habe sie gemacht und gemocht", sagt er. Aber: "Man sollte nicht zur Teilnahme gezwungen werden", betont er und sieht sehr wohl das Problem der Bloßstellung unsportlicher Schüler. Seiferth: "Wie würde denn jemand reagieren, wenn er an einem Musikwettkampf teilnehmen müsste, aber einfach unmusikalisch ist?"

Auch Nicole Putschky, Elternbeiratsvorsitzende am Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach, hat durchaus Verständnis für die Nöte der Kinder. "Die weniger Sportlichen schauen bei der Urkundenvergabe in die Röhre", sagt sie. Ebenfalls nicht zielführend: Dass die Bundesjugendspiele noch bei 35 Graf Außentemperatur durchgezogen werden. Ihr Vorschlag: Den Wettbewerb nicht mehr verpflichtend durchführen, sondern auf eine freiwillige Basis stellen.

Stimmen aus Facebook

Manfred Spindler Jawoll. Wir schaffen alles ab. Mathe, Deutsch, Physik... Alles nur noch freiwillig. Und Sport? Na klar, da gibt"s doch bestimmt eine Bundesjugendspiele-App! Die armen Kinderlein...Sacht ma, was ist los mit uns? Verblöden wir jetzt total? Das ist doch Realsatire...

Mirjam Sonder Aber du kannst doch nicht die öffentliche Bloßstellung der armen unsportlichen Kinder gutheißen.....man muss den Kindern doch ALLE Unannehmlichkeiten aus dem Weg räumen. Und man muss die Persönlichkeitsrechte und den Willen der Kinder respektieren. Wenn Joel-Pasquale mit seinen 1,45m und 76kg nunmal nicht 100m laufen möchte, dann muss er das auch nicht! (Achtung: Sarkasmus)

Manfred Spindler Ich hab"s verstanden "wink"-Emoticon

Mirjam Sonder DU schon!!!!!

Julian Seiferth Die BJS sind durch ihre relative Öffentlichkeit dazu geeignet, unsportliche Schüler bloßzustellen. Ein Kind, das an einem Sportwettbewerb nicht teilnehmen will, sollte das auch nicht müssen. Wie würden sie reagieren, wenn sie an einem Musikwettkampf teilnehmen müssten, aber einfach unmusikalisch sind, Herr Heller? "So f.... äh unmusikalisch? Mehr Zeit fürs Handy, als seinen Mozart zu spielen." Ich hoffe sie sehen, was ich ausdrücken will.

Yvonne Wagner Naja, bei uns mussten wir auch noch im Musikunterricht ein Instrument vorspielen, natürlich war hier auch nicht jeder so toll!!!

Julian Seiferth Das ist das Äquivalent zum Sportunterricht. Den Wettbewerb hat aber exklusiv der Sport.

Manuel Hofmann Also ich empfand die Bundesjugendspiele immer als schöne Abwechslung zum normalen Schulalltag, man konnte sich immer selbst beweisen und mit den anderen messen.

Yvonne Wagner Warum, sollte man sie abschaffen?!?!? Finde, dass der Schulsport sowieso schon viel zu viel vernachlässigt wird!!!

Nick Seiferth Die Baustelle Schule bekommt im Laufe der Zeit merklich mehr und mehr Risse. Viele argumentieren über den eintönigen Schulalltag, und auch mir als Schüler geht es oft nicht anders. Gerade hier eignen sich die BJS immer als willkommene Abwechslung. Wieso soll diese auf einmal abgeschafft werden?
Eine dagegensprechende Meinung könnte lauten: "unmusikalische Kinder müssen nicht in die Musik-AG, technisch nicht versierte Kinder müssen nicht in die Computer-AG, wieso sollte mein unsportliches Kind also zwangsweise bei einem Sportwettkampf teilnehmen müssen?" Und dieser Fragestellung kann man kaum gerecht werden. Einen Schüler zu etwas zu zwingen, an dem er weder Spaß noch Erfolgsaussichten hat, bringt keine Motivation oder fördert das Selbstvertrauen. Unter Zwang erreicht man kaum etwas.
Auf der anderen Seite ist ein Wettkampf gerade das, was Kindern fehlt und gefördert werden muss! Vor allem im Sport. Durch den Zuwachs an digitalen Medien, der sich teilweise schon in der Grundschule bemerkbar macht, geht das gute alte "auf den Bolzplatz gehen" mehr und mehr verloren. Die BJS sind ein letzter Teil des immer kleiner werdenden sportlichen Lebens der Kinder. Was kommt als nächstes? Sport als Wahlfach?
Am Ende ist also erkenntlich, den Sport auf Wettkampfebene so zu erhalten, wie er jetzt ist, wenn nicht sogar noch mehr ausbauen. Allerdings sollte dies nicht unter Zwang geschehen, sondern als Wahlveranstaltung für Schüler, bei der der Spaß in Verbindung mit optimaler Leistung im Vordergrund steht!

Markus Hempfling Marek Impfling Ich selbst Bjhr 1971 hasste die BJS !!! Aber sie wurden mitgemacht (immer ohne Erfolg) weil sie dazugehörten ! Vielleicht gibt"s bald Petitionen die mal vernünftige Sachen fördern ? Wie z.B: Lehrer und Schulpsychologen auf ihre psychische Gesundheit zu testen bevor man sie auf unserer aller Kindern los lässt ? Da macht das bißchen Sport am allerwenigsten kaputt.

Thomas Ehrnsperger Es gibt immer Über-Mammas die glauben alles alles besser machen zu müssen und auch zu können.......! Möchte nicht wissen was deren Kinder an sportl. Tätigkeiten ausüben. Wohl Schach .....

Christian Diersch Na klar und dann sterben die Leute mit 18 an Adipositas Cordis, zu deutsch Herz verfettung

Marco Heller Oh mein Gott...! Was ist das für ein Kind? So f.... äh unsportlich? Mehr Zeit fürs Handy, als seine Runden auf der Bahn zu laufen.

Nina Herbst So ein Schwachsinn!! Ich war nie unsportlich und habe sie auch gehasst! Meine Tochter findet es auch zum kotzen und ich kann es nachvollziehen!

Silke Conrad Oh mein Gott! Vor was müssen wir denn unsere Kinder noch alles bewahren. Jetzt kommen auch noch die gemeinen BJS. Also jetzt auch noch nen Ball werfen.... das geht ja garnicht

Michaela Spindler Bundesjugendspiele abschaffen geht gar nicht, ich fand sie immer toll, ne Petition gegen Übermamis wär doch schön "grin"-Emoticon

Christina Nagel So ein Schmarrn dann müsste man auch den Schulsport und den Schwimmunterricht, Musikunterricht und kunst abschaffen man könnte ja schlechter als ein anderer sein und diskriminiert werden!

Ich selber war nie die beste bei den bundesjugendspielen und hatte immer wenig lust darauf aber es war ein Grund sich in sport vorher anzustrengen um was zu erreichen. Es war ein sehr willkommene abwechslung. Man konnte mal raus aus den nervigen Schulalltag. Natürlich gab es auch damals schon viele die nicht so gut waren aber die wurden weder diskriminiert noch ausgelacht. Mobbing ist ein anderes thema ! Und findet sicher nicht nur auf dem sportplatz Stadt.

Hartmut Erland Stoesslein So ein Quatsch. Prämiert künftig diejenigen, die keine Rolle mehr vorwärts machen können und das mit der Verpflichtung, sich bei denen zu entschuldigen, die es können. Weiter so in dieser Mühle. Zum KOTZEN!

Nina Herbst Ich finde es gut! Lieber einen Sporttag mit verschiedenen Sportarten als Kinder in ne Sportart zwingen, die Ihnen nicht gefällt und wo Sie schon von klein auf angst vorm Versagen haben!!! Früher und heute? Früher waren die Kinder nicht so extrem gemein und teilweise grausam wie heute!!!

Katharina Spindler Ich hab die bundesjugendspiele gemocht.. Warum abschaffen.. Weng Bewegung schadet sicher nicht!!

Matthias Frederking Schauen sie mal wir haben alle eine Ehrenurkunde "grin"-Emoticon

Katharina Spindler Ja XD... Das war gut

Nina Herbst Ich find es sollte jedem Kind freigestellt werden!

Mario Kasp Finde Bundesjugendspiele okay abwechslung zum schulaltag unsere heutige jugend treibt heutzutage eh zuwenig sport

Don Kubaninski Armes Deutschland...

Julian Seiferth Warum?

Meinung: Pro und Contra Abschaffung der Bundesjugendspiele
Pro: Sarah Dann, Redaktionsvolontärin, findet, die Spiele sind überholt: "Von der ersten bis zur vierten Klasse kam ich in den Genuss dieser im besonderen Maße pädagogisch wertvollen Schulbank-Alternative. Vier ehrwürdige Teilnehmerurkunden staubte ich ab.

An Tagen, an denen es durchschnittlich 35 Grad hatte - mindestens und im Schatten versteht sich. Schützende dunkle Flecken waren im baden-württembergischen Osterholzstadion aber nicht zu finden, schon gar nicht am Tag der Bundesjugendspiele. Aber wer rechnet im Juli, im Sommer, schon mit einer Temperaturexplosion?! Den Wetter- oder vielmehr Planungskapriolen irgendwelcher Minister sei dank, fuhren deshalb 99 Prozent der Eltern am Morgen der Bundesjugendspiele ihre Schützlinge sicherheitshalber mit dem Auto ins Stadion ... der Buckel zum Sportplatz hinauf sollte die Mitschüler schließlich nicht schon vor den Wettkämpfen ins Schwitzen bringen.

Noch fürsorglicher waren nur die Eltern, denen es morgens am Telefonhörer selbst die Schweißperlen auf die Stirn trieb: "Also meine Lisa, die hat heute Kopfschmerzen. Ganz starke. Wirklich." Bauchschmerzen waren es wohl eher, ... waren es aber vielleicht auch schon im Jahr zuvor.

Die Wertlosigkeit von Teilnehmerurkunden keimt im Konzept sogenannter Sport-"Spiel"-Tage. Es "soll auf eine Frühspezialisierung und Einengung in ein zu starres Regelwerk verzichtet werden", heißt es offiziell. Deshalb wird der Einsatz - ob beim Sprinten oder Springen - in der brütenden Hitze nach Tabellen bewertet, aha. Im Ernst: Auf die Plätze, meckern, los! Gegen einen einzelnen Tag, der kindlichen Bewegungsdrang in Leistungstabellen zwängt. Für ein Bewegungsprojekt, das beim Thema "Ernährung" im Heimat- und Sachunterricht beginnt und Trainingserfolge im Sportunterricht erlaubt. "

Contra: Christian Holhut, Redakteur, findet die Bundesjugendspiele sinnvoll: "Es gibt nicht die fetten Jugendlichen, die mit Fastfood vor der Glotze sitzen. Es gibt sie natürlich, aber eben nicht nur. Denn wie Spaß am Lesen oder Appetit auf gesunde Ernährung ist eben auch Freude an Bewegung und fairem Wettkampf zum großen Teil Erziehungssache. Verabschieden wir uns hier von der Idealvorstellung, die sei flächendeckend so auch gut gegeben. Es mangelt hierzulande oft daran. An vielem. Zu oft. Nicht ohne Grund beklagen Lehrer häufig, dass sie sich notgedrungen immer mehr um das zu kümmern hätten, was Eltern nicht leisten wollen oder können.

Deshalb ist am Sport in der Schule ebenso wenig zu rütteln wie an Mathe oder Deutsch. Denn: Jedes Kind braucht dieselben Chancen und Möglichkeiten, unabhängig von seiner Herkunft, seinem Zuhause oder aktuellen Fähigkeiten. Entsprechend vonnöten ist die Leistungserfassung. Es braucht eben auch die Chance, sich mit anderen zu messen - genauso wie in allen Fächern in der Schule, in anderen Lebensbereichen oder -phasen, sobald individuelle Stärken und Schwächen zum Vorschein kommen. Der Fingerzeig in Richtung "unsensibles Lehrpersonal", wesentliches Element der Petition, zeigt doch, wo der Fehler liegt: nicht im sportlichen Wettkampf, sondern sobald es maßgeblichen Personen im Umfeld der Kinder an Kompetenzen mangelt.

Und damit sind hier nicht nur die Lehrer gemeint. Natürlich sind die Bundesjugendspiele gut vorzubereiten, nicht am heißesten Tag des Jahres durchzuprügeln, jeder Teilnehmer ein Sieger - und die Schwächen von Kindern generell ernst zu nehmen. Wer aber Defizite in diesem Bereich zum Anlass nimmt, alle Kinder ein Stück mehr in Watte zu packen vor der Lebenswirklichkeit, arbeitet am eigentlichen Problem vorbei."


Stimmen aus dem Netz:
Auch auf inFranken.de und auf den zugehörigen Facebook-Seiten wird das Thema heiß diskutiert. Hier eine Auswahl an Stimmen:

Das-geschriebene-Wort: "Ich finde eintägige Bundesjugendspiele total sinnlos. Wenn man mal bedenkt, wie häufig in der Schulzeit die Sportstunden ausfallen (...) und man die Kinder fast unvorbereitet in diesen Wettkampf schickt und daher Urkunden nicht nur mit Können sondern auch mit Glück zugewiesen werden."

Yvonne Guzik Ives: "Ich bin ja schon ein paar Jährchen aus der Schule raus, aber die besten Erinnerungen hab' ich an die Bundesjugendspiele, und zwar nicht wegen des Sportteils, ich glaub', ich hab's höchstens mal zu ner Siegerurkunde geschafft (...), sondern die Kameradschaft, das ,Abhängen‘ mit den Anderen, einfach der SPASS, einen Tag ohne Unterricht zu haben."

Uschi Veit"Ich erinnere mich mit Freuden an die Bundesjugendspiele. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Kameradschaft darunter gelitten hat."

LuciferSam: "Wenn der Klassenzusammenhalt Mist ist, macht es natürlich keinen Spaß. Aber dann werden die Schwächeren nicht nur bei den BJS gemobbt, sondern immer."



Hintergrund: Wie kam es zur Diskussion um die Bundesjugendspiele?
Initiatorin Christine Finke aus Konstanz hat die Diskussion ins Rollen gebracht. Die Stadträtin und freiberufliche Journalistin widmet sich privat als Bloggerin und alleinerziehende Mutter von drei Kindern der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier geht's zu ihrem Blog.

Begründung Vor rund einer Woche setzt Christine Finke auf Twitter die Nachricht ab, dass ihr Sohn weinend mit einer Teilnehmerurkunde der Bundesjugendspiele heimkomme - und sie deshalb eine Petition zur Abschaffung erwäge. Der Wettbewerb mit Teilnahmezwang und starkem Wettkampfcharakter sei nämlich nicht mehr zeitgemäß.

Petition Zwei Tage später steht ihre Online-Petition "Bundesjugendspiele abschaffen!" an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) im Netz und sammelt binnen drei Tagen über 5000 Unterschriften. Sie entfacht auch eine heftige, teilweise sehr emotionale Diskussion um die 1951 eingeführten Bundesjugendspiele - insbesondere in den Sozialen Medien, aber auch bundesweit in großen Zeitungen und Portalen. Hier geht's zur Petition.

Meinung Der Deutsche Sportlehrerverband positioniert sich mit Präsident Michael Fahlenbock pro Bundesjugendspiele - wenngleich er ablehnt, vom Ergebnis Zensuren abzuleiten. Der Tageszeitung "Welt" sagte er in dieser Woche, er halte die Spiele samt Wettbewerbscharakter für richtig - sofern sie wie ein Sportfest gesehen und Schüler systematisch auf die einzelnen Disziplinen vorbereitet würden. Fahlenbock zufolge ist zu berücksichtigen, dass nur Schulen "wirklich alle Heranwachsenden" treffen. hol